Zukunft und Vergangenheit

In einem lebhaften Traum irre ich mit meiner zweiten Schulklasse auf einem fremden Schulgelände herum und suche die überall versprengten Kinder zusammen. Irgendwann finde ich mich dabei auf einer abendlich dunklen Wiese wieder, auf der erwachsene Personen meine Suche stören, ohne dass ich erahne, warum sie sich so verhalten. Einer magischen Eingebung folgend pflücke ich auf dem hinteren Teil des Wiese Kräuter und stelle einen Kräuterbusch zusammen in der Überzeugung, dies würde das störende Treiben beenden, genauso wie nach der Vorstellung der volkstümlichen Magie das Sammeln bestimmter Kräuter die Hexen banne und ihren Sabbat beende. Bemerkenswerterweise klappt es tatsächlich. Befreit von den Störenfrieden gehe ich mit den Kindern los über ein weites, nunmehr in morgendlichem Licht liegendes Wiesengelände, das östlich in das Haardtgebirge übergeht. Im Lauf erkenne ich den Traum, löse mich von ihm und fliege in eine unbestimmte helle Void hinein, in der ich mich durch seitliches Rollen in den OBE-Zustand versetze. Dabei stellt sich das Gefühl ein, nach links über die Bettmatratze zu rollen und über deren Rand aus dem Bett zu gleiten. Links neben dem Bett lande ich auf den Füßen und stelle verwundert fest, dass ich zwergenhaft klein bin. Ich reiche gerade mal bis zur Bettkante. Allerdings verschwende ich mit dieser Eigenartigkeit keine Zeit, sondern verlasse umgehend das Schlafzimmer. Auf dem Flur treffe ich auf ein Fenster, durch das ich ein seltsames, oben am blauen Himmel schwebendes Objekt entdecke: es handelt sich um eine weiße Kugel mit einem freischwebenden manschettenartigen Ring außen herum. Beim Durchfliegen der Fensterscheibe macht es den Eindruck, als würde dieses Flugobjekt, wie durch einen Brechungseffekt im Glas, nach oben hin weggekippt. Als ich draußen bin, ist es verschwunden.
Nun stehe ich auf dem Hof und beschließe, jetzt eben diese Umgebung zu untersuchen. Ich hebe ab und fliege auf das Dach des Gebäudes, wo ich im Kies des Flachdaches ein schwarzes Gebilde entdecke, das wie ein auf dem Dach installierter Tank aussieht. Viele schwarze Kunststoffschläuche sind dem Tank aufgesetzt und verbinden sich in komplexer Weise. Auch gibt es mindestens zwei große Messanzeigen mit Skalen und Zeigern. Die Funktion dieser Einrichtung erschließt sich mir nicht, doch meine ich, eine futuristische Heizungsanlage für mein Wohnhaus darin zu erblicken und vermute daher, dass mich diese Astralreise einige Jahrzehnte in die Zukunft versetzt habe. Mich Richtung Süden über das Dach weiterbewegend gelange ich auf ein zweites, etwas niedrigeres Flachdach, über welches ich in einem Rechtsschwenk nach unten in meinen Garten im Osten des Gebäudes gerate. Dort sieht alles gealtert und etwas verwittert aus, als wären tatsächlich Jahre vergangen. In den Blumenkästen links im Garten findet sich an der Seite nur noch eine kümmerliche Erdbeerpflanze. Daneben stecken ein getrockneter Fisch und ein ausgeblichener Krebs (!) mit dem Kopf voran in der Blumenerde. Da es sich definitiv um meinen Garten handelt, meine ich, dass es sich bei diesem merkwürdigen Arrangement um eines meiner zukünftigen Experimente handeln müsse, dessen Sinn und Ziel sich mir jedoch heute noch nicht erschließt. Durch eine verwitterte dunkle Holztür mit Glaseinsatz und abblätternder Holzlasur will ich in das Haus zurückkehren. Anstatt die geschlossene Tür zu durchfliegen, möchte ich sie aufschließen. Schließlich besitze ich ja als Eigentümer des Hauses auch die Schlüssel. Beim Versuch, die Tür zu öffnen, spüre ich jedoch schnell, wie ich den Anschluss an die Szenerie verliere und erwache.
Obgleich nicht viel geschehen ist, vermittelt mir diese Astralwanderung ein gutes, ein äußerst positives Gefühl, als hätten hier Zukunft und Vergangenheit in einem lichten Moment voller Erinnerungen an vergangene und zukünftige Sommer zusammengefunden.
Erst nach dem Erwachen wird mir völlig klar, wie sehr sich die Gegebenheiten des Hauses in der anderen Wirklichkeit von denen in der Wachrealität unterscheiden: mein Haus besitzt kein Flachdach und wird auch in Zukunft ganz sicher keines besitzen; gartenseitige Holztüren, ob verwittert oder nicht, existieren ebenfalls nicht. Alles ist anders und eigentlich fremd, kam mir aber dennoch absolut bekannt vor.

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