Hypnagogische Wahrnehmungen

Im falschen Wachliegen zeigen sich diesmal zwei faszinierend intensive hypnagoge bzw. hypnopompische Eindrücke. Beim Ersten liege ich auf der linken Seite und blicke nach links ins Schlafzimmer hinein. Dort sehe ich in einem breiten Ausschnitt quer über das linke Gesichtsfeld (rechts außen und äußerst links ist nach wie vor das Schlafzimmer räumlich wahrnehmbar) das Panorama einer extraterrestrisch anmutenden Landschaft: Unter einem rötlichen Himmel im Licht einer untergehenden Sonne ist hier eine marsähnliche Wüstenebene mit mittelhohen Gebirgsketten am Horizont zu sehen. Im vorderen und mittleren Teil dieser Landschaft sind winderodierte Steinsäulen und Felsen im Wüstensand zu erkennen. Alles wirkt wie eine Mischung aus realistischer Fotografie und künstlerischer Darstellung. Irritierend wirkt, dass vereinzelte Menschen und Menschengruppen in legerer Kleidung (nicht etwa in Raumanzügen, wie man es für einen Ausblick auf die Marsoberfläche oder auf einen anderen fremden Planeten vielleicht erwarten würde) in dieser Landschaft umhergehen gleich Touristen auf Besichtigungstour. Nicht umsonst flüstert mir schließlich eine körperlose Stimme meinen eigenen Eindruck ins Ohr und gibt mir zu verstehen, dass sie diese Wahrnehmung für nicht sonderlich realitätsgetreu hält. Dieser Ansicht bin ich ebenfalls; kurz bemühe ich mich, die ausgeprägte Hypnagogie zum Aufbruch in eine Exkursion zu nutzen. Vom Bett aus will ich nach vorn in die Szenerie „hineinschwimmen“ und so in sie übergehen. Allerdings verspüre ich die ganze Zeit schon eine gewisse unangenehme Benommenheit in meinem Kopf, die mich immer dann überkommt, wenn ich überlang im Bett liege, ein Zeichen, dass ich jetzt wohl langsam aufstehen sollte, da die Nachtruhe bereits überzogen wurde. Unter diesen Umständen glaube ich nicht daran, erfolgreich loskommen zu können und gebe schnell auf.
Wahrscheinlich war das ein Fehler, denn nach einem Bewusstseinseinbruch finde ich mich erneut im falschen Wachliegen vor. Diesmal fühle ich mich auf die rechte Seite des Doppelbettes versetzt. Personen sind im Raum anwesend: ein junger Afghane und ein Begleiter, der ihm in der für ihn fremden Kultur Westeuropas zur Seite steht. In dem sich entspinnenden Gespräch mit meinen frühmorgendlichen Gästen stelle fest, dass der junge Afghane erzkonservative Einstellungen, insbesondere Frauen gegenüber, pflegt und Schwierigkeiten damit hat, die Relativität der eigenen Ansichten und Lebensregeln zu erkennen, die kaum geeignet erscheinen, in Europa der heutigen Zeit konfliktfrei und integriert zu leben. Diese Probleme ändern nichts daran, dass es ein guter Kerl zu sein scheint. Wir unterhalten uns gut und verstehen uns am Ende prima – hilfreich ist dabei, dass es im Traum keinerlei Sprachbarrieren gibt; quasi-telepathisch werden die Aussagen des einen jeweils in den Verständnishorizont des anderen übersetzt – ein an sich bereits äußerst faszinierender Vorgang.
Schließlich spüre ich, wie ich den Anschluss an das Erlebnis verliere. Mein Körper wandert wie von Geisterhand bewegt zurück in die Schlafposition auf der linken Seite des Doppelbettes; der Traumzustand löst sich auf; ich bin erwacht.

Johannes XXII.

Kurz nach Beginn der Meditation meine ich, nach einem Bewusstseinsunterbruch unbekannter Länge, in den ehemaligen Grünanlagen hinter dem Haus meiner Eltern (heute mit Parkplätzen und Garagen verbaut) unterwegs zu sein. Eine körperlose Stimme trägt mir aus einem in historischen Quellen überlieferten Brief des häretischen Papstes Johannes XXII. vor, der sich darüber verbreitet, welche Probleme sich einstellen, wenn man wochenlang sein Gewand nicht wechselt. Klarer werdend starte ich zu einem gemächlichen Flug, habe dabei aber die merkwürdige Sensation, unter meiner Jogginghose zu enge und unbequeme Unterwäsche zu tragen, was ich mit einigem Genestel lösen muss. Schließlich fliege ich vollkommen bewusst, aber ohne Sehfähigkeit auf die Stettiner Str. hinaus, halte mich links und biege dann vorn links ab, um zum elterlichen Wohnblock zurückzugelangen. Ich steige sacht auf die Höhe des vierten Stocks auf und durchgleite den Rollladen des Wohnzimmers. Durch die Ritzen sehe ich Licht und erhalte drinnen meine volle Sehfähigkeit. Um die Sehschärfe zu steigern, fordere ich mehr Bewusstseinsklarheit ein und fliege dann durch den Flur in Richtung meines alten Zimmers; alles erscheint relativ normal, nun allerdings überscharf wie durch eine etwas zu starke Brille betrachtet. Ansonsten scheint es ein normaler Morgen in dieser Wohnung zu sein; die Eltern stehen gerade auf. Ich gehe wieder zurück in den Flur und überprüfe im Flurspiegel das Aussehen meines Astralkörpers: Ich bemerke nichts Ungewöhnliches, ein Typ in einem weißen T-Shirt, das ihm als Nachtwäsche dient. In der Küche treffe ich auf meine Mutter im Nachthemd. Ich wandere ein wenig umher, beginne dann wieder zu schweben und vor meiner Mutter ein wenig Rückenschwimmen in der Luft vorzuführen.
„Das ist also diese Flugkunst, mit der du dich beschäftigst“, sagt sie und ruft Vater, dass er schnell kommen und sich das anschauen soll.
Mutter fragt mich sinngemäß, was man damit noch tun könne.
„Wände durchfliegen geht auch“, antworte ich, „es führt aber oft zum Dimensionswechsel. Man gerät irgendwohin und weiß nicht, wo man gelandet ist.“
So gleite ich, ohne besondere Ambitionen auf Experimente, noch ein wenig umher bis zum Erwachen um 5:40 Uhr.

In der zweiten Runde werde ich in einem alten roten Citroën bewusst. Bei voller Fahrt (!) auf einer Landstraße steigt gerade eine Gruppe von vier Mädchen in die Ente ein, ohne dass die Mädels dabei auch nur neben dem Auto herlaufen müssen; auf das geklappte Seitenfenster des Wagens blickend führt diese physikalische Unmöglichkeit bei mir sofort zur vollen Traumerkenntnis. Auch diese Runde nutze ich wieder nur für einige Flugübungen. Ich gleite links aus dem Auto heraus und fliege parallel dazu weiter (zu sehen, wie Personen im Traum auf solche „übernatürlichen“ Fähigkeiten reagieren, ist nach wie vor immer noch interessant). Als ich unter einer Betonbrücke entlangfliege, ist das Auto plötzlich verschwunden und die Mädchen eilen mir zu Fuß hinterher. Eines davon, ein Dunkelhaariges, stoppt mich rufend. Jenseits der goldgelben Felder links der Landstraße scheint es ein Problem zu geben. In einer Ansiedlung dort scheint es zu brennen, doch die aufsteigende Rauchfontäne erweist sich beim genaueren Hinsehen als eine Masse hochgeschleuderter roter, blauer und gelber Bälle. Das Mädchen gibt Entwarnung. Das sei nur „Knorle“, was das Mädchen auf meine Nachfrage hin als völlig harmlos bezeichnet. Es scheint eine Art Spielzeugland oder Ferienfreizeitgelände für Kinder zu sein. Nach dieser Feststellung erwache ich um 6:56 Uhr. Erneut war ich zu träge für irgendwelche „ernsthafteren“ Erkundungen und Versuche.

„Puahau Wat“

Im Traum bin ich in der Schule und laufe in einem Saal im oberen Stockwerk herum, während eine Kollegin unterrichtet. Sie macht also die Arbeit, während ich nichts zu tun habe. Um wenigstens den Schein zu wahren, gehe ich nach vorn zum Pult. Die Kollegin stellt derweil irgendeine Frage (ich kriege gar nicht mit, um was es geht) und ein Kind, das in einer Gruppe an der Fensterseite des Raumes steht, ein Mädchen mit sogenanntem „Migrationshintergrund“, antwortet. Das Mädchen sagt irgendetwas völlig Fremdartiges; es hört sich an, als hätte die Kollegin die Aufgabe gestellt, irgendein Wort rückwärts auszusprechen!
Als ich mich zum Lehrerpult umwende, hat sich die Lehrerin in einen älteren weisen Inder mit gepflegtem weißem Bart und traditionellem weißen Anzug verwandelt. Er fragt mich nach dem Ort, an dem eine berühmte serbische (!?) Reliquie aufbewahrt werde. Auf das Pult gestützt höre ich zu, bin aber total überfragt. Der freundlich lächelnde Inder indes fragt so, als handle es sich um einen unabdingbaren Inhalt des Allgemeinwissens, dessen Unkenntnis einfach nur peinlich ist.
Unangenehm berührt gebe ich mich, als läge mir die Antwort auf der Zunge, falle mir aber eben nur für den Moment nicht ein.
Schließlich nennt er „Hua Aur Wat“ oder „Puahau Wat“; das Wort klingt ähnlich wie „Angkor Wat“, die berühmte Tempelstadt in Kambodscha, und ich mime Wiedererkennen und volles Verständnis.
Wie ich mich von der peinlichen Situation abwende, hat sich die Lage im Saal gewandelt. Ich bin jetzt nicht mehr in einem Schulraum, sondern in einem großen Zimmer mit hellem Teppichbelag und Mobilar aus hellem Holz entlang der Wände. Nach wie vor fällt das weiße Licht eines bedeckten Tages durch die großflächigen Fenster herein.
In dem Raum halten sich jetzt weitere weißgekleidete Inder auf; es scheinen weise Männer, vielleicht sogar spirituelle Meister zu sein (?).
Rücklings und bäuchlings führe ich vor den Herren Flug- und Schwebeübungen vor, in deren Vollzug sich sodann volle Luzidität einstellt. Ich gehe fast auf Deckenhöhe in schnelle Rechtskreise entlang der Wände über. Als ich volle Bewusstseinsklarheit erreiche, ist der Raum mit einem Mal menschenleer.
Wie ich meine Kreise ziehe, überlege ich mir, dass es vielleicht auch mit Hilfe dieser Kreisbewegungen im Flug möglich sein müsste, eine Translation wie in meinem Erlebnis „Die ewige Heimat“ durchzuführen.
So verringere ich den Radius meines Flugkreises mehr und mehr, bis ich schließlich im Zentrum des Raumes in engen Kreisen um die Mittelachse wirble. Dabei schließe ich die Augen und warte, bis sich eine Aufhellung in der Dunkelheit bei geschlossenen Lidern zeigt, was häufig ein Hinweis ist, dass die Überführung zu einem Ergebnis gelangt ist. Allerdings stellt sich nur eine leichte Aufhellung ein. Sie wirkt in etwa so, als blickte man mit geschlossenen Augen auf ein sonnenerhelltes Fenster.
Als ich die Augen öffne, stelle ich schnell fest, dass die Translation diesmal nicht geklappt hat; es hat nur eine Überblendung in den vollen Wachzustand stattgefunden. Seltsamerweise scheinen also Translationen im Flugmodus nicht zu funktionieren – womöglich, weil die Traumstabilisierung dann nicht ausreichend gewährleistet ist! Es ist kurz nach 7 Uhr.

Herrenkorsett und Weste

Ein falsches Erwachen stiftet manchmal etwas Verwirrung; so auch heute. Als ich nach einem Einnicken irgendwann nach 6 Uhr heute Morgen wieder zu Bewusstsein komme, liege ich rücklings im Bett und stelle zu meiner großen Verwunderung fest, dass ich eine schwarze Weste aus dünnem Leder und darüber ein Männerkorsett aus schwarzem Brokat trage. Ich schalte das Nachttischlicht ein und versuche mich zu erinnern, wann ich mich denn heute Morgen in Schale geworfen habe! Anbei mache ich mir ein wenig Sorgen um meinen Geisteszustand, weil ich mich absolut nicht entsinnen kann, wie es hierzu kam – habe ich etwa im Schlafwandeln gehandelt? Ich lege das Herrenkorsett ab, stehe mit einem Gefühl der Schwerfälligkeit auf, um zum Kleiderschrank hinüberzugehen und die Sachen wieder dort zu verstauen. Zur zusätzlichen Irritation behindert ein Winterschal, der mir quer übers Gesicht hängt bzw. gewickelt ist, meine Sicht. Unter dem Schal hervorlinsend sehe ich, dass links an der Fensterseite des Schlafzimmers eine kleine Haushaltsleiter aus Aluminium, ein Haushaltstritt mit roten Plastikverkleidungen, an der Wand lehnt. Wer hat dieses Ding denn hierher gestellt, frage ich mich, als ich mich dem geöffneten Kleiderschrank zuwende. Alles sehr seltsam hier. Noch ehe ich völlig luzid werde, erwache ich schließlich. Ich blende in die Rückenlage im Bett über. Dabei taste ich über meinen Oberkörper und stelle fest, dass ich jetzt nur noch T-Shirt trage, mit dem ich zu Bett gegangen war. Die schwarze Lederweste ist verschwunden und mir wird klar, dass ich dem falschen Erwachen aufgesessen bin. Das flutscht mir gelegentlich immer noch durch, wenn ich nicht konsequent an die Zustandskontrolle denke. Um 7:58 Uhr beginne ich den Traumjournaleintrag.

Ein Sukkubus

In meiner alten Schule begegne ich einer jungen, zierlichen Frau. Ich kenne sie nicht, doch sie scheint das gar nicht zu stören. Zu meiner Linken geht sie mit mir die Roßlaufstr., meinen alten Schulweg, entlang und legt mir schließlich den Arm um den Hals. Offenkundig will sie burschikos wirken, langt daher fest zu nimmt mich halbwegs in einen Schwitzkasten.
„Sag mal, du würgst mich!“, sage ich zu ihr.
„Das wollen die Jungs doch so“, antwortet sie verspielt.
„Na, ich weiß nicht“, antworte ich, auf die relativ eindeutigen Avancen eingehend, „und du willst es etwa auch?“
Im nächsten Schritt erfolgt die für einen OBE-Zustand typische Überblendung in das morgendliche Schlafzimmer. Bauchlings liege ich auf der Matratze, das Gesicht im Kopfkissen, und spüre das volle Körpergewicht einer Person auf meinem Rücken. Die stoßweise Atmung und die Bewegung zeugen von höchster Erregung; der Stimme nach kann es sich um dieselbe junge dunkelhaarige Frau handeln, mit der ich soeben noch die Straße entlang gegangen war. Das Erlebnis erscheint völlig physisch und realistisch – ich habe also tatsächlich einen Sukkubus in meinem Bett! Zugleich ist mir auch völlig klar, dass ich im falschen Wachliegen gelandet bin und dies alles eine Klartraumerfahrung ist. Anstatt indes die Erfahrung einfach weiterlaufen zu lassen, distanziere ich mich für einen Moment von dem Geschehen, schiebe es bewusst von mir. Das Ergebnis: Das Gefühl für den Körper auf meinem Rücken schwindet, als höbe dieser langsam nach oben ab und entschwände. Schließlich liege ich voll erwacht in meinem Zimmer. Uhrzeit 6:25 Uhr.

Eine neue AKE

Diesen Morgen finde ich mich unvermittelt im Zimmer meines Bruders wieder. Dort treffe ich auf C.V., die mich mit großen Augen betrachtet. Sie blickt an mir hoch und meint, ich sei so hoch wie der deckenhohe Wandschrank im Raum. Die seltsame Rede verwundert mich und lässt mich prä-luzid werden. So steige ich auf und gleite, die Zimmerdecke im Rücken, gegen den Uhrzeigersinn im Kreis durch den Raum. Dabei gehe ich in die Bauchlage im Bett über, ohne Sehfähigkeit bewege ich mich auf der Matratze mit Schwimmbewegungen nach vorn, um mich zu einer Exkursion loszumachen. Nach wenigen, etwas schwerfälligen Zügen spüre am Kopfende des Bettes einen kriselnden, wie energiegeladenen Widerstand, drehe, gelenkig wie ein Aal, linksherum ab und fliege halbrechts quer durch das Schlafzimmer Richtung Türsturz bzw. der rechten oberen Kleiderschrankecke. Dort schwebend will ich meine Augen öffnen, sehe aber nur Dunkelheit, schließlich geht mein Gefühl ins physische Bett über und der Traumzustand endet. Der Wecker zeigt 5:45 Uhr.

Kleine Störenfriede

Vielleicht eine halbe Stunde nach Übungsbeginn gerate ich in ein falsches Erwachen mit ausgeprägten akustischen Hypnagogie-Phänomenen: Eine Gruppe von Kindern scheint in mein Schlafzimmer einzufallen. Es macht den Eindruck, als wollten sie mich im Schlaf überraschen, verhalten sich dazu aber zu laut. Die Situation ist mir ein wenig unangenehm, da ich auf derartige Überraschungen jetzt so gar keine Lust habe. Ich blicke mich im morgendlichen Schlafzimmer um und alles sieht völlig normal aus; Kinder sind keine zu sehen, nur deren Stimmen sind so deutlich wahrnehmbar, als umringten sie mein Bett bzw. hätten sich nur unterhalb dem Bettrandes versteckt. Eines der unsichtbaren Kinder entdeckt an der rechten Schlafzimmerwand eine kleine weiße Dose mit einem grünen Lichtchen.
„Was ist das für ein Licht?“, fragt die Kinderstimme.
Ich schaue kurz hinüber und antworte ihr:
„Das ist der Brandmelder.“
Daraufhin ereignet sich eine kurze Bewusstseinsunterbrechung, als wäre ich in einen Sekundenschlaf gefallen.
Als ich wieder erwache, finde ich mich erneut in einer ähnliche Lage vor.
Wiederum liege ich auf dem Rücken in meinem halbdunklen Schlafraum. Aus dem Erdgeschoss höre ich Geräusche: Unten dringen die Kinder, mindestens zwei, ins Haus ein, als hätte ihnen irgendeine der Personen, die einen Zweitschlüssel für meine Haustür besitzen, Zugang verschafft. Erneut verspüre ich ein flaues Gefühl im Magen, das mir der unliebsame Besuch bereitet.
„Hopp! Auf!“, ruft eines der Kinder und so stürmen sie ins Obergeschoss hinauf und erreichen mein Schlafzimmer. Zugleich wird mir völlig bewusst, dass in Wirklichkeit niemand in meinem Haus und in meinem Zimmer anwesend ist. Ich erkenne das Ganze als intensives hypnopompisches Erlebnis. Als ich die Augen öffne und ins Zimmer blicke, bestätigt sich diese Interpretation: Der Raum ist leer.
Die Arme über dem Kopf auf dem Rücken liegend führe ich einen Fingertest durch, um den Zustand zu kontrollieren. Das Ergebnis bringt die volle Bestätigung, dass es sich um ein falsches Erwachen handelt. Ich beschließe, eine Exkursion zu versuchen.
Umgehend schließe ich die Augen und will mit dem Ausrollen beginnen, scheitere aber durch das endgültige Erwachen um 8:15 Uhr.

Die ewige Heimat

Ich träume, dass Besucher bei mir zuhause sind. Sie stehen vor dem Veranda-Fenster im Erdgeschoss und unterhalten sich. Ich gehe Richtung Küche davon. Unvermittelt steht Frau B. vor mir, schaut mir ernst ins Gesicht und sagt, ich sähe blass aus und man mache sich Sorgen um mich. Ich bin irritiert, denn ich fühle mich augenblicklich wohl und leide, außer den altbekannten Maladien, auch an nichts Schwerwiegendem. Dennoch will sich Frau B. unbedingt mit mir unterhalten, was ich indes vor den Gästen vermeiden möchte.
„Kommen Sie mal mit!“, sage ich und auf der Suche nach einem ungestörten Fleck landen wir schließlich in meinem von der eingeschalteten Neonlampe erhellten Keller. Dort in der Ecke will ich diese Sache klären. Die Hände rechts und links an den zulaufenden Wänden abgestützt, starre ich in auf den von einigen Spinnweben überzogenen Winkel und wundere mich, weil Frau B. urplötzlich spurlos verschwunden ist. Die Ecke fixierend werde ich mir klar, dass dies eine Traumsituation sein muss, drehe mich um und steige zur Prüfung des Zustands in den Flug im Schwimmmodus auf. Das klappt und vollendet die Luzidität.
Geschwind schwimme ich die Wendeltreppe aus dem Keller ins EG hinauf. Das Haus hat sich in faszinierender Weise verändert: Es ist jetzt komplett leer; Böden und Wände bestehen aus kahlem, allerdings mit hellgrauer Farbe ordentlich gestrichenem Beton!
„Warum ist jetzt alles grau und leer?“, frage ich mich.
Linkerhand zur Veranda hin befindet sich ein gewaltiges Panoramafenster. Der Blick nach draußen zieht mich an.
Obwohl ich gleich einem meiner Projekte nachgehen möchte, will ich dennoch erst einmal die Landschaft vor dem Fenster ins Auge fassen.
Neugierig gehe ich hinüber und der Sog wird so stark, dass ich ihm bedeutenden Widerstand entgegen setzen muss, um nicht hinausgezogen zu werden.
Das Panoramafenster ist beschlagen und nur ein vielleicht 1,50 auf 2 m breites Rechteck gewährt klaren Durchblick.
Als sei mein Haus in großer Höhe auf einen steilen Hang gebaut, blicke ich in ein schmales Tal hinunter, jenseits steigen die Berge eines Mittelgebirgszugs auf, dem Haardtrand nicht unähnlich. Alles ist in ein ungeheuer interessantes, überirdisches Licht getaucht; die Lichtverhältnisse gleichen denen, die oft kurz vor einem Gewitter herrschen. Über den Bergen thronen tiefgraue Wolkenbänke, doch vom gegenüberliegenden Horizont her bestrahlt goldenes Sonnenlicht gedämpft die dunkelgrüne Waldeseinsamkeit auf den Hängen.
Es wirkt fast unwirklich, beinahe wie ein Kunstwerk.
Ich ziehe mich vom Fenster zurück und denke daran, dass ich im Zusammenhang mit meinen Plänen zum Lebenselixier auf den Gedanken kam, im Traumzustand die eigene ewige Heimat, gewissermaßen meine ewige Wirklichkeit aufzusuchen, das, was bleibt, wenn alles Vergängliche vergangen ist. Die Translation (Überführung) dorthin will ich jetzt versuchen.
Entschlossen wende ich meine übliche „Kreislauf“-Technik bei geschlossenen Augen an und spüre, wie ich irgendwoanders hin wechsle.
Als ich die Augen öffne, finde ich mich auf einer schmalen, links von Bäumen gesäumten Asphaltstraße wider, die parallel zu einem länglichen und geradezu übernatürlich tiefblauen See (dem Farbspiel nach dem berühmten Blautopf vergleichbar, nur dunkler) verläuft. Zu den Bäumen hin sind viele Kleinwagen in einer Reihe geparkt. Rechts der Straße reihen sich kleine Bungalos, offenbar in Holzbauweise, mit kleine Gartenparzellen auf. Weiße Straßenlaternen (?), die Krankonstruktionen an einem Pier nachempfunden zu sein scheinen, fallen mir ins Auge.
Ich stehe auf einer über eine Treppe erreichbaren Erhöhung über dieser bis zum Horizont verlaufenden Straße. Zm Flug ansetzend will ich treppab auf die Straße hinunter und vielleicht den Pfad zum See hinunter nehmen.
Allerdings merke ich umgehend, dass ich mich in dieser Umgebung wesentlich physischer fühle als sonst. Ich fühle mich recht schwer und kann nicht höher als etwa zwei Meter über den Boden aufsteigen.
Das ist schade, denn ich würde wohl gerne etwas höher gehen, um den Ort aus der Vogelperspektive zu erfassen.
Ich lande kurz, um mich durch Händereiben zu stabilisieren.
Immerhin komme ich im zweiten Anlauf hoch genug, um nach einer kurzen Vernebelung meines Blicks zu erkennen, dass dies eine bis zum Horizont reichende Flachlandumgebung und die Ansiedlung sehr ausgedehnt ist.
Es ist ein idyllischer, was die Vielzahl geparkter Autos betrifft offenbar auch sehr gut frequentierter Seeort, der sich da im Gelb einer morgendlichen Sonne erstreckt. Alles ist morgendlich still und kein Mensch ist zu sehen. Die Umgebung kommt mir völlig unbekannt vor. Allenfalls einige Küstenorte in Schottland hatten einen entfernt ähnlichen Flair.
„Das also ist ein Teil deiner ewigen Heimat?“, frage ich mich. So richtig anfangen kann ich damit noch nichts. Und schließlich denke ich ans Aufwachen, um all das aufzuzeichnen, ohne allzu viele Details zu vergessen.
Dieser Gedanke und die mit diesem Ort verbundene Irritation lässt mich schließlich ins tatsächliche Erwachen übergehen.
Es ist 8:15 Uhr.