Eine lebende Gummifigur

Nach einem guten Monat Pause aus Faulheit und anderweitigen Interessen habe ich heute mal wieder damit begonnen, einen Klartraumtrigger zu setzen; Ergebnis: unspektakulär. Ich komme zu Bewusstsein, als ich unter einem strahlend blauen Himmel einen asphaltierten Feldweg entlanggehe. Auf diesem Weg kommt mir ein mattschwarzer Sportwagen älteren Modells entgegen. Zwei junge Männer sitzen darin. Ich weiche nach links auf einen parallel verlaufenden Wiesenweg aus. Einen Augenblick später setzt der Fahrer seinen Wagen ebenfalls auf den Wiesenweg; es kommt mir so vor, als machten die Insassen des Fahrzeugs das für extra. So bleibe ich stehen, blicke, bewusst ohne auf die Insassen zu achten, in die Gegend und warte, bis der Wagen an mir vorbeigefahren ist. Der Sportwagen schwenkt wieder hinaus auf den Asphaltweg und verschwindet. In diesem Moment erlange ich ohne weitere Ursache vollständige Luzidität.
„Du hast es geschafft!“, denke ich und hebe zum Flug ab. Die Szenerie unter mir ähnelt jetzt wieder dem Campingplatzgelände, das ich in luziden Träumen auffällig oft bereise. Alles trägt herrlichen Sommerlandcharakter und die Umgebung erscheint sehr detailreich und real. Nach einer Flugrunde über dem Splittweg und den grasbewachsenen Parzellen nähere ich mich dem weißen Dach eines Wohnwagens und studiere kurz die Beschaffenheit des Dachs: weiß, eben mit einem Aluminiumabschluss an der Dachkante. Dann fliege ich nach Osten zum Hauptweg herunter, dem ich nach links ins Platzinnere folge. Am Zugang zu einer Zeltwiese gehe ich herunter, denn dort sind einige Leute versammelt. Einige sitzen auf Campingstühlen nahe beim Weg und unterhalten sich. Ohne die Aufmerksamkeit der Personen zu erwecken, versuche ich für einen Moment, ihrer Unterhaltung zu folgen. Sie scheinen mir irgendeinen ostdeutschen Dialekt zu sprechen und verstehe nichts von der Konversation. So lasse ich davon ab und probiere auf dem Zugangsweg zur Zeltwiese, ob ich hier durch eine Translation eine andere Wirklichkeitsebene erreichen kann. Eine kurze Dunkelheit stellt sich ein, doch spüre ich überdeutlich, dass ich unverändert am selben Ort verblieben bin. Folglich muss dies wohl der Platz sein, an dem ich heute sein und bleiben soll! So fliege ich weiter auf die große Zeltwiese, die nach Westen und Norden durch einen hohen grünen Maschendrahtzaun begrenzt ist. In vielleicht zehn Metern Höhe drehe ich einige ruhige Runden über dem Gelände, bis mir auffällt, dass auf dem leeren Zeltplatz weitläufig verteilt Leute überwiegend bäuchlings im Gras liegen. Neugierig geworden lande ich neben einer der Personen und stelle zu meiner großen Verwunderung fest, dass es sich um kleine lebendige Gummifigur handelt! Eine kleine Gummifrau mit hellbraunem Pagenschnitt springt aus ihrer Bauchlage auf und hüpft auf meinen Arm. Sie sagt etwas zu mir, doch es ist belanglos wie das geistlose und mechanische Sprechen eines Spielzeugs. Kaum habe ich das festgestellt, erwache ich auch schon. Es ist 7:45 Uhr.