Unterm Blütenbusch

Mit dem Rad fahre ich eine gewundene Straße entlang; es ist Abend und die Dämmerung weit fortgeschritten. Rechts und links der Straße zeigen sich Zäune bzw. Felswände aus rotem Sandstein, die über und über mit einer buschigen Pflanze mit gelben narzissenähnlichen Blüten überwuchert sind.
„Jetzt weiß ich, dass ich träume“, denke ich beim Anblick dieser wundersamen Blütenpflanzen, „denn sowas Schönes gibt es nicht!“
Ich fahre noch ein Stückchen weiter, halte dann und lege das Rad am linken Fahrbahnrand auf den Asphalt, sodass die Frontlampe den Blütenbusch quer über die Straße anstrahlt. Ich übequere die Straße und setze mich im Schneidersitz an eine Stelle, über der die Ranken der Pflanze eine niedrige Laube bilden.
In dem niedrigen Gebüsch hängt ein trockener Ast herunter und berührt mich im Gesicht, doch ich ignoriere das. Beiläufig denke ich an Buddha unterm Baum, eine Assoziation, die mir kommt, weil auch ich mir vorgenommen habe, in meinen nächsten Klartraumzuständen meine meditativen Übungen fortzusetzen.
Vorbereitend stabilisiere ich mit Händereiben und einem Realitätstest und will sodann in die Meditation einsteigen, als ich feststelle, dass dennoch eine Destabilisation eintritt.
Ein unwillkürliches Öffnen der Augenlider, im Grunde ein kurzes Lidflattern, offenbart mir einen Blick in mein morgendliches, spärlich erhelltes Schlafzimmer. Ich scheine Pech zu haben und kurz vor dem Aufwachen zu stehen.
Trotzdem fahre ich mit den Stabilisierungsmaßnahmen fort, kann mich indes aber trotzdem nicht halten. Ich erwache in der linken Seitenlage; der Blick aus der Rückenlage, den ich Sekunden zuvor erlebt hatte, war also eindeutig ein falsches Erwachen.
Hätte ich einen weiteren Realitätstest vollzogen, wäre es mir vielleicht möglich gewesen, mit den üblichen OBE-Tricks weiterzukommen.
Irgendwie schade – trotzdem vermittelt mir diese verpasste Gelegenheit ein gutes Gefühl. Es sagt mir, dass ich auf diesem Weg weitergehen und die Meditationsziele, die ich mir gesetzt habe, weiterverfolgen sollte. Für die Akte: Traumende 7:24 Uhr.

Meditation

Meine Vermutung, dass die geringe Dauer und Stabilität der Klartraumaktivitäten der letzten Zeit mit der Vernachlässigung meiner Meditationspraxis zusammenhängt, hat sich als richtig herausgestellt. Nachdem ich die vergangenen zwei Tage wieder einige meditative Elemente in meinen Tagesablauf integriert hatte, gelang es heute Morgen einen luziden Traumzustand gut und gern eine Stunde lang stabil zu halten. Nachdem ich klar geworden war, versuchte ich mithilfe einer Lichtmeditation sämtliche Traumillusionen in Licht- und Energieflüsse aufzulösen, was allerdings (hinsichtlich der Meditationsziele ist das die ganz hohe Schule) diesmal nicht von Erfolg gekrönt war. Auch der Versuch, den Vorgang zu unterstützen, indem ich mich mit dem Licht einer Glühbirne vereinige bzw. in dieses eingehe, brachte mich nicht ans Ziel – die Selbstverschmelzung scheiterte. Stattdessen verlegte ich mich schließlich auf die Erhöhung der Bewusstseinsklarheit anhand von Autosuggestionen in Kombination mit regelmäßigen Realitätstests, um die Bewusstseinskontinuität zu bewahren und gelegentliche Destabilisierungen (Phasen, in denen ich spürte, dass ich kurz vor dem Aufwachen stand, mich aber durch die gegebenen Techniken abfangen konnte) auszugleichen. Dieses Vorgehen führte zweimal zum Erlebnis eines falschen Erwachens, ohne dass es dabei zu einem Bewusstseinsunterbruch gekommen wäre. Ich konnte also einfach aufstehen und weitermachen. Inhaltlich war der luzide Traumzustand diesmal so langandauernd, dass eine ausführliche Schilderung aller Einzelstationen kaum möglich ist. U.A. erkunde ich genau die Traumumgebung innerhalb eines unbekannten Gebäudes in einem leicht heruntergekommenen Industriegebiet, springe darin ein tiefes Treppenhaus herunter, verlasse das Gebäude, muss draußen einen etwas ungestümen braunen Hund abwehren und überprüfe daraufhin einen Briefkasten, ob ich darin vielleicht interessante Lektüre finde, stoße aber nur auf alte Telefonbücher. Schließlich befrage ich den Hund (!) bezüglich des heutigen Datums, um zu ergründen, inwieweit eine Übereinstimmung der Traumwirklichkeit mit den Gegebenheiten der physischen Realität besteht, und erhalte von dem Tier die salominische Antwort: „Dasselbe Datum, an das du dich erinnerst!“
Wenig später erlausche ich Meeresrauschen in der Umgebung; der Ozean scheint hier also nicht weit zu sein. Ein Garagendach überkletternd entdecke ich einen Strand von grobem gelblich-braunem Sand, der von einem herrlich türkisblauen Meer überspült wird. Übermütig stürze ich mich in die anbrandenen Wellen; das Wasser ist von angenehmer, neutraler Temperatur und mit einem Schluck überzeuge ich mich, dass es tatsächlich salzig wie Meerwasser schmeckt. Parallel zum Strand jage ich, mit mehreren Begleitern, die aber nur als körperlose Stimmen in meinem Geist anwesend sind, mit übernatürlicher Kraft und Geschwindigkeit im Wasser umher, bis ich gemächlich ins Erwachen übergehe. Es ist 4:24 Uhr. Trotz der prolongierten Dauer dieses Erlebnisses und der ausgeprägten Bewusstseinsklarheit bin ich etwas enttäuscht, dass ich die Ziele der Lichtmeditation nicht realisieren konnte.

Auf der Wiese

Ich träume, es seien Ferien und ich liefe einfach so zu meinem Vergnügen in die Stadt. Dabei erkunde ich einen Weg, den ich nie zuvor genommen hatte, und scheine in die Irre zu gehen.
Der schmale Betonpfad führt mich auf eine Anhöhe, wo er zur Linken mit einem Aussichtsgeländer gesichert ist und zur Rechten u.A. an kleineren Ladengeschäften (Zeitungskioske bzw. Tabakläden mit Lottoannahme) vorbei führt. Schließlich geht es gemächlich bergab in ein Viertel kleiner älterer, aber sehr gepflegter Häuser mit schönen Gärten.
Das letzte dieser hübschen Vororthäuschen umrundend gelange ich auf eine weitflächige Wiese, die vielleicht zu dem Anwesen dazugehört, denn es gibt keine räumliche Abgrenzung im Sinne eines Zaunes o.Ä.
In vielleicht hundert Metern Entfernung erhebt sich auf dieser Wiese eine baumbestandene Böschung, die hoch auf eine von grauweißen Straßenlampen gesäumte Landstraße führt, jenseits derer sich die bewaldeten Hänge des Pfälzer Waldes erheben. Ich laufe auf die moosige Wiese hinaus und wende mich nahe der Böschung nach rechts, gehe also parallel zu dieser weiter. Im Gras zu meinen Füßen wachsen einige Birkenpilze. Der friedliche und weite Platz lässt in mir den Wunsch aufkeimen, hier ein wenig zu fliegen!
Ich probe den Flug und da es problemlos möglich ist, durch die Luft zu gleiten, erkenne ich umgehend, dass ich mich in einem Traum befinde. Langsam und prononciert führe ich meine Züge im Brustschwimmstil aus und spüre dem Arm- und Beinschlag bewusst nach, wobei sich schon nach wenigen Metern die Wiesen- und Waldszenerie ins Schwarzgraue auflöst.
In der dunklen Void versuche ich sofort, senkrecht aufzusteigen und anschließend meine Füße auf den Boden zu bringen, denn „Erdung“ ist unheimlich wichtig, um die Stabilität zu halten.
Zugleich führe ich einen zunächst erfolgreichen Zeigefingertest aus: Ich spüre meinen Zeigefinger in die Handfläche einsinken, bemerke aber wenige Augenblicke später, wie sich das Gefühl für meinen physischen Zeigefinger einstellt und ich in den Wachzustand reintegriert werde.
Wieder ist es mir nicht gelungen, die dunkle Void als Sprungbrett zu anderen Traum- und Bewusstseinsebenen zu nutzen.
Vielleicht liegt es daran, dass ich schon seit Monaten keine bewusstseinssteigernden Meditationsübungen mehr durchgeführt habe und seither von den luziden Erlebnissen nurmehr spontan und ungeplant überrascht werde. Der Wecker zeigt, dass 5:55 Uhr Schluss war.

Außerkörperlichkeit

Mir träumt heute, dass ich mich, auf einer Art Liegestuhl ausgestreckt, über die Pflege von Gesichtspiercings unterhalte, als ich langsam und unvermittelt klar werde. Das Umfeld entpuppt sich als die elterliche Wohnung bei Nacht. Die Wohnung durchfliegend begebe ich mich nach draußen auf den Balkon und gleite dort, nachdem ich einen leichten inneren Widerstand überwunden und mir nochmals klar gemacht habe, mich in einem Traum zu befinden, in westlicher Richtung über die Brüstung hinweg und fliege auf der Höhe des vierten Stocks eine hufeisenförmige Linkswende. Das Körpergefühl im Flug stärkt sich, während zugleich meine Sehfähigkeit schwindet. Ich lande im Zustand der Außerkörperlichkeit irgendwo im Nirgendwo der dunklen Void, wobei ich jedoch zunächst nicht das Gefühl habe, das gegebene Umfeld (den Luftraum über den Grünanlagen südlich des Wohnblocks meiner Eltern) verlassen zu haben. Bewusst verzichte ich auf weitere Steuerungsversuche und sause nun in einer ausgedehnten Spirale dem Boden zu, sinke diesem wie in einem linksdrehenden Strudel entgegen. Ich will einfach beobachten, was geschieht. Wiederum durchbrechen dabei unbeständige, sich optisch verzerrende weiße Linien von Streulicht mein ansonsten dunkles Gesichtsfeld. Als ich mit dem Rücken den Grund berühre, spüre ich sofort, dass ich nicht im Gras der Grünanlagen gelandet bin, sondern auf der Matratze in meinem Schlafzimmer. Dies bestätigt sich, als ich die Augen öffne. Es ist kurz vor 4:30 Uhr.