Versuch im Reisen durch den Spiegel

Ich bin auf einem Zeltplatz.
P. hat zu einem Grillfest eingeladen, auf dem es Steaks mit den Reizkern geben soll, die er pfundweise im Wald gesammelt hat. Schließlich bemerke ich, dass es völlig unrealistisch ist, auf dieses Fest eingeladen zu sein. Ich habe kaum Kontakt mit diesem Teil meiner Verwandtschaft.
Durch einen dunkelgrünen Kamin aus Zeltstoff, einem kurzen Schlauch oder Tunnel aus wasserabweisendem Stoff, fliege ich senkrecht nach oben und denke „Endlich ein Klartraum!“; in diesem Traum habe ich nämlich recht lange gebraucht, ehe ich geschaltet habe, was los ist. Über mir der tiefschwarze und sternenlose Himmel einer stockfinsteren Nacht. Die Beleuchtung kommt von unten von den Festzelten her.
Wie ich es mir vorgenommen habe, will ich in diesem Klartraum einen Spiegel suchen, um das Reisen in andere Wirklichkeits- bzw. Traumdimensionen auszuprobieren – dieses Hilfsmittel soll dazu fantastische Dienste leisten.
Während ich mir intensiv wünsche, einen Spiegel zu finden, gehe ich in eine Verdunklung über, bringe die Füße zum Boden, stabilisiere haptisch, indem ich die Hände erst reibe und dann fest drücke. So erhalte ich den Sehsinn zurück und finde mich in einem großen leeren, mit hellem Teppich ausgelegten Raum wieder, eine Art großzügige, z.Z. ungenutzte Bürofläche im zweiten Stock des Gebäudes.
Rechts an der Wand finde ich den gewünschten Spiegel. Ich fliege hinüber und sehe im Anflug mein Gesicht, nichts Ungewöhnliches, mein normales Gesicht, wie ich es auch in der dinglichen Realität bei einem Blick in einen Spiegel wahrnehmen würde.
Mit der Vorstellung, in eine großartige und weitläufige andere Traumdimension überzugehen (z.B. die Oberfläche eines fernen Planeten) tauche ich mit dem Gesicht durch die Spiegeloberfläche, finde dahinter aber nur undurchdringliche und dimensionslose Schwärze, dem Nachthimmel über dem Zeltplatz nicht unähnlich.
Ich zeihe meinen Kopf zurück und frage mich, was los ist. Ein nochmaliger Versuch führt zum selben Ergebnis. Interessanterweise hat sich aber die Büroflächenszenerie perfekt stabilisiert, ist nicht mehr dunkel und einförmig wie zuvor, sondern hell, detailliert und klar.
In den hohen Fensterfronten an den Seiten des Raums ist jetzt eine innerstädtische Szenerie zu sehen sowie die Kronen von Laubbäumen, die aus den Grünanlagen unten auf die Höhe des zweiten Stocks hochreichen. Freundliches Tageslicht erhellt die Szenerie draußen wie drinnen.
Kurz denke ich darüber nach, ob es nicht lohnender wäre, mich nach draußen zu begeben und das hier gegebene Umfeld zu erforschen.
Als ich mich umdrehe, sehe ich an der Wand auf der anderen Seite des Raums jedoch einen zweiten Spiegel. Vielleicht bringt der ja bessere Ergebnisse?
So schwimme ich hinüber und probiere es hier.
Dieser Spiegel führt aber ebenfalls nirgendwohin. Er leistet mir sogar erheblichen Widerstand, als ich mein Gesicht hindurchdrücken will. An einem Widerstand in der Dunkelheit dahinter drücke mir die Nase zur Seite. Im Kampf mit dem widerspenstigen Spiegel verliere ich die Traumumgebung und es erfolgt, wie ich rasch am Gefühl erkenne, eine langsame Überblendung in den Wachzustand.

Soweit mein Versuch, mal einen Tipp zu nutzen, den ich u.A. in J. Thiemanns Buch „Klartraum“ gelesen habe. Gerade bei diesem Buch bin ich sowieso im Zweifel, wie viel echtes Erfahrungswissen hinter dem Werk steckt. Inhaltlich (und auch strukturell) geht es nicht darüber hinaus, was jeder wissen kann, der mal ein wenig gegoogelt und sich ins Klartraum-Wiki und das entsprechende Wiki-Book eingelesen hat. Und obwohl Thiemann sich in seinem Buch als weit fortgeschrittenen WILDer vorstellt, der praktisch jederzeit in den Klartraum übergehen könne, sind seine Beschreibungen sowohl der WILD- wie auch der MILD-Technik doch merkwürdig dünn – einmal hinsichtlich des Vorgehens, zum anderen bezüglich der typischen Erlebnisse bei diesen Übungen. Aber immerhin, das Buch scheint sich gut zu verkaufen (bei Amazon ist es auf guten 4-stelligen Bestsellerrängen regelrecht „festgeteert“) und hilft somit, das Thema bekannter zu machen.
In jedem Fall scheinen mir Spielereien mit Spiegeln u.Ä. nur Traumzeitverschwendung zu sein. Erst muss man sie suchen oder imaginieren – und dann bleibt man in der Beschäftigung mit ihnen hängen, ohne zum Ziel zu kommen. Ich bleibe besser bei der altbewährten Methode: Soll eine bestehende Szenerie stabiler und detaillierter werden, fixiere ich mit offenen Augen konzentriert irgendetwas in der gegebenen Umgebung. Will ich eine andere Umgebung erschaffen: Augen schließen, Blickfixation erzeugen, das Ziel festlegen und warten, bis sich der Sehsinn bei geschlossenen Augenlidern wieder einstellt. So geht es meist schneller und unproblematischer.

In einer weiteren Runde an diesem Morgen bin ich im Zug unterwegs und laufe dann unvermittelt mit meiner orange Bettdecke durchs Haus und werfe sie aufs Bett zurück. Mir ist klar, dass das nur geträumt sein kann und fliege durch den Flur und in einer engen Kurve zum Wohnzimmer, das durch den halb geöffneten Rollladen an der Balkontür spärlich, aber ausreichend erhellt ist. Zwei Personen, S. und ein unbekannter junger Mann, halten sich drinnen auf. Unter dem Türsturz hindurch tauche ich ins Zimmer und will beobachten, wie die beiden auf diesen Auftritt reagieren. Sie reagieren indes wie typische Traummarionetten ohne besonderes Bewusstsein. Ich drehe meine Runde durch den Raum und berühre dann den Unbekannten mit der Handfläche, um eine Art Energieübertragung zu bewirken. So soll mehr Leben in ihn kommen. Sein Gesicht nimmt daraufhin die Form eines etwas gruseligen Puppengesichts an, eine dunkle, milchkaffeebraune Grimasse mit leeren Augenhöhlen, deren rechte vertikal wie mit dem Säbel aufgeschlitzt erscheint. Die Puppe hampelt ungelenk im Zimmer herum. S. steht teilnahmslos dabei.
Irgendwie ist das jetzt nichts mehr für mich. Durch den Blickfixationstrick möchte ich in eine andere Szenerie wechseln oder die beiden sinnlosen Kameraden einfach aus dem Raum verschwinden lassen. Dazu hätte ich aber wohl gründlicher stabilisieren müssen, so verliere ich, haltlos in der Luft schwebend, den Faden und erwache. Es ist 7:23 Uhr.

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