Zeitvergeudung

In einem unterirdischen, fensterlosen Raum bin ich am Lehrerpult und überlege, was ich mit den Schülern machen soll. Es handelt sich um eine kleine Anzahl Abiturienten in der Prüfungsvorbereitung, die in dem stuhl- und tischlosen, völlig leeren Raum auf dem bloßen Betonboden lümmeln. Soll ich ihnen die Kapitel zur Sklaverei zu lesen aufgeben, die in dem großen Lehrbuch auf dem Pult, dem einzigen Einrichtungsgegenstand hier, zu finden sind? Oder haben sie das vielleicht schon behandelt? Unentschlossen fliege ich durch einen Durchgang in einen ebenfalls fenster- und einrichtungslosen Nebenraum zur Linken. Dort schwebe ich, die Unterrichtszeit im Grunde willentlich vergeudend und ohne irgendjemanden eine Arbeitsaufgabe zu stellen, über einem der mich beobachtenden Schüler nahe der Zimmerdecke, wo ich mich schließlich, mir erst den Hinterkopf anstoßend, rücklings hinlege, gerade so, als hätte ich mich auf den Grund eines Schwimmbeckens gelegt.

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