Die Ebene der streitlustigen Schläfer

Mithilfe der WILD-Technik steige ich heute ab ca. 3 Uhr früh ziemlich mühelos dreimal hintereinander in unterschiedliche Traumsituationen ein und setze diesmal meine Versuche zur Kontaktaufnahme mit Traumpersonen fort. Die Ergebnisse sind unerwartet.
Im ersten Anlauf rolle ich mich während des hypnagogen Bildersehens mit einem begleitenden RC nach links aus, krieche aus dem Bett hinein in die OBE-typische Schlafzimmersituation; drüben im Arbeitszimmer (es wirkt leerer als normal) beobachte ich kurz die Nachbarsfamilie auf ihrem Grundstück. Die älteste Tochter scheint Besuch von gleichaltrigen Jungs zu haben und man hält sich im Garten auf. Sogleich will ich die Suche nach einer Kontaktperson beginnen, will dies aber angemessen bekleidet angehen und experimentiere daher mit Kleidungsstücken, die ich u.a. auf meinem Bett im Schlafzimmer finde. Interessanterweise findet dabei ein Wandel der Umgebung statt. Es entsteht eine kuriose Vermischung der Gegebenheiten in meinem Haus und dem Interieur eines Feriendomizils aus meiner Jugendzeit. Leider kostet mich die Kleiderprobe vor dem Spiegel zu viel Traumzeit, sodass ich aus dem ersten Klartraum erwache, ohne mein Vorhaben richtig in Angriff genommen zu haben.
Im zweiten Luzidtraum werde ich bewusst, während ich in einem großen, verwinkelten, in etwa krankenhausähnlichen Gebäude einen Gang entlanggehe. Eingedeck der Erfahrung aus dem Vorerlebnis gehe ich diesmal schneller ans Werk. Ich quetsche mich einfach durch eine Mauer ins Freie, wobei ich das Material in der Wand körperlich spüren kann, und gelange auf eine Ebene, die sich als ein städtisches, parkähnliches Umfeld präsentiert. Dort wiederhole ich meine astralen Kontaktaffirmationen und laufe los, zu einer Begegnung bereit. Leider treffe ich nicht die erhoffte Person. Stattdessen stellt sich heraus, dass es eine Ebene voller Traumschläfer zu sein scheint. Man erkennt sie daran, dass sie völlig unsinnig auf einen reagieren: So gerate ich mit einem Rad fahrenden Rentnerehepaar aneinander; vor allem der weißköpfige Mann geht mich ziemlich an, sodass mich zurückziehe. Dann treffe ich einige Frauen ebenfalls fortgeschrittenen Alters, die mitten auf dem Gehweg in rosa Plastikwannen Wäsche waschen und so in ihre eigenen Gedankeninhalte versponnen sind, dass bei der Begegnung mit mir keine sinnvolle Interaktion entsteht. Enttäuscht steige ich senkrecht zum Himmel auf und versuche dort, zu einer höheren, vielleicht bewusstseinsklareren Traumebene vorzudringen. Doch gelange ich dort in ein schwarzweiß gemustertes, immer dichter werdendes Gespinst, das sich wie eine Zeichnung über mein Gesichtsfeld legt, und gleite ins Erwachen über.
Die dritte Runde bringt mich in eine Schwimmhalle, in der es mir kaum besser ergeht. Im 25-Meter-Becken erspähe ich in der Menge der Schwimmer ein dunkelblondes Mädchen mit übernatürlich hellgrünen Augen, das ich kontaktieren will, das auf meine Telepathie aber nicht reagiert; möglicherweise handelt es sich ebenfalls um eine Traumschläferin. Das zu überprüfen gelingt mir jedoch nicht, da zumindest ein junger Kerl mit schwarzer Badehose, welcher der Freund des Mädchens zu sein scheint, meinen Versuch bemerkt. Der Kerl kommt gleich zum Beckenrand und will mich angehen.
Die eigentümliche Mischung aus Absenz und Aggressivität, die mir von den Traumschläfern entgegenschlägt, sorgt dafür, dass ich mich mit einem Gefühl höchster Unzufriedenheit auch aus diesem Traum zurückziehe.
Ich verstehe nicht ganz, was hier geschehen ist; ich muss wohl die benutzten Affirmationen überdenken – sie scheinen mich bei diesem Experimenten in irgendeiner Weise fehlzuleiten. Alfred Ballabene jedenfalls empfiehlt, solche Versuche mit dem innigen Wunsch nach Kontakt und dem Verströmen von Liebe zu verbinden – insbesondere Letzteres muss womöglich intensiviert werden, um derartige Pleiten zukünftig zu vermeiden.

Absturz eines Angebers

Zwar bin ich dadurch von meinem aktuellen Projekt abgeirrt, doch hat sich so immerhin das erste Mal seit Längerem ein Erlebnis ergeben, das ich auch in menschliche Worte fassen kann.
Bei einer Art Fortbildung (?) halte ich mich in einem Turnhallenkomplex von gewaltigen Ausmaßen auf. Mit einem Gefühl der Eile muss ich die große Haupthalle erreichen und rase zu diesem Zweck einen weitläufigen Treppenaufgang hinunter. Nun muss ich noch eine kleinere Übungshalle durchqueren, gerate hier ins Fliegen und werde hierdurch bewusst.
Unter der Hallendecke entlanggleitend will ich die – wie alle Turnhallen dieses Komplexes – mit Holzbrettern verschalte Wand einfach durchfliegen mit dem Ziel, die Wirklichkeitsdimension zu wechseln und mein derzeitiges Projekt aufzunehmen.
Das Passieren der Wand gelingt jedoch nicht, sie bleibt fest.
Kurzentschlossen lasse ich mich nach unten sinken, öffne die Hallentür und fliege in die große Halle dahinter, die in der unbewussten Astralreise zuvor mein Ziel gewesen war. Merkwürdigerweise lässt mich diese Entscheidung mein Vorhaben aus dem Blick verlieren, indem sich wohl so etwas wie eine leichte Bewusstseinstrübung einstellt, die das weitere Erleben etwas weniger tagbewusst, etwas stärker von Traumelementen durchwirkt erscheinen lässt.
Von der puren Lust erfasst fliege ich in der großen Halle rasant über den Grüppchen von Turnenden hinweg, so schwungvoll, dass es mir mulmig wird.
Nahe der Hallenmitte gehe ich schließlich herunter und treffe dort auf Sportlehrer L.; der meint, ich wolle ihn mit meiner Flugvorführung wohl beeindrucken, was mir bei einem der Sportlehrer, mit denen ich in der Oberstufe zu tun hatte, freilich mit keiner Übung jemals gelingen könnte.
An den Wochenenden betätige er sich als Freikletterer, gibt er mir mit dem Unterton zu verstehen, dass das nämlich wirklich etwas sei!
Anschließend hängt er sich einfach an mich dran und lässt sich von mir im Flug zum kürzeren Hallenende mitnehmen, wo in der rechten Hallenecke anstelle der üblichen Sprossenwand eine aus Sandsteinfelsen geformte Kletterwand aufragt!
Behände hechtet er die Kletterwand hoch, springt in einem beeindruckenden Satz, zu dem ich ihm nur gratulieren kann, von der obersten Plattform auf einen einige Meter entfernten Felsvorsprung zu seiner Rechten und von dort aus auf eine Felsnase an der linken Wand. Die Nase hält jedoch nicht; Zement bröckelt und der Sportlehrer stürzt zum Hallenboden und die Felsnase kommt auf ihm zu liegen! Unsinnigerweise komme ich mir in diesem Moment schuldig an dieser Misere vor, war ich es doch, der ihn zu seiner Angeberei „verführt“ hatte?!
Zwar ist L. nichts Ernsthaftes zugestoßen (das passiert in der Astralwelt ohnehin im Grunde nie). Dennoch will ich mich engagiert zeigen und halte daher einen zweiten, sehr lockeren und absturzgefährdeten Felsen, ein langes, flaches Gebilde aus rotem Sandstein, fest, bis ich ihn unter Ankündigung kontrolliert abstürzen lasse.
Lehrer L. scheint mir indes den Vorfall wirklich übel zu nehmen (als sei er tatsächlich meine Schuld!). Er sitzt finstere Blicke werfend unten auf dem Hallenboden. Und so entschließe ich mich zu handeln. Ich kreise über ihm, spreche in grottefalschem Latein, das mir gerade so in den Sinn kommt, einen Zauber über ihn, mit dem ich ihn alles vergessen lassen will. Als ich den Zauber zwei- bis dreimal wiederholt habe, wandelt sich L. in ein gelbes, missmutig dreinblickendes Legofigürchen (!) mit weißem Plastikbart, das am Ende des Zaubers gänzlich in der Grasnarbe versinkt, die unvermittelt am Hallenboden aufgetaucht ist. Als ich mich gerade frage, ob mein Zauber etwa gewirkt hat, erwache ich.
Leider habe ich mein eigentliches „Arbeitsziel“ schon bei der erfolglosen Wandpassage aus dem Blick verloren. Wohl war das Ganze den abendlichen Meditationsinhalten geschuldet. Sowohl diesen Abend kurz und dann am Morgen länger anhaltend habe ich beim konzentrierten Einschlafen Flugbewegungen im Schwimmmodus imaginiert, die sich dann auf die Traumebene übertragen haben.