Diana

Am fortgeschrittenen Nachmittag mache ich mich mit M. auf den Weg, einen Berg an der Haardt zu ersteigen. Ich bin zu Fuß unterwegs, M. jedoch eilt mir, zeitweise das Vorderrad hochreißend und auf dem Hinterrad fahrend, auf einem Mountainbike den Asphaltweg voraus und ist bald nicht mehr zu sehen.
Ich indes kehre in eine Art Bergstation am Fuß des Gebirges ein, denn scheinbar muss man für das Gipfellokal mindestens 5 € berappen.
Im Inneren des Gebäudes stehe ich schließlich an einer Glasscheibe und blicke in den davorliegenden Flur.
Da fällt mir eine junge blonde Frau auf. Ich blicke sie an, sie erwidert den Blick, tritt näher, so nah, dass sie ihr mit kleinen Mitessern besetztes Knollennäschen fast an der Scheibe platt drückt. Durch die Scheibe hindurch fragt sie wortlos (reine Telepathie), ob wir uns kennenlernen wollten.
„Warum nicht?“, gebe ich zurück und komme um die Scheibe herum nach draußen auf den Gang zu ihr.
Zusammen gehen wir den Flur entlang; er ist schmal, so dass ich hinter ihr gehen muss.
Dabei fällt mir ihr kindlicher Körperbau auf, den ich, wie mit einem Röntgenblick, durch ihre Kleidung hindurch klar bis auf die Einzelheiten der Haut erkennen kann. Ihrem Körper fehlen noch die weiblichen Rundungen und kurz wundere ich mich darüber. Im der Astralwelt ist es jedoch normal, dass Körper nicht immer der physischen Form perfekt entsprechen, manchmal sind sie rudimentär entwickelt, gelegentlich wirkt man jünger als man in der physischen Realität ist.
Im Vorraum umarmen und drücken wir uns. Nebenbei überprüfe ich kurz mein eigenes physisches Erscheinungsbild, indem ich an mir herunterblicke. Dort sehe ich meinen normalen Körper; Beine in dunkelblauen Jeans, meine neuen Turnschuhe.
Alsdann meint sie kurzangebunden, jetzt hätte auch sie einen Mann. Und es klingt ein bisschen so, als hätte sie eine Weile lang Ausschau gehalten und sich nun ganz spontan entschieden. Wie meine allererste Freundin scheint sie diesbezüglich offenbar von der ganz schnellen Truppe zu sein.
Während wir uns zu einem Sofa begeben, will ich überhaupt erst einmal ihren Namen erfahren.
„Diana“, antwortet sie und eher wirr als schlagfertig vergreife mich gleich mit einer von Halbwissen diktierten Replik:
„Wie die griechische Liebesgöttin!“
Auf dem Sofa kuschelnd möchte ich sodann noch herausfinden, wie alt meine Gespielin denn nun eigentlich ist.
Es kommt unverwandt heraus, dass sie erst 16 ist, was mir ein wenig zu denken gibt.
Schließlich begeben wir uns nach draußen und laufen die Betontreppe vor dem Gebäude herunter.
Von ihrem geringen Alter etwas irritiert interessiert es mich, was sie wohl in mir sieht, und frage sie, wie alt sie mich schätze.
„39“, antwortet sie wie aus der Pistole geschossen. Es scheint ihr also völlig klar zu sein, dass sie hier mit jemandem anbandeln möchte, der mehr als 20 Jahre älter ist als sie!
„Das Doppelte von dir ist richtig: 38“, gebe ich zurück. „Ich habe genau heute Geburtstag.“
Nach einigen Schritten, die wir, Arm in Arm, unter dem blauen Himmel nach links von der Treppe ab weitergehen, erfolgt das Erwachen. Traumende kurz nach 5 Uhr.
Erst im Nachhinein fällt mir auf, dass ich bei diesem „Traumdate“ nur Quatsch von mir gegeben hatte: 16 plus 16 gleich 38! Und Diana als Liebes- und nicht als Jagdgöttin! Immerhin war mein Gegenüber so jung, dass es das wohl gar nicht bemerkt und gar nicht so sehr auf die Worte geachtet hat.
Jedenfalls war es ein bemerkenswertes Erlebnis mit nach und nach ansteigender Luzidität. Interessant ist auch, dass diese Erfahrung eine quasi unmittelbare Antwort auf mein gerade gestern Abend nochmals überdachtes Vorhaben war, die Astralwelt nach meiner Wesensverwandten auszukundschaften.