Treffen mit J.

In einer riesigen Tiefgarage mit Wänden wie von schwarzem Marmor renne ich von Absatz zu Absatz treppab und dann in einen langen breiten, tunnelartigen Gang hinein, dem Tageslicht an seinem Ende entgegen.
In dem Gang entscheide ich mich, den Bewegungsmodus zu wechseln und schlittere nun mit vorgestreckten Füßen den Boden entlang, als führe ich auf einem Chopper – das passende Motorengeräusch stellt sich hierbei ebenfalls aus dem Off ein!
Ich bin so schnell unterwegs, dass es, das ist mir völlig klar, sogar zwei Polizisten, an denen ich in dem Gang vorbeijage, nicht mit mir aufnehmen können.
Schließlich rase ich, ins Freie hinausjagend, auf einer breiten Brückenkonstruktion mit Asphaltboden entlang.
„Ich bin Superman!“, denke ich aufgrund meiner unglaublichen Kraft und Geschwindigkeit und werde dabei endgültig völlig bewusstseinsklar.
Senkrecht schieße ich nun, den Blick nach unten auf die Landschaft gerichtet, aufwärts.
Unter mir breitet sich eine parkähnliche Fläche aus, baumgesäumt wie in einer wäldlichen Umgebung gelegen, ein Tal zwischen sanften Hügeln.
Zur Linken überspannt die Brückenkonstruktion dieses Tal. Direkt unter mir sind gelbe Blumen so im Rasen angepflanzt, dass sie eine seltsame ornamentale Struktur bilden, gleich einem Schriftzeichen, das ich aber nicht entziffern kann.
Ich hebe den Blick und lasse ihn, mich in der Luft drehend, um 360° über die in malerischen Grüntönen gehaltene Gegend unter einem tiefblauen Himmel schweifen. Rechts an einem Hang auf der anderen Seite der Talmulde erhebt sich in einem alten Wingert die Front eines aus gelbem Sandstein errichteten Schlösschens, dessen Fassade durch Reihen von Rundbogenfenstern dominiert ist. Die Fensterhöhlen sind leer; das Innere des Schlosses scheint dunkel und unbewohnt zu sein.
Ich beschließe, auf jeden Fall in dieser Umgebung zu bleiben und vielleicht das Innere dieses Wingertschlösschens zu erkunden.
Zuerst steige ich aber noch ein wenig höher in den Himmel auf, wobei ich mit wenigen Schwimmerbewegungen, also gerade einmal ein paar Meter höher, schon in eine schwarzblaue Umluft aufsteige, als hätte ich wundersamerweise bereits den Rand der Atmosphäre erreicht!
Im selben Moment vernehme ich von unten hinten eine deutlich vernehmbare Frauenstimme.
„Du steigst aber ganz schön hoch auf!“, ruft sie mir zu.
Augenblicklich setze ich senkrecht zur Landung an und treffe am Boden angekommen auf ein rothaariges Mädchen mit Sommersprossen; spillerig im Körperbau und mit einer Art Fischermütze auf dem Kopf.
Sie kommt mir irgendwie bekannt vor und ich spreche sie mit J. an, da ich mir sicher bin, dass dies ihr Name sein müsse.
Doch sie antwortet, an mir vorbeiblickend: „Ich weiß nicht, wie ich heiße!“
Ich sei ziemlich sicher, dass sie J. sei, insistiere ich.
In Erwartung, was jetzt wohl kommen mag, verliere ich indes den Anschluss an die Szenerie und werde sehr schnell in meinen physischen Körper reintegriert.
Es ist ca. 6:10 Uhr.

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