Ein reinweißes Haus und eine bisexuelle Eskapade

Heute besuche ich ein großes Mehrparteienhaus, in dem vorwiegend Personen afrikanischer Abstammung zu wohnen scheinen. Auffälligerweise sind alle Leute, die ich durch die offenen Wohnungstüren sehe, blütenweiß gekleidet. Überhaupt ist alles in diesem Gebäude in makellosem Weiß gehalten: die Wände, die Türen, das wenige Interieur, das ich in den Zimmern erspähe. Von oben kommend streife ich die linksdrehende Wendeltreppe hinab bis in den Eingangsbereich des Hauses.
Sogar der Fußboden ist dort mit einer reinweißen Raufasertapete beklebt, die doch hier eigentlich von den herein- und heraustretenden Leuten längst schmutzig und zertreten sein müsste – aber nichts Dergleichen ist zu erkennen!
„Das muss ein Traum sein!“, sage ich daraufhin zu Frau B., die gerade im Begriff ist, mit mir das Haus zu verlassen.
Zum Beweis meiner Vermutung hebe ich draußen vor der Tür auf der obersten Stufe einer kurzen Betontreppe in die Luft ab.
Über einer gepflegten Grünanlage mit betonierten Eingrenzungen und Gehwegen schwebend beschließe ich, mich auf die Suche nach P. zu begeben, einer Gestalt, die in meinen erotischen Fantasien der letzten Zeit eine Rolle spielt.
Ich schaue mich um, blicke den Leuten ins Gesicht, die im Umfeld unterwegs sind, entdecke aber niemanden, der der Gesuchten gleicht.
Weitersuchend fliege ich eine breite Straße entlang, auf der sich – auf halber Länge – ein gigantischer Container erhebt. Ich lande auf dessen Rand und springe diesen mühelos balancierend entlang. Im Container haben Kinder Unmengen Spielsachen gesammelt. Das ist erstaunlich und seltsam.
Zugleich schließen sich mir Kinder ein. Eines davon ist mir namentlich bekannt; es ist M. Auch nachdem ich mich wieder auf den Weg gemacht habe, bleibt er aufdringlich bei mir und quatscht mich mit allem Möglichen voll.
Erst am Ende einer schmalen, mit einem Alugeländer zu beiden Seiten gesicherten Überführung gelingt es mir, ihn abzuschütteln. Kehrtmachend fordere ich den Jungen auf, sich doch jemand anderen zum Spielen zu suchen, woraufhin er endlich (und im wahrsten Sinne des Wortes) verschwindet.
P. habe ich jedoch noch immer nicht entdecken können. Stattdessen treffe ich auf dem Rückweg auf C., die mit einer mir nicht bekannten Frau links am Geländer steht und in eine Unterhaltung vertieft ist.
Kurzentschlossen trete ich zu ihr hin und erlaube mir etwas, das sich bei einer Frau, von der ich weiß, dass sie einen festen Freund hat, eigentlich nicht so recht empfiehlt. Da dies aber nun einmal mein Traum ist, nehme ich mir die Freiheit und kraule sie einfach höchst vertraut am Kopf.
Daraufhin wendet sie sich mir zu. Bereits an ihrem leeren Blick erkenne ich, dass es sich bei dieser C. um eine jener identitäts- und willenlosen Traummarionetten handelt, denen man im Klartraum gelegentlich begegnen kann.
Wie um meine Vermutung zu prüfen, drücke ich ihr ohne viel Federlesens einen Kuss auf den Mund, woraufhin wir in einem tiefen Zungenkuss miteinander verschmelzen und schließlich sogar die Beine umeinanderschlingen. Weil C. aber nur wie eine Marionette relativ mechanisch auf meine Vorgaben reagiert, ist das keineswegs so interessant und intensiv, wie man es sich vorstellen oder wünschen würde.
Schließlich verändert sich die Szenerie. Als ich mich von meinem Gegenüber löse, stehe ich unter einer Überdachung vor einer Hauswand einem nackten jungen Mann mit Piercing im Gesicht gegenüber. Aus dem Experiment ist unversehens eine kleine bisexuelle Eskapade geworden! Wie ich den jungen Mann ins Gesicht blicke und über die seltsame Situation nachdenke, erwache ich. Es ist 7:40 Uhr.

Hochzeit und Zerstörung

Gerade erwache ich aus einem Traum, in dem ich mit einem seltsamen Gefühl des Unwohlseins die Spital- und Stettinerstraße entlanggelaufen bin. Ich finde mich in meinem Bett wieder. Von der Tür her erhellt das Licht eines bedeckten Morgens das Schlafzimmer. Links in meinem Gesichtsfeld entdecke ich etwas, das ich zunächst als eine runde Tischplatte aus Holz deute; es ist, als läge ich mit der linken Gesichtshälfte auf dieser Tischplatte.
Die Stimme eines wildfremden Herrn erklärt mir indes, dass es sich dabei nur um eine Täuschung handle. Was ich sähe, sei nichts anderes als mein rundlich verformtes Kopfkissen. Eine kurze Überprüfung zeigt, dass diese Aussage richtig ist. Zugleich stellt sich Klarheit über den Traumzustand ein, wobei ich feststelle, dass sich das Unwohlsein aus der vorhergehenden Traumsequenz auf die jetzige übertragen hat. Ich fühle mich leicht kränklich.
Der namenlose Herr in meinem Schlafzimmer, sehr formell mit hellgrauem Anzug, weißem Hemd und gestreifter Krawatte bekleidet, scheint um diesen Zustand zu wissen, will mich offenkundig ablenken und so zur Besserung beitragen.
Er fordert mich auf, mit ihm zu kommen und mir ein paar Steinewerfer vor dem Haus anzuschauen.
So führt er mich aus der Wohnung meiner Eltern (das Schlafzimmer in meinem Haus ist in diesem Traum in die elterliche Wohnung verlegt) in die Nachbarwohnung und dort an ein Südfenster im hintersten Raum.
Zunächst wundere ich mich darüber, da mein Zimmer drüben doch auch nach Süden weist, sodass man von dort aus doch eigentlich dasselbe sehen können müsste, wie von hier aus.
Doch ein Blick aus dem Fenster macht die Sache klar: Von dieser Stelle aus hat man einen wesentlich besseren Blickwinkel, um auf der Straße gegenüber, am gegenüberliegenden Wohnblock vorbei, eine turbulente Straßenfestszene einzusehen.
Eine kurdische Hochzeit ist in vollem Gange; viele Leute in farbenfroher Alltagskleidung tanzen und hüpfen ausgelassen umeinander. Und das „Steine werfen“ entpuppt sich als eine Art Hochzeitsbrauch, bei dem man sich gegenseitig mit kleinen Gegenständen bewirft. In dem rasanten Trubel ist das eigentlich Hochzeitspaar nicht auszumachen.
Als ich mich wieder auf die Situation im Zimmer konzentriere, hat sich der Herr in eine andere, sehr viel jüngere Person, Z., gewandelt.
Z. fragt mich, ob wir am kommenden Mittwoch nicht auch etwas zusammen unternehmen sollen, um die Tristesse des alltäglichen Lebens zu durchbrechen. Ich bejahe den Vorschlag.
Z. will den Beschluss besiegeln und mit zwei Gläsern anstoßen, die auf der Fensterbank stehen. Das größere, das ich nehmen soll, kommt mir gebraucht vor und bei der Betrachtung gegen das Licht stelle in tatsächlich Lippenspuren daran fest. Ein Rest Wasser schwappt darin herum und das Ganze kommt mir etwas eklig vor. Dennoch gehe ich darauf ein, wandle zuvor aber, indem ich meine Geisteskräfte fokussiere, den Wasserrest in einen Schlick Cola um.
Als ich nach dem Anstoßen davon trinke, bleibt etwas in meinem Mundwinkel hängen, das ich als Eis deute, obgleich es eine völlig andere Konsistenz hat. Ohne mich weiter darum zu kümmern, wische ich es mit dem Handrücken weg und wende mich an Z.
„Wir haben einen Klartraumzustand erreicht“, sage ich zu ihm. „Und jetzt ist die Frage, was wir weiter damit anstellen sollen! Sollen wir einen Besuch in der ewigen Heimat probieren?“
Z. stimmt diesem Vorschlag vorbehaltlos zu. Gemeinsam begeben wir uns in die Mitte des Raums. Wir fassen uns an den Händen, um die Translation einzuleiten. Dabei flüstert mir Z. allerdings zu, dass die ewige Heimat bald untergehen würde. Etwas irritiert hake ich nach und er gibt mir zu verstehen, dass wir es sein würden, die die ewige Heimat zerstören würden.
Die düstere Prophezeiung hält uns aber nicht davon ab, mit dem Überführungsritual zu beginnen. In einem Kreistanz wirble ich schließlich bei geschlossenen Augen mit Z. um eine gemeinsame Achse in der Raummitte. Doch wiederum geschieht, wie bei den Translationsexperimenten der letzten Zeit auch, nichts! Geraume Zeit halten wir den Zustand aufrecht in der Hoffnung, doch noch ein Ergebnis herbeizuführen, doch bemerke ich keinerlei Veränderung.
Schließlich lasse ich mich bewusst ins Erwachen übergleiten.
Nach dem Aufwachen wundere ich mich über die seltsame Qualität meiner luziden Träume in letzter Zeit. Irgendetwas hat sich verändert, doch noch kann ich nicht sagen, was nicht stimmt und was genau hier geschieht. Und was soll es nur bedeuten, dass ich selbst die Ursache für die Zerstörung jenes mystischen Ortes sein soll, den ich die „ewige Heimat“ getauft habe?
Es ist 8:50 Uhr.

Intensität und zeitliche Ausdehnung

Intensives Träumen geht heute Morgen ins luzide über, als ich unter einem blaugrau bedeckten Abendhimmel in den Grünanlagen bei einem Wohnblock umherlaufe und dabei schließlich schwerelos und gegen alle Gesetze der Physik Luftsprünge und akrobatische Übungen ausführe. Mein Weg führt mich auf ein weitläufiges, mir völlig fremdes Freizeitgelände hinaus. In dem Ansinnen, die in kleinen Grüppchen umherstehenden Leute von solchen Kunstwerken zu beeindrucken, hüpfe, schwebe und tanze ich auf die Wiese abseits des asphaltierten Weges hinaus und beginne dort mit übermütigen Kapriolen an einem hohen Schaukelgerüst, an dem ich, an einem langen Bungee-Seil schwingend, gegen die Schwerkraft und teilweise parallel zum Erdboden quer und hin und her über die Wiese schwinge. M., ein Freund von mir, beteiligt sich schließlich an dieser Übung in der Hoffnung, mir beweisen zu können, dass er das genauso gut und draufgängerisch zu bewerkstelligen versteht wie ich. Schließlich finden wir uns, noch immer mit unseren Bungee-Sprüngen befasst, im Inneren einer großen Erdgeschosswohnung mit weiß verputzten Innenwänden wieder. Der Traum ist stabil und vollluzid und nimmt nach und nach eine überraschende zeitliche Ausdehnung an. Mit M. fachsimple ich handlungsbegleitend über die Qualität dieses Klartraumerlebnisses, das auch nach einer gefühlten halben Stunde noch immer kein Zeichen der Destabilisierung zeigt. Am Ende bin ich es, der sich dazu entschließt, der Erfahrung gezielt ein Ende zu bereiten. Dazu lege ich mich in der beschriebenen Wohnung auf den Boden, um bewusst zu erwachen. Das funktioniert auch genau wie gedacht. Ich schließe die Augen und tauche durch eine kurze graue Dunkelheit in mein eigenes Zimmer hinüber. Der Wecker zeigt 5:24 Uhr.

Jupiter am Horizont

Ohne an diesem Morgen irgendwelche gezielten Bemühungen unternommen zu haben, ergab sich dennoch zumindest eine kurze Klartraumsequenz. Dabei gehe ich zunächst in einer nächtlichen Naturlandschaft einen Weg entlang. Es ist dunkel, als unternähme ich einen Nachtspaziergang in einer lampenlosen Umgebung.
Zu meiner Linken, hier offenbar die Ostrichtung, steigt in diesem Moment ein Planet über dem Horizont auf. Er zeigt sich als eine blassgelbe Scheibe von der Größe des Vollmondes, auf der Details seiner Atmosphäre (Bänderstrukturen sowie der „Große Rote Fleck“) zu sehen sind. Irdische Nachtwolken ziehen über die Scheibe hinweg und verdecken kurzzeitig Teile der nördlichen Hemisphäre.
„Der Jupiter!“, denke ich.
Und während ich weitergehe und die blasse Scheibe betrachte, fällt mir ein, dass ich diesen Planeten von der Erde aus und ohne Teleskop doch stets nur als einen hellen Stern am Nachthimmel, aber niemals als detailreiche Planetenscheibe wahrnehmen könnte.
In diesem Moment wird mir glasklar, dass ich mich in einem Traumzustand befinden muss.
Augenblicklich versuche ich geradewegs auf die Planetenscheibe zuzufliegen und den Gasriesen zu besuchen. Doch die an Einzelheiten zuvor so reiche Oberfläche wird schlagartig formärmer wie eine einfache Zeichnung mit braunen Strichen und einem blassroten Oval, die die atmosphärischen Bänder und den GRF sehr schematisch wiedergibt. Und selbst diese detailarme Wahrnehmung verschwindet im nächsten Augenblick total und zurück bleibt nur ein diffuses, schwach gräuliches Licht, das vom Horizont ausgeht.
Mir wird deutlich, dass ich hier nicht weiterkommen werde und breche meinen Flugversuch zum Jupiter ab. Strampelnd probiere ich, wieder auf den Erdboden und auf den Weg zurückzugelangen, um dann innerhalb der zuvor gegebenen Traumwirklichkeit einen Spaziergang, eine kleine Exkursion zu unternehmen.
Doch diese Bemühungen scheitern im Erwachen.