Hypnagogische Wahrnehmungen

Im falschen Wachliegen zeigen sich diesmal zwei faszinierend intensive hypnagoge bzw. hypnopompische Eindrücke. Beim Ersten liege ich auf der linken Seite und blicke nach links ins Schlafzimmer hinein. Dort sehe ich in einem breiten Ausschnitt quer über das linke Gesichtsfeld (rechts außen und äußerst links ist nach wie vor das Schlafzimmer räumlich wahrnehmbar) das Panorama einer extraterrestrisch anmutenden Landschaft: Unter einem rötlichen Himmel im Licht einer untergehenden Sonne ist hier eine marsähnliche Wüstenebene mit mittelhohen Gebirgsketten am Horizont zu sehen. Im vorderen und mittleren Teil dieser Landschaft sind winderodierte Steinsäulen und Felsen im Wüstensand zu erkennen. Alles wirkt wie eine Mischung aus realistischer Fotografie und künstlerischer Darstellung. Irritierend wirkt, dass vereinzelte Menschen und Menschengruppen in legerer Kleidung (nicht etwa in Raumanzügen, wie man es für einen Ausblick auf die Marsoberfläche oder auf einen anderen fremden Planeten vielleicht erwarten würde) in dieser Landschaft umhergehen gleich Touristen auf Besichtigungstour. Nicht umsonst flüstert mir schließlich eine körperlose Stimme meinen eigenen Eindruck ins Ohr und gibt mir zu verstehen, dass sie diese Wahrnehmung für nicht sonderlich realitätsgetreu hält. Dieser Ansicht bin ich ebenfalls; kurz bemühe ich mich, die ausgeprägte Hypnagogie zum Aufbruch in eine Exkursion zu nutzen. Vom Bett aus will ich nach vorn in die Szenerie „hineinschwimmen“ und so in sie übergehen. Allerdings verspüre ich die ganze Zeit schon eine gewisse unangenehme Benommenheit in meinem Kopf, die mich immer dann überkommt, wenn ich überlang im Bett liege, ein Zeichen, dass ich jetzt wohl langsam aufstehen sollte, da die Nachtruhe bereits überzogen wurde. Unter diesen Umständen glaube ich nicht daran, erfolgreich loskommen zu können und gebe schnell auf.
Wahrscheinlich war das ein Fehler, denn nach einem Bewusstseinseinbruch finde ich mich erneut im falschen Wachliegen vor. Diesmal fühle ich mich auf die rechte Seite des Doppelbettes versetzt. Personen sind im Raum anwesend: ein junger Afghane und ein Begleiter, der ihm in der für ihn fremden Kultur Westeuropas zur Seite steht. In dem sich entspinnenden Gespräch mit meinen frühmorgendlichen Gästen stelle fest, dass der junge Afghane erzkonservative Einstellungen, insbesondere Frauen gegenüber, pflegt und Schwierigkeiten damit hat, die Relativität der eigenen Ansichten und Lebensregeln zu erkennen, die kaum geeignet erscheinen, in Europa der heutigen Zeit konfliktfrei und integriert zu leben. Diese Probleme ändern nichts daran, dass es ein guter Kerl zu sein scheint. Wir unterhalten uns gut und verstehen uns am Ende prima – hilfreich ist dabei, dass es im Traum keinerlei Sprachbarrieren gibt; quasi-telepathisch werden die Aussagen des einen jeweils in den Verständnishorizont des anderen übersetzt – ein an sich bereits äußerst faszinierender Vorgang.
Schließlich spüre ich, wie ich den Anschluss an das Erlebnis verliere. Mein Körper wandert wie von Geisterhand bewegt zurück in die Schlafposition auf der linken Seite des Doppelbettes; der Traumzustand löst sich auf; ich bin erwacht.

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