"Gina" – ein Fortsetzungsroman: 12. Wer die Mittagssonne berührt

Wolkeninsel

Gina hielt es nicht mehr aus. Sie ertrug das alles nicht mehr. Ihre Nerven brannten einfach durch. Sie konnte es einfach nicht begreifen, was hier geschah, konnte es nicht ertragen, mitanzusehen, was ihr eigener Vater tat, völlig blind, wie er war.
„Papa!“, schrie sie im Anrennen, die Augen blind vor Tränen. Frontal stürmte sie gegen den Bagger an, sprang in hohem Bogen ab, schlug donnernd gegen das Blech, prallte ab, stürzte rückwärts, die stählernen Zähne der Baggerschaufel im Rücken. Der Vater sah sie rückwärts fallen, erahnte das Ende der Sturzbahn und in diesem Moment schrie er „Gina!“ und das steinerne Gesicht brach, seine Augen weiteten sich, von der Blindheit befreit, und er schrie aus Leibeskräften, breitete die Arme aus, stürzte seinerseits über die Motorhaube des Baggers hinweg nach vorn: „Gina!!“
Gina sah das Gesicht ihres Vaters über sich; eine Handbreit über seinem Scheitel die Sonne, die am Mittagspunkt stand, und sein Schrei voller Verzweiflung und Schrecken hallte in ihren Ohren. Nur noch matt und von Ferne spürte sie, wie ihr Vater sie hoch und an sich zog, schreiend und die Augen in Tränen brechend. Und obgleich sie nur Augen für ihren Vater hatte, nahm sie am Rand ihres sich verkleinernden Gesichtsfelds wahr, wie Lea neben oder unter ihr aus den Untiefen der Baggerschaufel auftauchte, mit einer dicken roten Beule am Kopf, aber ansonsten unversehrt! Mit schreckensgeweiteten Augen sah Lea sie an.
„Alles ist gut!“, wollte Gina jetzt sagen und den Vater in die Arme schließen, Lea gleich noch dazu. Doch es ging nicht. Der Körper gehorchte ihr nicht mehr. In ihrem Rücken spürte sie nur ein dumpfes Gefühl, wie ein kalter Druck, der gleich vorbei war, als tiefer innerer Friede, Ruhe und ein Gefühl der Befreiung sie überkamen.
Sie wurde so leicht, trieb aufwärts, der Sonne über dem nassen Gesicht ihres Papas entgegen. Nach wie vor spürte sie die Geborgenheit der Arme ihres Vaters, während sie, mit der plötzlich freien Hand das Gesicht ihres Papas in einer Liebkosung streifend, aufwärts glitt und schon in der nächsten Sekunde die Mittagssonne berührte.
Die leere Hand voran tauchte sie in das gleißend weiße Licht ein und ging darin auf. Nur einen kleinen schwarzen Fleck auf der lichten Oberfläche hinterließ sie, klein und schwarz mit feinem leicht erhelltem Rand.
Dort schaute sie heraus wie durch ein kleines Fenster. Und ehe sich die helle Wärme endgültig um sie schloss, sah sie dort unten ihren Vater winzig beim Bagger kauern, sah die beiden Bauarbeiter hinzueilen, um zu schauen, was um Himmelswillen hier nur geschehen war, sah ihre beiden Freunde von der Böschung her hinzustoßen, sah die kleine, verwundete Insel gefährlich schwanken, sich aber dennoch sicher über dem schwarzen Nichts halten, während die formlosen Wesen, machtlos und leer, ihrem Abgrund entgegen sanken. Denn ihr Bann war nun gebrochen.

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