Das goldene Netz

Kurz nach 6 Uhr beginne ich mit den hypnagogen Bildern zu experimentieren. Wenig später sitze ich auf Knien auf einem Esstisch in einem rollladenverdunkelten Raum; aus dem Treppenhaus fällt Tageslicht in den Raum. Auf dem Tisch sortiere ich Arbeits- und Bastelblätter aus rotem Kartonpapier in eine Religionsmappe ein. S., einer meiner Nachbarn, ist ebenfalls – indes unkörperlich – in dem Raum anwesend und spricht beiläufig mit mir.

Schließlich verlasse ich das Zimmer und gehe zum Treppenaufgang; es ist eine geradläufige Treppe, die unten eine Linkskehre ins Untergeschoss nimmt. Ich schaue an mir herunter und bemerke, dass ich eine hellblaue Jeans trage. Ich bücke mich, um den Saum ordentlich über meine braunen Lederschuhe zu ziehen. Dann gehe ich schnell und leichtfüßig nach unten. Auf einem weiteren Absatz in der Diele bleibe ich stehen und denke daran, jetzt einfach zu fliegen, denn ich bin mir im Klaren, in einem Traum zu sein. So gleite ich durch die Luft in das ebenfalls rollladenverdunkelte EG hinein. Es ist ein weitläufiger, leerer Raum mit hellen, polierten Granitfliesen. Die Aktion wirkt wie ein zusätzlicher Realitätstest und erhöht die Bewusstseinsklarheit immens. Ich wende bei einer Zwischentür mit Mattglaseinsatz, lande mitten in dem Raum und setze mich sofort zu Boden, um meine Meditation zu beginnen. Dabei stellt sich ein physisches Gefühl ein, das ich durch intensives Händereiben ausgleiche.

Mit Beginn der Meditationsübung spüre ich einen Zug nach hinten, der mich in die Rückenlage bringt. Zugleich beginne ich mich unwillentlich um eine Achse in Bauchhöhe schnell um mich selbst zu drehen.

Die meditative Vertiefung bewirkt einen Zustrom mattgoldener Farbe in mein dunkles Gesichtsfeld, der von einem verdichteten Zentrum, einer mattgoldenen Kreisform mit unscharf verwaschenen Rändern, ausgeht. Schließlich beginne ich, den Boden im Rücken, einfach so rasant aufwärts zu rasen. Dabei durchbreche ich mehrere Schichten golden glühenden, dickstrangigen Gewebes, die in der Dunkelheit erscheinen, und spüre dabei einen kontinuierlichen Zustrom an Spannung und Kraft.

Durch diese Ebenen hindurch gelange ich unvermittelt auf ein Wiesengelände unter freiem Himmel und sehe, als ich den Kopf hebe, in einiger Entfernung einen braunen Esel oder ein Pony in einer Koppel, und denke, nun erwacht zu sein. Ein über Kopf ausgeführter Zeigefingertest scheint die Fehlannahme irreführender Weise zu bestätigen, wobei ich schon im nächsten Moment tatsächlich aus dem falschen Wachliegen heraus erwache. Es ist 6:38 Uhr. Übungsbeginn ca. 6:12 Uhr.