"Gina" – ein Fortsetzungsroman: 6. Die Buchrolle in der Höhle

Wolkeninsel

Am abendlichen Lagerfeuer musste Gina genauer von ihrem Abenteuer berichten und darüber, was sie herausgefunden hatte. An Holzstecken brieten die Forellen aus dem kleinen gestauten Teich, sie dufteten herrlich, und in den Kohlen garten die Feuerkartoffeln.
„Es war, wie wir vermutet haben. SIE haben mir drüben ein Traumportal geschickt. Aber abgeschnitten und vereinzelt, wie man dort nun einmal ist, habe ich es nicht erkannt. Und als ich mich selbst schließlich gefunden hatte, war es nicht da und die andere Gina hatte es auch nicht bei sich oder konnte mir sagen, wo es ist. Vermutlich steht es noch auf der anderen Seite auf der Fensterbank meines Zimmers.“
„Aber wenn es noch da ist“, sagte Lea, ein Mädchen, mit dem sich Gina vor vielen Jahren im Urlaub am Gardasee angefreundet, aber in der realen Welt danach nie mehr gesehen hatte, doch auf der Wolkeninsel hatte sie diese Freundin nie verloren, „dann heißt das doch, dass -“
„Dann heißt das, dass noch einer oder mehrere kommen müssen, richtig!“
„Aber zu welchem Zweck?“, fragte Olivia. „Keine Idee!“, beantwortete sie nach einem Augenblick selbst ihre Frage. Lea schüttelte den Kopf.
„Davon steht nichts in den Aufzeichnungen.“
„Richtig, es sei denn, die Aufzeichnungen sind falsch oder wir haben sie fehlerhaft gedeutet!“, warf Michael ein, während er seinen Fisch über den rot flackernden Flammen wendete. „Aber wir haben sie tausendmal gelesen. Und es ist unwahrscheinlich, dass es so ist.“
„Da ist nichts falsch zu deuten“, meinte Lea kurz angebunden. „Vielleicht sollen wir es gar nicht richtig wissen. Schließlich sollten wir auch fragen, wer die Aufzeichnungen dort hinterlegt hat und zu welchem Zweck. Womöglich sollen sie uns ja auch in die Irre führen!“
„Bis jetzt waren sie sehr hilfreich“, schritt Gina ein. „Ohne sie hätten wir nicht gewusst, wie ich mit dem violetten Strudel umgehen soll. Und wenn du meinst, SIE hätten sie geschickt, wieso hätten sie uns vor sich selbst warnen sollen und uns die Hinweise mit den Wolkenrochen geben sollen, dass wir vorab erkennen können, wann sie erscheinen! Das gäbe doch keinen Sinn!“
Lea nickte etwas widerwillig.
„Außerdem macht die Frage nach irgendwem, der sie hinterlegt haben könnte, auf der Insel keinen Sinn. Denn in einer Welt, die der des Traumes so ähnlich ist, hat alles ganz einfach im Kopf seine Ursache. Deshalb war die Felsenkammer mit der Buchrolle erschienen, ganz einfach, weil es so sein musste und wir die Informationen brauchten!“
„Ich hoffe, du hast Recht!“, meinte Lea.
„Sie hat Recht“, meldete sich Michael wieder zu Wort. „Und es ist doch sonnenklar, warum die Buchrolle jetzt nicht mehr weiterhilft! Die Aufzeichnungen reichen nicht über den Zeitpunkt hinaus, an dem SIE anfangen, die Portale zu verteilen! Danach gibt es keine Informationen mehr, außer der, dass das Ende kommt!“
„Sehr ernüchternd“, grunzte Lea. Immer sah sie alles schwarz, dachte Gina, aber das war nun einmal ihre Art; alle hatten sich inzwischen daran gewöhnt und wussten meist damit umzugehen.
„So werden wir sicher nicht erraten, was SIE im Schilde führen“, sagte Gina entschieden, „indem wir anfangen, uns über die Einzelheiten zu streiten. Aber es wird bald losgehen. Und wann es sein wird, das zumindest werden wir es immerhin ganz genau erkennen können. Es wird ganz sicher bald, sehr bald losgehen!“
Michael zog seinen Stecken vom Feuer weg, grub mit dem anderen Ende eine große Kartoffel aus der Glut frei und prüfte sie mit dem spitzen Ende des Spießes.
„Fertig“, sagte er.
Sie aßen jetzt schweigend von den Forellen aus dem Stauteich und Salat von Löwenzahn. Und die ganze Zeit über dachte Gina an die Rolle, die sie vor Wochen in einer der Höhlen unter der Insel entdeckt hatten. Sie lag in einer Kammer auf einem steinernen Sockel unter einem gut zwanzig Meter langen künstlichen Lichtschacht, der sie mit der Helligkeit der mittäglichen Sonne beschien. Durch diese Rolle hatte sie ihr anderes Ich in der Welt der Erwachsenen gefunden und mit sich nehmen können. Und sie sagte ihnen auch, woran sie IHRE Wiederkunft mit wenigstens einem Tag Vorlaufzeit erkennen könnten:

„Reite auf den ersten Sonnenstrahlen und schaue nach den Kolonien der Wolkenrochen, den Delfinen der Lüfte, findest du sie, besteht keine Gefahr. Denn wie die Tiere des Landes das Erdbeben oder den Vulkanausbruch vorab spüren und aufgeregt das Weite suchen, so schwinden die Rochen von ihren angestammten Plätzen, wenn SIE nahen.“

Jeden Morgen aufs Neue prüften sie seither die Kolonie dieser seltsamen Tiere, die sie gut tausend Seefahrermeilen westlich der Insel in den Luftmassen entdeckt hatten. Es war seitdem das erste Werk der Wächter an jedem neuen Tag.

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