Realitätssinn

In meinem alten Zimmer bin ich mit einer Frau zusammen; zunächst auf einer Art Liege, die mitten im Zimmer steht, schließlich auf einer breiten Matratze mit weißer Bettwäsche, die, das Kopfende zum Fenster ausgerichtet, mitten im Raum auf dem Boden liegt. Draußen herrscht heller, aber bedeckter Tag. Die Begegnung mit der Frau findet noch in einem völlig gewöhnlichen Traumzustand statt, an dessen Ende sie sich nun auf der rechten Seite der Matratze ausruht, während ich einige entspannende Übungen mache: Durch reine Geisteskraft kann ich, den Körper in der Bauchlage gerade und steif wie ein Brett angespannt, mühelos und wie ein Scharnier um einen Drehpunkt klappend (dieser Angelpunkt liegt bei meinen Füßen) von der Matratze aufsteigen und mich in eine aufrechte Position bringen. Das mache ich zweimal hintereinander, traue mich aber nicht, mich, wie bei dem berühmten Vertrauensspiel, nach hinten fallen zu lassen. Ich fürchte dann doch, mich im Rückwärtsfallen zu verletzen.
Bei diesem Übung stellt sich allmählich immer mehr Bewusstheit ein. Letztlich beende ich das und fliege in engen Rechtskreisen um die Matratze herum, dass mir, mit dieser Übung auf den begrenzten Raum meines alten Kinderzimmers beschränkt, fast schwindlig wird. Meine Partnerin fordere ich nonverbal auf, sich an dem Flugreigen zu beteiligen und reiche ihr die Hand, habe dann aber das verblüffene Erlebnis, dass meine Partnerin urplötzlich nicht mehr anwesend ist. Stattdessen hängt eine blitzende Schere (!) an meiner Hand, mit der ich durch die Luft der Zimmers wirble.
Völlig luzid bringe ich mich rechts neben meinem Klappbett (die Einrichtungsveränderungen sind nun geschwunden und die Gegebenheiten im Raum wirken wieder so, wie früher gewohnt) bringe ich mich auf die Füße und erinnere mich, dass ich für den nächsten Klartraumzustand geplant hatte, ein Experiment zum Realitätssinn im luziden Traum durchzuführen.
Mithilfe der Blickfixationstechnik in Kombination mit einer haptischen Stabilisierung wollte ich ausprobieren, ob es möglich war, durch Konzentration sämtliche Illusionen und Trugbilder aufzulösen, die auch den luziden Traumzustand manchmal in ein verwirrendes Erlebnis verwandeln.
Ich bemerke, dass das Zimmer mit einem veralteten dunkelgrünen Teppichboden mit gelbgoldenem Rosettenmuster ausgelegt ist. In der Mitte der Rosetten befindet sich jeweils ein hellgelbes Karo. Das scheint mir für eine Übung in Blickfixation hervorragend geeignet. Also knie ich mich nieder, bringe die Hände rechts und links des Karos zu Boden und fixiere das Karo. Dabei suggeriere ich, zur eigentlichen und unverstellten Realität der Traumwelt vorstoßen zu wollen. Doch nichts geschieht.
Nach einer Weile schließe ich daher die Augen. Vielleicht bringt mich die Fixation auf diese Weise weiter.
Alsbald tauchen bunte Lichtformen ähnlich hynagogen Bildern vor dem dunklen Augenhintergrund auf; es wird etwas heller und ein matt lilafarbener Lichtkreis erscheint in meinem Gesichtsfeld.
An meinem Körpergefühl hat sich nichts geändert. Gespannt öffne ich die Augen und finde mich in kauernder Haltung in exakt derselben Szenerie wieder! Diese Traumumgebung ist ungewöhnlich stabil!
Ich schaue mich um und untersuche die Umgebung auf ihren Realismus. Tatsächlich kommt mir alles wie daheim in meinem ehemaligen Zimmer vor. Ich beschließe, den Rest der elterlichen Wohnung ebenfalls zu erkunden und verlasse das lichte Zimmer.
Der Rest der Wohnung indes ist dunkel als wäre es dort Nacht.
Drüben im Wohnzimmer kann ich zunächst keine Abweichung zu den Gegebenheiten in der Wachwirklichkeit feststellen. Über der Stereoanlage hängt indes eine Triangel an einem Wollfaden, die ich in einer früheren Traumsequenz dieses Morgens selbst dort aufgehängt hatte – und zwar als Sitzgelegenheit für einen Wellensittich!
Im Flug stoße ich die Triangel mit der Hand an und wende mich dann der Balkonseite des Raumes zu. Die Rollläden sind heruntergelassen, doch dringt durch die Ritzen Straßenlaternenlicht von draußen herein. Ich beschließe, die Scheibe zu durchfliegen, um mich draußen umzusehen.
Durch ein Seitenfenster links der Balkontür (gibt es in der Realität nicht!) drücke ich mich gegen einen leichten Widerstand durch die Scheibe und den Rollladen hindurch und lande auf dem Balkon. Es ist Nacht, aber die Straßenlaternen erhellen die Szenerie.
Von oben herab schaue ich mir genau die Umgebung an; die Parkplätze vor dem Haus sehen für mein Gefühl völlig normal aus. Auffällig aber sind zwei oder drei seltsame hohe Arkaden, sie sehen aus wie aus Beton gegossene Segmente eines Aquädukts, die links der Stettiner Str. am Rand des Gehsteigs aufgestellt sind. Obenauf sind sie bepflanzt, eine besonders edle Form der Grünanlage, die es so garantiert kaum irgendwo und erst recht nicht in NW gibt!
Der Ausblick nach links in Richtung des im Dunklen liegenden Wendehammers wirkt unauffällig.
Schließlich erwache ich. Es ist 5:58 Uhr. Mithilfe dieser Technik Illusionen und Trugbilder aufzulösen, hat offenbar nicht geklappt.

In einem nächsten Anlauf besichtige ich so etwas wie einen verlassenen Leuchtturm. Er ist von quadratischer Grundlage, aber innen sehr schmal und puppig angelegt. Obwohl ich nun wirklich nicht sehr kräftig gebaut bin, komme ich kaum um die erste Kehre der Treppe, so eng ist die Passage zwischen den mit einer weißen Raufasertapete versehenen Wänden. Da ich fürchte, hier stecken zu bleiben, will ich schon umkehren. Doch rufen mir meine Eltern, die ebenfalls in dem Traum anwesend sind, aber draußen geblieben sind, zu, dass sich oben eine interessante Satellitenanlage befinde.
Also doch weiter! Tatsächlich gelingt es mir, mich durch den beengenden Durchschlupf auf der Treppe zu lavieren und die erste Etage zu erreichen.
Hier führt jetzt in dem ansonsten leeren und vom Fenster her erhellten Raum eine metallene Wendeltreppe weiter ins nächste Stockwerk.
Der Zugang, das sehe ich schon von unten, ist aber kaum breiter als der Einwurfschlitz eines Sparschweins! Hier gibt es definitiv kein Weiterkommen mehr. Überhaupt ist dieser Umraum so absurd, dass sich schlagartig volle Bewusstheit einstellt.
Ich will weg von diesem unsinnigen Ort. Zugleich möchte ich das Experiment aus dem vorangegangenen Traum noch einmal wiederholen.
So ziehe ich eine schwarze Matte herbei, die auf dem leeren Boden liegt, knie mich darauf und probiere mich erneut in der Blickfixation, die diesmal aber ohne Umschweife ins Erwachen führt.
Irgendetwas läuft bei diesen Versuchen falsch; ich weiß allerdings noch nicht genau, was.

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