Der mythische Wolf beim alten Friedhof

Auf einem von vielen Menschengruppen bevölkerten Wiesengelände, das eine eigentümliche Mischung aus Freifläche und Halle darstellt, fliege ich unter einer Art niedrigen Unterführung hindurch und passiere dabei eine beeindruckende Gruppe junger Afrikanerinnen in traditioneller Gewandung und Chinesen mit roten Strohhüten. Im Flug erlange ich allmählich Klarheit.
„Da bin ich wieder!“, bestätige ich mir selbst und denke daran, Mayfield zu sprechen, ohne dass dieser Gedanke weitere Konsequenzen hätte. Seine Präsenz stellt sich nicht ein.
Ohnehin bin ich von der Umgebung so fasziniert, dass ich sie gern näher erkunden möchte. Links in einer alten Bretterverschalung aus dunklem, verwittertem Holz entdecke ich zwei große freie Astlöcher. Ich fliege näher heran und sehe, was sich jenseits der Wand befindet. Gleich dahinter blicke ich auf die Oberseite eines pipelineartigen rostigen Rohres; dahinter erstreckt sich ein breiter Wiesenstreifen mit hoch aufgeschossenen Kräutern und Gräsern; sie sind trocken und sonnenbeschienen unter dem sommerlich blauen Himmel. Hinter dem Wiesenstreifen erstreckt sich ein uraltes Friedhofsgelände; hohe Grabkreuze aus Sandstein ragen zwischen alten Bäumen auf; triumphbogenähnliche Bauwerke aus rotem Sandstein stehen parallel zu meiner Blickrichtung auf dem imposanten Gelände. Sofort beschließe ich, dieses Gebiet eingehender zu untersuchen. So klettere ich über den schmalen Metallrahmen eines plötzlich aufgetauchten Fensters und steige über der Kräuterwiese in die Höhe.
Zu meiner Linken erscheint ein weißes Tier, das ich zunächst für eine Art Einhorn halte. Davon lasse ich mich aber nicht ablenken, sondern halte auf den alten Friedhof zu, der als Streifen direkt auf dem Rand einer Anhöhe liegt. Man hat einen weiten Blick auf die sommerliche Rheinebene. Gerade will von der schmalen Seite her in das Grabmalgelände einfliegen, als sich das weiße Tier, das ich jetzt ganz klar als Wolf erkennen lässt, unter mir hektisch einen Weg zu mir herüber bahnt. Das Tier springt auf und ab und macht Anstalten, als wolle es mir unbedingt etwas mitteilen bzw. mich warnen. Ich gehe zwar runter, fühle mich aber nach wie vor völlig unbesorgt; ich bin mir gewiss, dass mir hier nichts geschehen kann. So fliege ich rückwärts in das dämmrige Gebiet zwischen den Bäumen und Grabmalen ein, verschwinde dann total in grauer Dunkelheit und finde mich sodann erwacht im Schlafzimmer wieder. Das Erlebnis endet um 7:22 Uhr. Womöglich wäre es besser gewesen, auf den Wolf zuzugehen und ihn anzuhören. Vielleicht war es ja auch ein Bote von Mayfield, den ich nun verpasst habe.

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