Johannes XXII.

Kurz nach Beginn der Meditation meine ich, nach einem Bewusstseinsunterbruch unbekannter Länge, in den ehemaligen Grünanlagen hinter dem Haus meiner Eltern (heute mit Parkplätzen und Garagen verbaut) unterwegs zu sein. Eine körperlose Stimme trägt mir aus einem in historischen Quellen überlieferten Brief des häretischen Papstes Johannes XXII. vor, der sich darüber verbreitet, welche Probleme sich einstellen, wenn man wochenlang sein Gewand nicht wechselt. Klarer werdend starte ich zu einem gemächlichen Flug, habe dabei aber die merkwürdige Sensation, unter meiner Jogginghose zu enge und unbequeme Unterwäsche zu tragen, was ich mit einigem Genestel lösen muss. Schließlich fliege ich vollkommen bewusst, aber ohne Sehfähigkeit auf die Stettiner Str. hinaus, halte mich links und biege dann vorn links ab, um zum elterlichen Wohnblock zurückzugelangen. Ich steige sacht auf die Höhe des vierten Stocks auf und durchgleite den Rollladen des Wohnzimmers. Durch die Ritzen sehe ich Licht und erhalte drinnen meine volle Sehfähigkeit. Um die Sehschärfe zu steigern, fordere ich mehr Bewusstseinsklarheit ein und fliege dann durch den Flur in Richtung meines alten Zimmers; alles erscheint relativ normal, nun allerdings überscharf wie durch eine etwas zu starke Brille betrachtet. Ansonsten scheint es ein normaler Morgen in dieser Wohnung zu sein; die Eltern stehen gerade auf. Ich gehe wieder zurück in den Flur und überprüfe im Flurspiegel das Aussehen meines Astralkörpers: Ich bemerke nichts Ungewöhnliches, ein Typ in einem weißen T-Shirt, das ihm als Nachtwäsche dient. In der Küche treffe ich auf meine Mutter im Nachthemd. Ich wandere ein wenig umher, beginne dann wieder zu schweben und vor meiner Mutter ein wenig Rückenschwimmen in der Luft vorzuführen.
„Das ist also diese Flugkunst, mit der du dich beschäftigst“, sagt sie und ruft Vater, dass er schnell kommen und sich das anschauen soll.
Mutter fragt mich sinngemäß, was man damit noch tun könne.
„Wände durchfliegen geht auch“, antworte ich, „es führt aber oft zum Dimensionswechsel. Man gerät irgendwohin und weiß nicht, wo man gelandet ist.“
So gleite ich, ohne besondere Ambitionen auf Experimente, noch ein wenig umher bis zum Erwachen um 5:40 Uhr.

In der zweiten Runde werde ich in einem alten roten Citroën bewusst. Bei voller Fahrt (!) auf einer Landstraße steigt gerade eine Gruppe von vier Mädchen in die Ente ein, ohne dass die Mädels dabei auch nur neben dem Auto herlaufen müssen; auf das geklappte Seitenfenster des Wagens blickend führt diese physikalische Unmöglichkeit bei mir sofort zur vollen Traumerkenntnis. Auch diese Runde nutze ich wieder nur für einige Flugübungen. Ich gleite links aus dem Auto heraus und fliege parallel dazu weiter (zu sehen, wie Personen im Traum auf solche „übernatürlichen“ Fähigkeiten reagieren, ist nach wie vor immer noch interessant). Als ich unter einer Betonbrücke entlangfliege, ist das Auto plötzlich verschwunden und die Mädchen eilen mir zu Fuß hinterher. Eines davon, ein Dunkelhaariges, stoppt mich rufend. Jenseits der goldgelben Felder links der Landstraße scheint es ein Problem zu geben. In einer Ansiedlung dort scheint es zu brennen, doch die aufsteigende Rauchfontäne erweist sich beim genaueren Hinsehen als eine Masse hochgeschleuderter roter, blauer und gelber Bälle. Das Mädchen gibt Entwarnung. Das sei nur „Knorle“, was das Mädchen auf meine Nachfrage hin als völlig harmlos bezeichnet. Es scheint eine Art Spielzeugland oder Ferienfreizeitgelände für Kinder zu sein. Nach dieser Feststellung erwache ich um 6:56 Uhr. Erneut war ich zu träge für irgendwelche „ernsthafteren“ Erkundungen und Versuche.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s