Der Castañeda-Test

Astral

Carlos Castañeda war ein amerikanischer Schriftsteller und New-Age-Guru, im Jahr 1925 geboren, verstarb er 1998 wahrscheinlich an Leberkrebs; wenige Tage nach seinem Ableben folgten ihm drei seiner engsten Anhängerinnen vermutlich durch Selbstmord in den Tod. Zwei von ihnen sind bis heute spurlos verschollen; die sterblichen Überreste der Dritten wurden 2006 im berühmten „Tal des Todes“ aufgefunden!
Seine Werke, als anthropologische Studien u.A. über schamanische Zauberpraktiken der Yaqui-Indianer herausgegeben, gelten heute als reine Fiktion und werden in Anthropologie und Ethnologie als obsolet angesehen.
Dennoch ist er in esoterischen und (plastik-)schamanischen Kreisen bis heute eine wichtige und vielgelesene Referenz geblieben; auch in der Literatur zum Thema „Klartraum“ ist er ungebrochen präsent, sodass ich, womöglich selbst nicht ausreichend kritisch, Verweise auf Castañeda in meinem eigenen Buch verarbeitet habe.
Durch den Hinweis einer Leserin meines Blogs habe ich dieser Tage Castañedas „Die Kunst des Träumens“ (US-amerikanisches Original „The Art of Dreaming“, New York 1993) aus dem Schrank gezogen und einer gründlichen Lektüre unterzogen. Castañeda beschreibt darin u. A. seine Begegnungen mit potenziell tödlich gefährlichen Wesenheiten aus anderen Universen, zu denen man in der Traumwelt Zugang finden könne. Beim Lesen fielen mir diesmal einige Punkte auf, die mir zuvor nicht in dem Maße bewusst geworden waren, mir nun aber einige Einsichten in die Arbeitsweise Castañedas vermittelten.
Bemerkenswert war zunächst, dass Castañedas Traumberichte, isoliert betrachtet, völlig unspektakulär mithin banal wirkten; erst die oft extrem weit hergeholt erscheinenden und überzogenen Deutungen bzw. Vorankündigungen aus dem Mund seines alten Egos Don Juan Matus überhöhten die Erlebnisse zu Dramen auf Leben und Tod, als die sie ohne diese Inszenierung und Illuminierung aus dem Kontext niemals durchgehen würden!
Dies scheint ein wesentlicher literarischer Konstruktionstrick dieser Texte zu sein, dass die Inhalte eines Traumtagebuchs durch fiktionale Einschübe und ausgreifende, teils übergriffige Reflexionen, die einer aus uralten Quellen schöpfenden Zauberer-Gruppe um den fiktiven Don Juan zugeschrieben werden, zu einem magischen Erfahrungsbericht verschmolzen werden.
Interessanterweise kann selbst beim genauen Lesen häufig nicht genau eruiert werden, ob die geschilderten Ereignisse nun in der physischen Realität oder im Zustand der „zweiten Aufmerksamkeit“ (also im Traum) erfolgt sein sollen. So vollzieht sich eine Manipulation des Lesers, dem durch erzähltechnische Kunstgriffe und gezielt als literarisches Instrument eingesetzte Irreführungen machtvolle und unvorstellbare Erfahrungen vorgegaukelt werden. Dies geschieht schlicht indem das umgekehrte Ockhamsche Rasiermesser angewendet wird: Einfache und naheliegende Deutungen werden durch komplizierte und hochfahrende Assoziationen und nicht überprüfbare Behauptungen Don Juans (sprich durch ein nur dem Eingeweihten zugängliches Geheimwissen) ersetzt. Eine logische Herleitung der Aussagen aus dem Gegebenen ist oft nicht möglich. Ihre Unangemessenheit wird aber nur dann erkannt, wenn sie gründlich hinterfragt und mit den konkreten Traumberichten gegengeprüft werden.
Ferner entsteht durch dieses Verfahren der Darstellung generell eine ins Mystische entrückte Beschreibung, die nicht überprüft, also weder bestätigt noch widerlegt werden kann. Dies soll womöglich auch der Anforderung des alten Egos Castañedas entsprechen, dass der Zauberer die eigene Biografie verschleiern und auslöschen müsse, um zur Freiheit von allen Festlegungen durch das Umfeld und durch die eigene Vergangenheit zu gelangen.
Leider gewann ich den Eindruck, dass noch nicht einmal die berichteten Träume selbst völlig authentisch sind, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach selbst Fakten und Fiktionen bis zur Nichtunterscheidbarkeit vermischen. Die Lektüre authentischer Erfahrungen löst bei mir im Nachgang oft spontane und sehr klare nächtliche Erlebnisse aus, während Material, das ich intuitiv als Makulatur empfinde, das Bewusstsein trübt und zu scheinbar traumlosen Nächten, verringerter Traumintensität und Traumerinnerung führt.
Bei der Lektüre von „Die Kunst des Träumens“ ging die Bewusstseinstrübung streckenweise sogar so weit, dass sie sich auf den Alltag in der Wachwirklichkeit auswirkte! So kehrte ich von meinen täglichen Spaziergängen zurück und stellte hinterher fest, dass ich so wenig bewusst war, dass ich im Nachgang nur mit Mühe und großer Unsicherheit rekonstruieren konnte, welchen Weg ich auf dem mehr oder minder mechanisch abmarschierten Rundgang nun eigentlich genau abgelaufen hatte! Das war derart unüblich, dass es mir sogleich auffiel.
Zumindest was Castañedas Traumberichte betrifft, lässt sich indes – wesentlich leichter als bezüglich der sonstigen Angaben – relativ sicher eine Verifizierung bzw. Falsifizierung durchführen. Castañeda schildert, wie er von Don Juan angeleitet worden sei, in seinen Träumen Gegenstände zu fixieren, um in einen anderen Traum überzugehen, also in einem anderen Traum zu „erwachen“. Castañeda beschreibt diesen Vorgang als ein Hineingezogenwerden in einen Strudel, der in einen anderen Traum überführt.
Meist sollen sich die Traumgegenstände beim Anstarren verändern und in andere Gegenstände umwandeln.
Zudem sollen unter den Traumgegenständen Gegenstände identifiziert werden können, die sich von gewöhnlichen Traumillusionen unterscheiden, weil sie imstande sind, Energie zu emittieren und im Sinne der „Scouts“ Castañedas als Schlupflöcher oder Führer in andere Realitäten, andere Universen fungieren. Sie sollen erkannt und gesehen werden können, einfach indem man die Absicht dazu äußert bzw. mit dem kleinen Finger auf sie deutet.
Auch der Hinweis auf die angeblich sehr machtvollen „Zwillingspositionen“, also die Methode, im Traum noch einmal in exakt derselben Körperlage einzuschlafen, die man beim Einschlafen im Bett innehatte, bietet sich an, durch eine Reihe von Experimenten überprüft zu werden. Dadurch soll laut Castañeda z. B. ein geträumtes Schlafzimmer, wie es in bewussten Träumen sehr häufig erlebt wird, in höchster „Konkretheit“ in die volle Wahrnehmung des realen Schlafraums überführt werden können!
Daraus ergeben sich einige experimentell überprüfbare Fragestellungen.

Frage 1: Was geschieht, wenn im luziden Traum systematische Versuche mit dem Anstarren von Gegenständen vorgenommen werden? Verhalten sich die Dinge so, wie Castañeda es beschreibt? Verändern sich Traumgegenstände wirklich, wenn man sich anstarrt?

Frage 2: Kann man durch die Absicht dazu bzw. durch das Zeigen auf irgendwelche Traumgegenstände mit dem kleinen Finger tatsächlich Energieströme sehen, durch die man gewöhnliche Traumillusionen von Portalen oder Führern in andere Universen unterscheiden kann?

Frage 3: Lassen sich auf diese Weise tatsächlich „Scouts“ isolieren? Und hat irgendjemand Erfahrung im Umgang mit derartigen Scouts?

Frage 4: Was geschieht, wenn man die beschriebenen „Zwillingspositionen“ erprobt? Wirken sie wirklich in der Art, wie Castañeda es beschreibt?

Darüber Näheres herauszufinden wäre wirklich interessant! All die Klarträumer da draußen, die Lust haben, solchen Fragen in eigenen Tests nachzugehen oder bereits einschlägige Erfahrungen besitzen, sind eingeladen, mir ihre Statements und Berichte zukommen zu lassen! Das lässt sich einfach über die Kommentarfunktion erledigen.

Einen ersten „Zwillingspositionen“-Test kann ich jedenfalls schon einmal für heute Morgen vermelden: Im falschen Erwachen führte ich in der Rückenlage bei geschlossenen Lidern eine WILD-Übung durch; die Matratze meines Bettes war dabei nach links erweitert und dort lag Z., der ich die Technik erklärte und, durch das Eigengrau auf den Augenhintergrund blickend, die Sache praktisch demonstrierte. Irgendwann verlor ich allerdings in diesem Prozess die Bewusstheit, schlief einfach ein. Im Grunde war hier also ein den Vorgaben Castañedas entsprechendes zweites Einschlafen im Traumzustand erfolgt, ohne dass dies in diesem Fall jedoch zu spektakulären Ergebnissen gesteigerter „Konkretheit“ geführt hätte.

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