Falsches Wachliegen

Mir träumt, dass mir mein Wecker Probleme bereitet. Die Ziffern flimmern auf dem Display, sie fallen aus und erscheinen wieder in chaotischer Weise. Es scheint, als würde das Gerät endgültig den Geist aufgeben. Dabei verspüre ich ein gewisses Gefühl der Dringlichkeit und des Missfallens, weil es so aussieht, als wäre es bereits 10 vor 7 und ich müsste gleich aufstehen. Ansonsten sieht alles im Raum aus, wie im gewöhnlichen morgendlichen Schlafzimmer, das von der angelehnten Schlafzimmertür her mit weißgrauem Morgenlicht dämmrig erleuchtet wird. Obwohl der Wecker wohl kaputt ist und wohl kaum ein korrektes Wecksignal mehr liefern wird, stelle ich ihn an seinen Platz und wälze mich dann auf die rechte Seite, um noch ein wenig zu ruhen.
In dieser Stellung werde ich bei geschlossenen Augen von einem Wesen angefallen, das ich als ein überdimensionales Raubtier, einen mächtigen Fuchs deute.
Dabei ist mir sofort klar, dass es sich um ein Phänomen des falschen Wachliegens handeln muss. Ich verspüre keine Angst, sondern drücke das Erlebnis willentlich weg und verscheuche auf diese Weise das Unwesen, um dann aber sofort eines Besseren zu besinnen. Lieber möchte ich die Erfahrung experimentell auskosten und denke mir: „Fall mich nochmal an!“, was auch umgehend eintritt! Das Wesen kehrt zurück und beißt mich in die linke Schulter, was mit einem Druckgefühl, aber nicht mit irgendeinem unangenehmen oder schmerzhaften Gefühl verbunden ist.
Zudem mache ich sogleich einen Zeigefingertest, um den Astralzustand abzusichern. Weil ich meine, bis zum Aufstehen nur noch ein paar Minuten zu haben, rolle ich mich eilends nach links aus und gleite fliegend durch das Arbeitszimmer, wo ich mich durch das linke Fenster drücke und in den morgendlichen Garten herunterplumpsen lasse.
Mit Blick auf die grün-gelben Grasbüschel vor mir überlege ich, zur Meditation anzusetzen. Dieser Gedanke wird aber sehr schnell durch einen anderen verdrängt: Im Sitzen am Boden lege ich die Fußsohlen so zusammen, dass sich die Pfeilform einer Art Zieleinrichtung bildet, und starte durch das Zurücklehnen des Oberkörpers zum Flug.
Diese „passive“ Flugtechnik ermöglicht eine unglaublich rasante Fortbewegung durch die Luft. Jäh aufsteigend und auf Dachhöhe einen Schlenker fliegend jage ich vorwärts durch eine majestätische, schwarzblaue, oben ins Blaue aufsteigende Dunkelheit, mache an deren Grenze einen Rechtsschwenk und sause in die Ausgangsrichtung zurück.
Schließlich fliege ich zurück ins Haus, dessen Inneres sich nun total gewandelt hat: Im relativ engen und holzgetäfelten Treppenschacht einer Wendeltreppe fliege ich in den recht schmalen Flur eines ebenfalls holzgetäfelten und von einem warmen Licht sacht erhellten Wohnbereichs ein. Dort sind als unsichtbare Präsenzen mein Bruder und ferner meine Mutter (?) anwesend. Mein Bruder wundert sich gegenüber der zweiten Person über meine eigentümliche Flugfähigkeit. Bei mir selbst ist immer noch der Zeitdruck, das Gefühl, gleich aufstehen zu müssen, virulent. Letztlich erwache ich.
Es ist 4:48 Uhr. Das Gefühl, die Nachtruhe sei gleich zu Ende, war also ebenso eine Täuschung aus dem Zustand des falschen Wachliegens wie die geschilderten Probleme mit dem Wecker.

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