Psychokinese

Früh am Morgen, es muss kurz vor Sonnenaufgang sein, fährt mich mein Vater mit dem Auto durch die Straßen eines Dorfes in der Vorderpfalz.
Irgendwie müssen wir zuvor am Parkplatz der Grundschule in Böhl vorbeigekommen sein, denn er wundert sich, wie viele teure Autos dort auf dem Lehrerparkplatz stehen. In den Siebzigern hätte man auf dem Parkplatz einer Grundschule wohl vorwiegend VW-Käfer und dergleichen gesehen.
Während ich anfänglich ganz normal auf dem Beifahrersitz sitze, ändert sich die Lage plötzlich und ich liege bequem halb in der Rückenlage an das Amaturenbrett gelehnt und strecke meine Beine unter den Beifahrersitz aus. Schräg von rechts unten beobachte ich meinen Vater beim Fahren.
Dieser muss jetzt einige enge Kurven passieren und innerhalb des Dorfes abbiegen. Dabei hat er offenbar auf verschiedene Verkehrsteilnehmer zu achten, fährt aber dennoch (für mein Gefühl) etwas schnell. In Gedanken bremse ich mit, indem ich vor mich in den Fußraum blicke und auf ein imaginäres Bremspedal trete, das sich unsichtbar unter dem Sitz zu befinden scheint. Und interessanterweise hat dies tatsächlich einen Effekt.
„Höf auf zu bremsen!“, sagt mein Vater zu mir.
Verwundert nehme ich das zur Kenntnis, denn es gibt doch in seinem Auto gar keine Doppelpedale wie in der Fahrschule, vor allem nicht solche, die – eigentlich ja völlig widersinnig – unter dem Beifahrersitz angebracht sind!
Ich blicke aus dem Wagenfenster auf die beige gestrichene Fassade eines Wohnblocks entgegen der Fahrtrichtung des Wagens und sage mir, dass hier wohl ein klarer Fall von Psychokinese vorliegt.
Noch während ich diesen Gedanken denke, gehe ich schnurstracks ins Erwachen aus diesem Traum über und es wird deutlich, dass es sich um einen Telekinese-Fall im Traumzustand handelte, wo so etwas gar nicht so selten vorkommt und bewusst forciert werden kann.
Sogleich beginne ich, das Ereignis in meinem Notizbuch zu protokollieren.
Gerade überlege ich, wie ich die letzte Formulierung meines Eintrags perfektionieren könnte, als ich abermals erwache.
Dieses Erlebnis war folglich ein Traum im Traum, in welchem ich in einem falschen Erwachen meine Notizen anfertigte.
Da sieht man es mal wieder: Diese verwirrende Vervielfältigung der Wirklichkeit lässt einen oft den Überblick verlieren, wenn man nicht auf ständige Zustandskontrolle hinwirkt.
Es ist ca. 7:30 Uhr.

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