Mein zweites Schlafzimmer

Verlängertes Wochenende wegen Fronleichnam und Brückentag! Und endlich mal wieder Zeit und Lust zum WILDen.
Nach Übungsbeginn liege ich irgendwann bequem da und denke darüber nach, dass viele WILDer oder OBEler davon ausgehen, am Übergang in den Klartraumzustand eine gewisse Abfolge seltsamer und enervierender hypnagoger Erlebnisse wie Vibrationen, Schwingungen, Düsenturbinenlärm u.v.a. bis hin zum direkten und bewussten Wahrnehmen der Schlafparalyse zu durchlaufen.
Bei mir läuft das alles stets viel ruhiger und unspektakulärer ab. Derartige Phänomene zu erwarten lenkt mich nur ab.
Schließlich unternehme ich einen Versuch: Ich denke daran, einfach abzuheben und aus der Rückenlage heraus ein wenig emporzuschweben – und es geschieht! Also bin ich, ohne jedes seltsame Begleitphänomen, in das falsche Wachliegen übergegangen!
Ich erhebe den Oberkörper und setze Schwimmbewegungen ein, um mich aus dem Bett herauszuschwingen und in Luftlinie zur Schlafzimmertür zu fliegen.
Der Flur ist vom Arbeitszimmer her durch das Licht eines bedeckten Tages erhellt. Am rechten Türrahmen betrachte und betaste ich eine Weile lang das helle Holz mit beiden Händen, um in diesem luziden Traumzustand alles genau und intensiv zu fühlen und in mich aufzunehmen. Einfach ein gutes Gefühl durchströmt mich dabei.
Ich fliege weiter ins Arbeitszimmer, das sich allerdings als ein zweites kleineres Schlafzimmer von vielleicht 15 Quadratmetern Fläche präsentiert.
Von der Tür her gesehen steht mein Doppelbett an der rechten Wand. Ich fliege hinein und bringe vor dem Bett, circa auf halber Strecke zur gegenüberliegenden Wand, die Füße auf den mit beigem Teppichboden ausgelegten Fußboden, um mich haptisch zu stabilisieren: Ich betaste meinen Brustkorb beidhändig. Alles fühlt sich so normal wie im „gewöhnlichen“ Wachzustand an. Um wieder das „magische“ Gefühl des Klarträumens zu erhalten, stoße ich mich erneut ab und schwimme zum geöffneten Fenster hinüber, wo meine gestreifte Bettdecke links am Fensterrahmen zum Auslüften aus dem Fenster gehängt ist. Obwohl dieses Erlebnis ruhig und total unspektakulär ist, bin ich voller Freude!
In meinem Arbeitszimmer hätte ich am Fenster normalerweise einen Blick aus dem OG in meinen Garten und auf die Rheinebene hinaus. Das geträumte Fenster hier schaut ebenerdig auf einen Grasstreifen und auf eine säuberlich geschnittene Buchshecke von 80 Zentimeter Höhe dahinter hinaus. Hinter der Hecke und offenbar jenseits einer schmalen Wohnstraße befinden sich ein bis zwei niedrige Wohnhäuser, weiß verputzte Bungalows. Über allem ein makellos weißer Himmel.
Am Fenster lehnend und ins Zimmer zurückschauend überlege ich mir, was ich nun unternehmen will. Soll ich heute mal die Ich-Punkt-Technik ausprobieren und mich zu einem ausdehnungslosen Ich mit 360°-Rundumblick zusammenziehen? Das wäre ein interessantes Experiment, aber es zieht mich heute nicht so. Lieber möchte ich einen Spaziergang durch die Umgebung machen und schauen, ob ich dort eventuell jemandem begegne.
Da ich nackt bin, ziehe ich etwas an, das auf dem Bett liegt. Gerade will ich meine Jeans zuknöpfen, als sich die Traumszene destabilisiert und ins Mattgraue auflöst, was mich zurück ins Bett überblendet.
Es ist 6:02 Uhr, als ich wenig später auf den Wecker blicke. Eine Übung reicht für heute und ich haue mich noch für eine Weile ohne weitere Absichten aufs Ohr.

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Die jenseitige Ebene

Auf einer astralen Wanderung, die sich kontinuierlich zu voller Luzidität steigert, laufe ich gegen Abend einen langen, geraden Straßenzug in einer Häuserschlucht entlang, der zum Weihnachtsmarkt ausgeschmückt ist.
Am Ende des Marktes mache ich kurz hinter der Straßenabsperrung kehrt und laufe zurück.
Kurz denke ich darüber nach, was man wohl zuhause sagen wird, dass ich heute aus irgendeiner Laune heraus einfach so und ganz allein den weiten Weg zum Nürnberger Weihnachtsmarkt gefahren bin. Dabei interessiert mich der Markt jetzt gar nicht; ich bin ganz in die geistige Auseinandersetzung mit dem Thema des Astralwanderns verwickelt. Gedankenversunken wie ich unterwegs bin, werde ich etwas unsicher, ob ich die Stelle wiederfinden werde, wo ich mein Auto geparkt habe. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich es sicher schaffen werde.
Der Weihnachtsmarkt ist, sobald ich kehrt gemacht habe, verschwunden und ich vermute, dass ich in Gedanken den Weg in eine Parallelstraße eingeschlagen habe und gehe einfach weiter.
Vorne, nahe der Einmündung zu einer breiten Hauptstraße (von dort bin ich in diesem Traum auch hergekommen!), treffe ich auf eine Frau Anfang oder Mitte vierzig mit hellem Teint mit ersten Falten, schwarz gelocktem Haar und freundlichen tiefdunklen Augen. Sie trägt einen dunklen Mantel. Sie schaut mich wissend an und bestärkt mich weiterzugehen, da es schon der richtige Weg sei. Und sie spricht mich mit „Herr Lowinsky“ an. Ich stutze, denn die Frau ist mir völlig unbekannt.
„Woher kennen Sie meinen Namen?“, frage ich verdutzt.
„Aber, Herr Lowinsky, wir kennen uns doch schon immer!“, antwortet sie milde lächelnd.
Sie geht nun an meiner rechten Seite und begleitet mich zur Hauptstraße.
Ich blicke die breite Straße entlang, verwirrt und verwundert – die Bewusstheit steigert sich ab jetzt mehr und mehr.
„Welche Stadt ist das?“, frage ich meine Begleitung.
„Es ist Neustadt!“, meint sie. Doch ist es ganz offensichtlich ein anderes Neustadt, ein Neustadt auf einer anderen Bewusstseinsebene: andere, breitere Straßen, andere öffentliche Plätze.
„Wissen Sie, wo hier mein Auto ist?“, frage ich.
Meine Begleitung führt mich daraufhin genau den Weg, den ich aus Eigenem auch eingeschlagen hätte und ich bin zufrieden, dass ich also auch ohne ihre Hilfe auf dieser Astralwanderung nicht völlig orientierungslos gewesen wäre.
Wir gehen an der Einmündung links ein aus rotem Ziegel gefügtes Trottoir an der breiten Hauptstraße entlang, vorbei am markisenüberdachten Eingang eines Hotels oder Ladens.
Die nächste Straße biegen wir links in eine von hohen Jugendstilhäusern (klobiger roter Sandstein und Gesimse zwischen den Stockwerken) gesäumte Wohnstraße ein. Einige Meter straßeneinwärts steht tatsächlich der weiße Opel am rechten Fahrbahnrand, genau dort, wo ich ihn in meiner Erinnerung geparkt hatte.
„Wo Sie ihn abgestellt haben!“, kommentiert meine Begleitung freundlich amüsiert.
Meine Begleitung hat sich jetzt merkwürdigerweise gewandelt; es ist dieselbe Person, doch erscheint sie mir nunmehr als hagerer Mann mit demselben hellen Teint, dunklen Augen und schwarzem Schnauzbart; er trägt einen graublauen Kapuzenpullover und hat die Kappe übergezogen. Wie auf einer Kanzel steht er nun in erhöhter Position an der Hausecke auf einem der Sandsteinsimse und blickt zu mir herab. Die Position enthält indes keine Machtdemonstration, sondern zeigt an, dass er und ich uns in einer anderen Ausgangslage befinden. Und ich ahne – inzwischen vollständig luzid -, was Sache ist.
„Wieso wissen Sie so viel über dieses Neustadt auf einer anderen Ebene?“, frage ich ihn.
Ich vermute, dass diese Person tot ist und ich hier mit jemanden aus der Anderswelt rede.
Er bejaht meine Vermutung umgehend.
Nun wieder rechts neben wir gehen wir ein wenig die Wohnstraße entlang. Auf der anderen Straßenseite erkenne ich ein altes blaues Straßenschild mit weißem Rand, angeschraubt knapp unterhalb des zweiten Stocks; die verblichene Schrift sagt mir, dass diese Straße hier „Nordring“ oder so ähnlich heißt. Eine solche Straße gibt es in Neustadt nicht. Schließlich frage ich ihn:
„Und wie ist das so?“
„Das Leben (ich weiß in diesem Moment, dass er damit seine vergangene diesseitige Existenz meint) hinterlässt Fehleindrücke“, antwortet er gedankenversunken. Das letzte Wort verstehe ich erst nicht genau und bitte ihn daher, es zu wiederholen.
„Fehleindrücke“, repetiert er.
„Ich wollte in den Himmel!“, fährt er sogleich ohne weitere Erläuterung fort. Dennoch begreife ich, was er meint: Ich weiß, dass er ihn, den Himmel, aber nicht erreichen kann, sondern nur diese andere oder anderen Ebenen, auf deren einer wir nun augenblicklich gemeinsam unterwegs sind.
Eine gewisse Traurigkeit geht von ihm aus. Er tut mir leid.
Wieder zurück an der Straßenecke befindet er sich wieder auf seiner erhöhten Position auf dem Sims.
„Wie komme ich wieder zurück in das Neustadt der Ebene, wo ich herkomme?“, frage ich nun.
Ich soll einfach losfahren, meint er, meistens geschehe es dann einfach, vielleicht z. B. beim Tanken. Es werde dann einfach die Ebene gewechselt, ganz unspektakulär, und schon sei der Besucher wieder zurück!
In diesem Moment erwache ich; die Rückkehr war tatsächlich unspektakulär; derselbe Vorgang, wie ich ihn vom Erwachen aus anderen Klarträumen kenne.
Als ich auf den Wecker schaue, zeigt er 6:44 Uhr.
Ich denke darüber nach, dass mir diese Begegnung heute wohl eine der Krankheiten unseres Existenz vor Augen geführt hat: Alle suchen wir. Doch was wir letztlich finden, suchen wir gar nicht.
Auch frage ich mich, ob die Person, mit der ich da geredet habe, nur eine Traumgestalt war oder ob es sich womöglich wirklich um einen jenseitigen Kontakt gehandelt hat.
Allerdings fiel mir bereits im Traum selbst auf, dass zumindest die Formulierung und Wortbildung meines Begleiters der ähnelt, die ich selber schon einmal in meiner Arbeit (z. B. im Zusammenhang mit dem Wort „Fehlkonzentrationen“) gebraucht habe. Mein Gegenüber bedient sich im Grunde also meiner eigenen Ausdrucksweise. Zudem ist die Theorie, dass die Traumebenen der Existenzweise nach der Tod entspricht, eine Gedankenführung und Vorstellung, mit der ich mich bereits vor diesem Traum beschäftigt habe. Die Traumfigur repräsentiert, referiert und reflektiert also meine eigene Theorie und Vorstellungsbildung zu diesem Themenkomplex. Insofern ist diese Traumfigur und alles, was sie sagt, irgendetwas von mir und aus mir. Und deshalb kanntest du es bzw. sie oder ihn auch schon immer! Eine esoterische Erklärung des Erlebnisses ist folglich nicht zwingend; andererseits beschränkt einen eine rein psychologische Sicht von vornherein in den Deutungsmöglichkeiten, da sie die Möglichkeit höherer Erkenntnis aus anderen jenseitigen Realitätsebenen kategorisch ausschließt. Ein bisschen Offenheit muss man sich bewahren.

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Bewusstsein und Kontrolle

Ich schlafe mit meiner üblichen Übung ein und gerate irgendwann ins falsche Wachliegen; auf dem Bauch liege ich im Bett meines Jugendzimmers. Eine weibliche Stimme berichtet mir von einer Hygienekontrolle auf einem Cafeteria-Schiff auf dem Rhein; die Ergebnisse seien katastrophal gewesen; die Cafereria habe regelrecht gestunken. Zugleich beginnt jemand eine gründliche Untersuchung meines Körpers. Die Bettdecke wird hochgeschoben und mein Unterkörper abgetastet. Als die Decke wieder heruntergezogen wird, setzt sich die Untersuchung an meinem aufgedeckten Oberkörper fort, wobei sich in diesem Augenblick mein Bewusstsein voll einschaltet: Wer soll mich morgens im Bett untersuchen? Das kann nicht sein! Es muss geträumt sein! Ich drehe mich um, um den Untersucher zu sehen. Doch da ist nichts. Links in meinem Gesichtsfeld schwebt nur das Schattenbild eines Geistes, der wie von Kinderhand in die Luft meines dämmrigen Jugendzimmers gezeichnet wirkt: eine auf den Kopf gestellte U-Form mit zwei kleinen quadratischen Augen und einem Strich als Mund. Die Sensation ist uninteressant und ich wende mich ab, um sogleich aufzustehen. Es gelingt völlig problemlos wie gewöhnliches Aufstehen. Der Hüpftest, den ich versuchsweise ausführe, zeigt sich relativ unauffällig. Damit lässt sich der Traumzustand nicht zuverlässig feststellen; der bewährte Fingertest sorgt jedoch umgehend für Klarheit. Nun gehe ich ein paar Schritte, setze dann aber schnell zum Flug an.
Als ich in das von der Deckenlampe erleuchtete Wohnzimmer meiner Eltern einfliege, bemerke ich einen Zug an meinem rechten Bein, der meinen Flug ins Trudeln bringt. Da Hemmnisse in der Bewegung ein Hinweis auf sich abschwächendes oder mangelndes Bewusstsein sind, beschließe ich, die Tipps von William Buhlman in „Out of Body“ zu probieren und verlange, mit seltsam gebrochener und krächzener Stimme halblaut rufend, „Bewusstsein! Sofort!“; dies bewirkt tatsächlich eine Besserung. Ich komme besser voran. Auf der Höhe der hölzernen, mit aufgemalten Blumengirlanden verzierten Oberschränke (gab es so im realen Wohnzimmer nie) drehe ich mehrere Rechtskreise durch den Raum und deklamiere dabei „Kontrolle! Sofort!“; mein Flug wird dadurch mehr und mehr rasanter und die Flugtechnik beherrschter und sicherer. Diese Art der Traumstabilisierung kann also ebenfalls überzeugen. Anbei sehe ich draußen vor den Fenstern, dass dort jenes Zwielicht kurz nach Morgengrauen herrscht, das einen herrlichen Sommertag verspricht.
Schließlich verlasse ich das Wohnzimmer und fliege über den Flur in den Hausgang. Die Tür zur Nachbarwohnung steht offen und ich überlege kurz, hineinzutauchen, habe aber keine Lust; es kommt mir neugierig vor. Stattdessen will ich treppab fliegen und mir dabei eine Alternative überlegen, was ich unternehmen soll.
Vielleicht ist es die Unsicherheit hinsichtlich des weiteren Ziels, das mir intuitiv das Erwachen ankündigt, das dann auch umgehend einsetzt; der Versuch, mich mit einem erneuten „Bewusstsein! Sofort!“ abzufangen, fruchtet nicht. Das Treppenhaus und die Wohnungstür meiner Eltern links von mir verschwinden in undefinierbarem Grau, eine Destabilisierung tritt ein und ich erwache in meinem richtigen Bett. Es ist 5:55 Uhr.

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