Hypnagogie

Übungszeit dieselbe wie gestern. Heute herrscht allerdings eine ungewöhnlich intensive Hypnagogie vor. Kaum habe ich die Augen geschlossen, gehe ich in klar und deutlich wahrnehmbare szenisch dreidimensionale Wahrnehmungen und Bewegungserlebnisse über.
Ich stehe in einem Gang. Vor mir endet der Gang bei einer mit einem nachgedunkelten, beinahe orangefarbenen Holzrahmen gefassten Front aus Mattglas. Darin eine Tür mit Mattglaseinsatz.
In einer typischen Form von Selbstbilokation spüre ich meinen Körper in der Rückenlage im Bett, habe zugleich aber auch das Gefühl, diesen Flur entlang zu laufen und durch die Glastür hindurchzugehen.
Dahinter wechselt die Erlebnisform in die des Fahrens mit dem Auto über. Ich fahre durch die Gassen eines Dorfes. M. fährt mir in seinem Wagen voraus und ich folge ihm. Rasant nimmt er eine Kurve in eine nach rechts abzweigende Dorfstraße. Erst will ich ihm folgen, entschließe mich aber, den Straßenverlauf weiterhin geradeaus zu befahren. Daraus ergibt sich wiederum ein Szenenwechsel.
Nun sitze ich Mitte links in einem gelben Kleinbus, einem Zubringerbus für einen Vergnügungspark wie es scheint.
Wir fahren den gesplitteten Weg auf einem im Licht der eben aufgegangenen Sonne liegenden Campingplatz entlang und rasen dann unglaublich rasant in eine Rechtskurve und nach einem kurzen Stück geradeaus eine Linkskurve zum Ausgang des Geländes hinüber.
Nach wie vor ist das Gefühl für den im Bett liegenden Körper nicht geschwunden. Allerdings ist das Fahrgefühl so intensiv, dass mir die rasant genommenen Kurven durch den Wagen gehen und ich das Gefühl habe, mich auf dem Sitz festhalten zu müssen, so werde ich hin und her geworfen.
Derart intensive hypnagogen Bewegungserlebnisse sind immer ein gutes Zeichen, dass eine Astralprojektion, also das Schwinden jeden Gefühls für den physischen Körper kurz bervorsteht. Ich erwarte schon, mich gleich freimachen und ungehindert in die Traumwelt aufbrechen zu können.
Leider verdunkelt sich in diesem Sekundenbruchteil die Szene in undefinierbares Grau und ich finde mich im Bett wieder; ein Realitätstest zeigt mir gleich, dass es kein falsches Erwachen ist.
Da die Hypnagogie so stark ist, unternehme ich noch viele weitere Versuche. Die Lokalitäten, die auftauchen, sind Sporthallen, die elterliche Wohnung, doch entweder verbleibt dabei ein Rest des physischen Körpergefühls oder Ablenkungen (Schlafhüter) innerhalb der gegebenen Szenerie sorgen für einen Klarheitsverlust.
Schließlich kommt es sogar zu einem falschen Wachliegen im nunmehr hell erleuchteten Schlafzimmer. Das Zimmer befindet sich nicht im OG, sondern im Erdgeschoss. Und draußen vor dem Fenster ist jenseits einer Straße ein Maisfeld zu sehen (freilich alles Gegebenheiten, die so nicht Realität entsprechen). Es ist spät morgens, ein azurblauer Himmel mit wenigen feinen Wolkenstreifen wölbt sich über die Ebene.
Auf dem Feld laufen Erntearbeiter umher. Darunter auch W., der sonst bei der Weinernte hilft und sich zu meiner gelinden Verwunderung nun auch noch mit dem Abernten von Mais befasst.
Plötzlich steht W. jedoch auf einer Leiter vor meinem Schlafzimmerfenster und kratzt mit einer Spachtel weiße Putzreste aus den Lamellen einer Jalousie, die es ihrerseits vor meinem echten Fenster gar nicht gibt.
Er schaut ins Zimmer und meint zu mir: „Aha, so sieht es bei dir aus!“ Es ist mir ein wenig peinlich, dass er unverblümt in mein etwas unordentliches Schlafzimmer starrt. Und so antworte ich irgendetwas Unverfängliches, um diese seltsame Situation zu überspielen.
Der Wunsch, zu projizieren, ist bei diesen Angelegenheiten nach wie vor vorhanden, wird aber durch die Beobachtungen und die Auseinandersetzung mit der gegebenen Situation in den Hintergrund gedrängt – ebenfalls eine typische „Schlafhüter“-Aktivität, die letztlich verhindert, dass man in den selbstkontrollierten Traum davonkommt.

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4 Gedanken zu “Hypnagogie

  1. Nein, hypnagoge, also Wahrnehmungen, die das Einschlafen begleiten, reagieren i.d.R. nicht auf Beeinflussungsversuche – es scheint im Gegenteil fast so, als würden sie vom Unterbewusstsein gerade so erschaffen, dass stets das passiert, was am wenigsten erwartet wird. Daher sind Trauminkubationen so schwer zu realisieren sind: Wer sich vornimmt, in der Nacht von Wiener Schnitzeln zu träumen, wird von allem, aber eben bloß nicht von Wiener Schnitzeln träumen. Dies dürfte erklären, warum das Erlernen des Klarträumens Geduld erfordert. Könnte ich so ohne Weiteres erfolgreich und direkt einfordern, dies oder das zu erleben oder anzuschauen, wäre es ja ein Klacks, Traumkontrolle zu erlernen!

    LG

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  2. Okay, aber eine schamanische Reise, die ja auch Hypnagoge ist, die hat eine Absicht, also eine Zielsetzung. Ich will jetzt mal was zu dem Thema „mein Kreuzbein schmerzt“ anschauen. Dann erscheint natürlich kein Doc, sondern etwas Unerwartetes, doch es hat einen Sinn. Dann sehe ich da etwa verkeilte Steine, und einen eingeklemmten Ast. Den ich löse.

    Und wenn ich Glück habe, löst das auch meinen Realschmerz. 😉

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  3. Das ist interessant; zweckgerichtete Absichten habe ich selber bislang nie umzusetzen versucht. Ich schaue einfach nur, was passiert und umso neuer, „doller“ und abwechslungsreicher, desto besser!
    Eine gewisse Erfahrung habe ich mit der wirksamen Implementation positiver Autosuggestionen, da man im hypnagogen Zustand „tief“ ins Selbst eintaucht. Mit dem Erlebnis symbolträchtiger oder zeichenhaft repräsentativer Bilder und entsprechenden Symbolhandlungen ist dies aber nicht verbunden; ich befinde mich einfach in der hypnagogen Szenerie, die ich gerade vorfinde, und erinnere mich in diesem Zustand an die Selbstbekräftigung, die ich mir erteilen will.

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