Nachträge

Im Spanienurlaub und in den Tagen davor mangelte es mir an Zeit, mein astrales Tagebuch zu tippen. Daher nun eine Reihe von Einträgen auf einen Schlag.

14.04.2019: Nachdem ich ab 4:30 Uhr FM angewendet hatte, ärgere ich mich über Stunden mit gewöhnlichen Traumzuständen herum. Schließlich fühle ich mich innerhalb eines präluziden Traumes frustriert, dass ich keine Luzidwerdung zustande bekomme. Vom Westeingang meiner ehemaligen Realschule aus laufe ich ins Innere des Gebäudes und schaue mich dort um. Dabei argumentiere ich mit mir selbst, dass ich sonst oft luzid werde, wenn ich meine Umgebung genau betrachte und intensiv begutachte. Doch scheint nichts dergleichen zu geschehen. In der Nähe des östlichen Eingangs schaue ich mich erneut genau um. Alles scheint, bis auf geringfügige Abweichungen, genauso auszusehen wie in der Realität. In den Raum zurücklaufend führe ich einen Zeigefingertest durch, der negativ ausfällt, wobei im selben Augenblick Jo. aus westlicher Richtung auf mich zukommt. Sie schaut in Richtung Osteingang an mir vorbei, weist mich aber telepathisch auf den Atemtest hin und führt diesen auch durch. Ich tue es ihr sogleich nach und stelle fest, dass dieser Realitätstest zu einem anderen Ergebnis kommt als der Zeigefingertest! Ich kann durch die zugekniffene Nase problemlos aus- und einatmen (während der ZT immer noch nicht funktioniert!) und werde sofort völlig luzid. Umgehend will ich eine Translation zu einem schönen, ruhigen Naturort vornehmen. Doch ich laufe und laufe, bis ich mich zeitweise schnell bis zu einem leichten Schwindelgefühl um die eigene Achse drehe, woraufhin ich bewusst wieder in einen etwas kontrollierteren Gang zurückfinde. Aber nichts geschieht; es bleibt eine von grauen, durch meine Drehbewegung verschmierten Lichtstreifen durchzogene Dunkelheit vor meinen Augen. Es tritt keine Veränderung ein. Schließlich schere ich weit nach rechts (in Richtung des Osteingangs aus) und spüre nach wie vor die feinen Kieselsteine des Betonbodens unter meinen Füßen. Ich habe also definitiv keinen Wechsel vollzogen. Optisch bekomme ich keinen Blick mehr auf die Szenerie. Stattdessen erwache ich. Es ist 7:49 Uhr.
Durch die meine ablenkenden Versuche und Aktivitäten konnte ich den relativ kurzen Klarheitsmoment nicht in meinem Sinne nutzen. Auch muss ich mich wieder darauf zurückbesinnen, die gewöhnlichen Träume als trügerisch und uninteressant zu ignorieren, sonst nehmen sie zu viel Platz in der Erinnerung ein und gewinnen mehr Macht, als sie ohnehin schon besitzen.

20.04.2019: Auf der nächtlichen Reise nach Platja d´Aro (bei Girona) schlafe ich nur kurzfristig und wenig tief im Sitzen ein. Dennoch erhalte ich in einer Traumsequenz einen sehr deutlichen Einblick in die „Sphäre des falschen Heiligen Geistes“ (wie dies die Hermetiker und Mystiker nennen). Aus einem mir vor einem dunklen Hintergrund direkt vor die Augen gehaltenen Buch, das ich intuitiv Hans Küng zuordne, liest mir eine Stimme die ersten Zeilen eines Kapitels in einem getragenen liturgisch anmutenden Singsang vor; der Vortrag kommt mir irgendwie unheimlich und befremdlich vor, doch halte ich die Audition bewusst eine Weile lang aufrecht. Inhaltlich kann ich allerdings nicht sehr viel Sinnvolles mitnehmen – nur das Wort „imaginieren“ bleibt mir klar in Erinnerung. Interessant ist das Erlebnis insofern, als diese „Sphäre des Truges“ unter den Kundigen sehr gefürchtet ist, da sie, für diejenigen, die sich auf ihre Offenbarungen einlassen und sie als Erkenntnisse aus einer höheren Wirklichkeit begreifen, zu einer Verführung zu allmöglichen religiösen und ideologischen Irrwegen werden kann.

22.04.2019: Auch hier komme ich, wie das im gewöhnlichen Traum kaum zu vermeiden ist, mit der „Sphäre der Trugbilder“ in Berührung. Ich träume, auf einer Veranstaltung irgendwelcher bibeltreuer Christen zu sein. Sie findet auf einem großen Sportplatz statt und es werden biblische Verse vorgetragen. Die Veranstaltung läuft etwas chaotisch, denn unter den Veranstaltern weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut: Einer der Mitveranstalter weist mich an, zu der Person, die die Rezitationen vornimmt, hinüberzugehen und sie um die Liste der vorgebrachten Bibelstellen und deren Reihenfolge zu bitten. Ich gehe um die Platz herum, erhalte von dem älteren Herrn (der mich rein äußerlich an den verstorbenen Schriftsteller Ottfried Preußler erinnert) eine Kopie der Auflistung und bringe sie dem anderen Herrn zurück. Der aber ist mit dem Papier nicht zufrieden, weil die Liste nur die Bibelstellen, nicht aber deren konkreten Textinhalt ausweist, sodass man sie hier erst noch einmal umständlich in der Bibel nachschlagen muss. In einer dieser angeblichen, von „Ottfried Preußler“ ausdrucksstark vorgetragenen Stellen aus dem Neuen Testament soll sich Paulus mit einem „Okkulisten Mumsku“ befasst haben, der behauptet habe, sich zum Regenerieren zu den Sternen zurückgezogen zu haben, worauf Paulus erwidert habe, dass man zum Regenerieren einfach schlafen müsse. Freilich gibt es weder in den Paulusbriefen noch in der Apostelgeschichte einen Hinweis auf einen solchen Okkultisten und eine derartige Praxis; es sind also trügerische Informationen.
In einem nächsten, sehr lebhaften Traumabschnitt desselben Morgens beobachte ich einige bezeichnende Vorgänge im Reich eines nicht namentlich benennbaren Alleinherrschers, der einer besonderen Art der religiösen Diktatur vorsteht. In seinem Reich sind die Nonnen eines medizinischen Ordens (erkennbar an einem großen roten Kreuz am Kopfteil ihres Ordensgewandes) so „abgerichtet“, dass sie willkürlich für die Bevölkerung sprechen dürfen. Bei einer Veranstaltung zu Ehren des Diktators müssen sich viele Menschen in einer großen Halle versammeln, wo sie in Reih und Glied vor einer Bühne Aufstellung nehmen müssen, auf welcher der Potentat auf einem mit Leuchtgirlanden verzierten Thron (!) Platz genommen hat. Vorne wuseln Nonnen in ihren grauen Gewändern mit den roten Kreuzen herum.
In der hinteren Reihe stehen eine Menge junger moderner Frauen etwa Mitte zwanzig im Glied. Eine Frau gleichen Alters geht durch die Reihe und erteilt eine Art Segen, indem sie aus einer Pipette eine Flüssigkeit in das rechte Auge der übrigen Frauen träufelt. Am linken Rand der Reihe hält sie jedoch inne, pickt sich die dort stehende Frau heraus und tadelt sie, dass sie sich nicht korrekt anzuziehen vermöge. Die junge Frau muss vor allen anderen ihren Pullover ausziehen und ihren BH richten, weil sie angeblich zu viel Brust zeige. Zu allem Überdruss zieht sich die Dame, die die Ermahnung ausgesprochen hat, nun auch noch selbst aus, um der anderen zu zeigen, wie es richtig zu gehen habe! Besonders auffällig ist, dass die bereits gesegneten Frauen sogar noch weit nachlässiger gekleidet sind als diejenige, die vor aller Öffentlichkeit gedemütigt wird! Das gesamte Verfahren ist also reine Willkür. Und dem nicht genug: Obwohl die gemaßregelte Frau ihre Anklägerin anfleht, schnappt diese sie im Genick, führt sie durch die Reihe in den Mittelgang und zwingt die jetzt angsterfüllte Frau in eine Verbeugung vor dem weit vorne auf dem Thron dunkel im gleißenden Girlandenlicht sitzenden Herrscher.
In diesem Moment habe ich genug von diesen entwürdigenden Praktiken gesehen und fliege, auf einmal machtbewusst, nach vorne zur Bühne. Dort fliege ich linker Hand vorbei durch eine Tür in den eigentlich dem Diktator vorbehaltenen Backstagebereich, der sich mir jedoch plötzlich als ein weites und unberührtes Sumpf-, Schilf- und Grasland unter einem grau überzogenen Himmel präsentiert. Dort fliege ich präluzid über einem dunklen Tümpel meine Kreise über der durchaus herrlichen Naturlandschaft. Dabei fühle ich mich unangreifbar und fantasiere anbei, in Libyen geboren zu sein, jedoch dem Herrschaftsapparat des Diktators von Anfang an entzogen gewesen zu sein, da noch nicht einmal ein Geburtsschein von meinem Dasein in dessen Land zeugt … Es ist kurz nach 7 Uhr, als ich aus diesem wenngleich nur präluziden, aber dennoch höchst bemerkenswerten und kuriosen Traum erwache.

24.04.2019: Ein seltsamer, sogleich als falsch erkannter Impuls bringt mich in einem Traum dazu, auf der Autobahn zu wenden! Um Schlimmeres zu verhindern fahre ich schnell ganz rechts auf einen breiten Grünstreifen neben einer Autobahnausfahrt und mag gar nicht daran denken, was für Ärger es bedeutet, bei diesem Manöver von einer Polizeistreife erwischt zu werden! Von hier aus verschaffe ich mir einen Überblick und wende rasch erneut, was ohne Zwischenfälle glückt. Statt weiterzufahren nehme ich sofort die nächste, mir unbekannte Ausfahrt, von der ich aber vermute, dass sie mich in die gleiche Richtung (Richtung Bad Dürkheim) bringen müsste. Die Ausfahrt bringt mich auf eine Hochstraße, die immer schmaler wird, bis ich schließlich mit einem Fahrrad (das Auto ist unmerklich aus der Szenerie verschwunden) auf einem schmalen Betongrat mit Fahrbahnmarkierungen (!) hoch in der Luft unterwegs bin. Mehr und mehr Luzidität baut sich auf. Ein mittiges Fahrbahngeländer biegt sich vor mir nach links und leitet mich so automatisch über den Rand des schmalen Grates in eine undefinierbare, weiße und neblige Tiefe. Ich werde luzid, kann aber dennoch das Gefühl der Höhenangst nicht sofort überwinden; da mir die letzte Entschlossenheit fehlt, erwache ich und verpasse die Gelegenheit zu einem ausgedehnteren Astralerlebnis.

Trug

Ich werde in einem grün gekachelten Waschraum luzid. Zuvor träume ich von einem Mädchen, F. bzw. Z. nicht unähnlich, das an einer Zeremonie teilgenommen hat, ohne dabei die erhofften mystischen Erfahrungen zu erlangen. Eine Verwandte will dem enttäuschten Kind klar machen, dass es Geduld und Offenheit brauche. Auch ich verspüre den Impuls, zu helfen, sage irgendwas und werde fast zeitgleich, beim Blick in einen Nachbarraum, vollluzid.
Ich versuche eine Translation zum „Kern der Sonne“, eine Idee, die mir infolge eines unluziden Traums letzten Mittwochmorgen gekommen ist. Das funktioniert allerdings überhaupt nicht wie erhofft.
Ich lande in einer nächtlichen Umgebung; vereinzelte Sterne blinken an einem dunkelblauen Himmel. Ich scheine mich in einer Art Industriegebiet zu befinden. Von einer betonierten Fläche hebe ich ab und erkenne, dass sich vor der Betonplattform ein Gewässer erstreckt. Auf dem Wellenkämmen des bräunlich-grünlichen Wassers laufend beginne ich eine weitere Translation, die mich in sonnige Gefilde bringen soll.
Die zweite Translation klappt, allerdings wiederum anders als erwartet.
Ich komme in einem großen, von gelb-orangen Licht erhellten Raum voller kleiner Kinder heraus; ich bin in einer Kindergartengruppe mit dunkel- und hellhäutigen Kindern gelandet. Die Kinder zeigen große Begeisterung und Interesse an mir, doch will ich schnell weiter.
Durch die kurzzeitig transparent werdende Decke sehe seitlich nach links versetzt in der Höhe eine gelbe Sonnenscheibe am Himmel. Teilweise habe ich mein Ziel also erreicht. Ich durchfliege eine Fensterscheibe vor mir und gewahre die schon zuvor spürbare Fremdartigkeit dieser Umgebung. Der Himmel ist gelb, die gesamte Umgebung von der Sonne in ein gelb-orangefarbenes Licht getaucht. Auch hier bin ich in einem Industriekomplex gelandet; dunkle Abgaswolken aus Fabrikschloten verfinstern teilweise den Himmel. Das ist das Gegenteil eines paradiesischen Sommerlandes; kurz fixiere ich im Flug diese Sonne, um von dort Kraft zu schöpfen, fühle aber, dass das in diesem Astralbereich wenig Sinn macht. Das ist nicht der richtige Platz.
Ein dritter Translationsversuch verfrachtet mich unweigerlich in mein Bett und ins volle Erwachen. Es ist 6:02 Uhr.
Im Rückblick auf das Erlebnis dämmert mir, dass es eine Überzahl an Astralbereichen und astralen Aktivitäten gibt, die – wie die weitaus meisten gewöhnlichen Träume! – die Aufmerksamkeit mit trügerischen Inhalten binden! Diese Erkenntnis erscheint mir umso bedeutsamer, je länger ich darüber nachdenke. Obwohl meine Schlafzeit diesen Samstagmorgen mehr als ausreichend war, fühle ich mich etwas müde und meine Verspannungen im unteren Rücken sind wieder deutlich spürbar.