Exkursion

Nachdem ich träumte, eine Rechnung über exakt denselben Betrag erhalten zu haben, den mir die Woche mein Verlag an Buchtantiemen ausgezahlt hatte, finde ich mich im nächsten bewussten Moment in meinem Bett wieder und verspüre den Wunsch, eine Astralprojektion zu probieren. Um zu checken, ob es mir möglich wäre, führe ich einen RC durch. Seltsamerweise ist mein Zeigefinger eingerollt und ich bin nicht in der Lage, ihn auszustrecken. Dennoch kann ich die Situation durch den Test klären und feststellen, dass ein falsches Erwachen vorliegt und somit eine Exkursion erreichbar ist. Mit der bewährten Baumstammrolltechnik rolle ich mich dreimal nach links ab und fliege träge vom Bettrand ab, wobei ich mein verschwitztes Bein aus der Bettdecke herausziehen muss. Der Morgenschweiß wird schon auf der Exkursion von selbst verfliegen, denke ich mir und fliege dann, noch immer etwas träge und flügellahm, bis vor den – im halbdunklen Zimmer recht gut sichtbaren – Spiegel an meinem Wandschrank gegenüber dem Fußende meines Bettes. Ich freue mich, es in einen Klartraum geschafft zu haben, und bringe meine Füße auf den Boden herunter. Ich gehe in Richtung Tür, von wo das wenige weißlich-trübe Licht hereinfällt, das den Raum spärlich erhellt. Dort oder vielleicht draußen vor der Tür will in mein Meditationsritual starten. Anbei denke ich daran, gerne mehr sehen zu wollen und begehe infolgedessen den Fehler, meine Augen zu öffnen, was umgehend zum Erwachen führt. Zum Abfangen bestand keine Chance mehr – schade. Es ist 5:38 Uhr.

Astrale Radtour

Vergangene Nacht träume ich, auf einer Radtour zu sein und werde dabei schließlich bewusst. Mit der Bewusstwerdung tauche ich in einen dunklen astralen Tunnel ein, in welchem ich einem sonnenhellen Ausgang entgegenfahre.

Ich will einfach eine Fahrradtour durch eine herrliche Gebirgslandschaft unternehmen!“, nehme ich mir vor und lüftige Höhen, lichter Wald und Bergpässe mit erhebenden Ausblicken stehen mir im Sinn.

Allerdings muss ich hart in die Pedalen treten, denn der Weg verlangt mir jetzt schon einiges ab. Wie soll ich da erst im Gebirge zurechtkommen?

Als ich den Tunnelausgang passiere, befahre ich tatsächlich eine asphaltierte Straße, die zwischen zwei hohen bewaldeten Bergen aufwärts führt. Der Himmelsausschnitt über mir ist leicht bedeckt, dennoch ist der Tag sonnenhell.

In vielleicht dreihundert Metern Entfernung zweigt ein in die Berge aufsteigender Fahrweg links von der Straße ab, die ich momentan benutze. Diesen Weg muss ich einschlagen!

Durch eine kurze Unaufmerksamkeit komme ich indes nach rechts vom Fahrweg ab, gerate auf den Grünstreifen, verkante mich mit beiden Rädern am kantigen Rand der Asphaltdecke und stürze bei recht hoher Geschwindigkeit hin. Obgleich ich mich mit dem linken Ellenbogen auf dem rauen Asphalt abfange, verspüre ich keinerlei Schmerz, erleide nicht die geringfügigste Verletzung.

Sogleich schwinge ich mich wieder aufs Rad und entschwinde in die herrlichen sonnigen Höhen, genieße das Erlebnis, bis mir irgendwann die Luzidität abhanden kommt.

Außerkörperliche Erfahrung

Der Morgen ist schon recht weit fortgeschritten, als ich schließlich ausgeprägte hypnagoge Wahrnehmungen feststelle: Ich liege in der Rückenlage im Bett, habe aber den Eindruck, in einen großen, teilweise begrünten Hof inmitten eines Wohnhäusergevierts zu blicken.

In einiger Entfernung vor mir steht ein Schild. „Orte“ steht darauf in alterümlichen Druckbuchstaben geschrieben. Die optische Wahrnehmung schwächt sich etwas, doch kann ich sie abfangen und scheine nun aus größerer Höhe nach unten in diesen Hof zu blicken, betonierte Wege vor den Häusern. In der rechten Hand nehme ich ein antikes Drahtbinokel wahr; wenn ich hindurchblicke, sehe ich schärfer, doch ist es mitunter, als blickte ich durch das falsche Ende eines Fernrohres.

Wenn du solche hypnagogen Wahrnehmungen hast“, denke ich nun, „könntest du eine außerkörperliche Erfahrung versuchen!“

Mit Schwimmbewegungen gegen 10 Uhr ziehe ich mich aus der Rückenlage nach links heraus und über den Nachttisch hinweg, zweifle kurz, ob ich es schaffe, fliege dann aber schon, mich ein wenig an der Wand abstoßend, aufwärts und hinauf zu dem Sturz über dem Schlafzimmerfenster. Dort betaste ich die weiße Raufasertapete; sie fühlt sich sehr real an; auch die optischen Eindrücke entsprechen denen in einem halbdunklen Schlafzimmer.

Du hast es in eine AKE geschafft!“, denke ich erfreut, schaue mich kurz um und blicke in dem Zwielicht, das durch die halb geöffnete Schlafzimmertür fällt, unter mich auf das Doppelfenster mit den geschlossenen Rollläden.

Dann bemerke ich, dass an meiner Hand, die soeben noch an der Wand entlangtastete, ein quadratischer weißer Notizblockzettel haftet. Habe ich den auf dem Nachttisch aufgeschnappt oder irgendwie hier oben? Schwerelos wie eine Feder lasse ich ihn in Richtung Fensterbank herabsinken. Eilig möchte ich den Zustand stabilisieren, verliere aber den Anschluss und erwache. Ende 8:32 Uhr.

Glück

Mit einer kleinen Personengruppe, M. ist ebenfalls darunter, halte ich mich in einem kleinen Zimmer auf. In Händen halte ich ein Kochbüchlein, eher ein auf Glanzpapier gedrucktes Rezeptheft, das ich aus einem Bücherregal an der linken Wand gezogen habe, und blättere und lese darin. Alsbald erkenne ich es als typisches „Traumbuch“, in welchem die Stichwörter teilweise unzusammenhängend erscheinen und keine sinnvollen Inhalte zu entdecken sind.

Ein typisches Traumkochbuch“, stelle ich fest und werde umgehend luzid.

Kurz unterhalte ich mich mit einer jungen dunkelblonden Frau aus der Gruppe und für einen Moment liegt eine durchaus auf Gegenseitigkeit beruhende sexuelle Spannung in der Luft.

Wir kommen einander näher, heben kurz in die Luft ab und kommen auf der Fensterseite des Raumes wieder zu Boden, da ich deutlich spüre, dass sexuelle Traumspielereien mich hier nicht weiterbringen; es ist nicht das, wozu ich die Traumzeit eigentlich nutzen will.

Ich trete einen Schritt näher zum Fenster, als mir jenseits der Scheibe eine Horde rosiger Hausschweine auffällt, die in der offenen Kanalisierung eines Baches in meine Richtung rennen.

In den Schweinen erkenne ich ein „Glückssymbol“ und komme so auf das Ansinnen meiner Meditationsübungen zurück.

Ich setze mich in einen Sessel oder etwas Ähnliches nieder und beginne zu meditieren, woraufhin sich sehr schnell ein spürbarer Zustrom an Glücksgefühl einstellt; es fühlt sich wie ein Prickeln und wärmende, den Körper erfassende und durchlaufende Vibrationen an.

Diesen Zustand kann ich durch eine Zustandskontrolle eine Weile lang stabilisieren, bis ich dann um 6:16 Uhr erwache. Die meditative Übung hat interessante Nachwirkungen hinsichtlich meiner Selbst- und Gefühlswahrnehmungen; ich bin leicht aufgeregt und zittrig, genau wie jemand, der tatsächlich soeben einen bedeutenden Glücksmoment erlebt hat – das ist ziemlich bemerkenswert!