Der magentafarbene Blitz

Mit irgendwelchen Weihnachtsgeschäften befasst bin ich irgendwo auf der Haardt mit dem Auto unterwegs. Eine Einbahnstraße führt am Eingang eines Kaufhauses vorbei. Ich habe es relativ eilig, wegzukommen, bremse aber runter, als ich erkenne, dass rechts am Straßenrand eine junge Polizistin mit Pferdeschwanz steht.
Glücklicherweise kehrt sie mir den Rücken zu, sodass sie nicht sehen konnte, dass ich mit überhöhter Geschwindigkeit ankam. Langsam schleiche ich vorbei und werde nicht angehalten.
Eine Rechtskurve hinter dem Gebäude führt mich auf die Enkestraße. Ich biege rechts auf die frisch asphaltiert aussehende Straße ein.
Von der Anhöhe der Haardt auf die Rheinebene hinabblickend setze ich im Auto zu einem riesigen Satz in die Luft an, um im hohen Bogen in östlicher Richtung nach Hause zu fliegen. Dabei setzt die Klarheit ein. Als ich nach unten auf die Wohnblöcken unserer Gegend zurase, ist das Auto verschwunden und ich drehe eine Rechtsschleife, um meine gewaltige Geschwindigkeit abzufangen und nicht ungebremst in den Boden zu crashen. Dabei verspüre ich ein flaues Sturzfluggefühl wie in der Achterbahn und erlange dabei volle Bewusstseinsklarheit.
„Ich habe einen Klartraum erreicht!“, denke ich.
Ich lande neben dem elterlichen Wohnblock, der aber nur mannshoch ist. Viele Details fehlen; er sieht eher aus wie ein Schuppen mit geschlossenen Fensterläden aus dunklem Holz. Es herrscht gedämpftes Licht wie an einem sehr grauen Tag.
Ich schließe kurz die Augen, reibe die Hände und wünsche mir mehr und realistischere Details. Das scheint aber nicht viel zu bringen.
Nun erinnere ich mich an den erfolglosen Versuch, einen Blitz zu erzeugen, den ich einige Tage zuvor unternommen hatte. Ich probiere es erneut, mir eine elektrische Entladung aus den Fingern zu ziehen.
Dazu schließe ich diesmal die Augen, lege die Zeige- und Mittelfinger meiner Hände an den Fingerkuppen zusammen und imaginiere eine Spannung, ein statische Aufladung, zwischen meinen Augenbrauen, die ich auf die Fingerspitzen vor mir übertrage.
Ein leichtes Kribbeln sagt mir, dass es jetzt funktioniert. Ich ziehe die Finger auseinander und sehe einen dünnen violetten Funken zwischen ihnen. Die Finger zum nunmehr dunklen niedrigen Himmel erhebend führe ich die Fingerspitzen wieder zusammen, der Funken formt einen Bogen, der sich dann als magentafarbener Blitz in den Himmel entlädt. Ich will es nochmals versuchen und nun einen grelleren und kräftigeren Blitz erzeugen. Zwischen den Fingern entsteht fürs Erste aber kein mächtigerer Zündfunke, sondern ein magentafarbener Nebelstreifen in der dimensionslosen grauen Fläche vor meinen Augen.
Genau in diesem Augenblick erfolgt das Erwachen; es ist 8:10 Uhr. In den letzten Wochen habe ich keine strukturierten Klartraumversuche mehr unternommen. Trotzdem kommt es ab und an zu einem Ergebnis.

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