Ätherprojektion

In einem langen graubodigen Flur mit weißen Wänden öffne ich eine hellgrau lackierte Holztür zu einem Besprechungszimmer, um meine darin abgestellte Tasche zu holen. Drinnen stehen jede Menge Herren in Anzügen um die langen rechteckigen Besprechungstische versammelt und verbeugen sich gerade, als würden sie sich in einer japanischen Zeremonie vor dem neuen Tenno verneigen, vor der Wand zur Linken des Raumes.
Vor der Wand angekommen verbeuge ich mich dort ebenfalls, um nicht aufzufallen, unhöflich oder unangepasst zu erscheinen, und versuche zu überspielen, dass ich nicht im Geringsten weiß, um was es hier geht. Eine Männerstimme flüstert mir sogleich freundlich zu, dass ich eigentlich in einer Notenkonferenz erwartet werde. So verweise ich noch schnell auf meine Tasche, schnappe sie und verabschiede mich freundlich von der Versammlung, in der jetzt auch von einzelnen Personen Texte religiösen Inhalts rezitiert werden.
Draußen frage ich mich, welche Konferenz hier gemeint sein soll und komme zu dem Schluss, dass es sich um einen Irrtum handeln muss.
Ich gehe und bin recht schnell unter freiem, frühmorgendlich blauen Himmel. Östlich von mir sehe ich H.-J. oben bei seinem Haus; er winkt mir zu und deutet mir an, dass ich zu ihm kommen soll.
Ich mache mich auf den Weg und schwenke auf eine Straße ähnlich der Klingbachstraße in Ingenheim ein.
Auf dem Bordstein links der Straße entlanggleitend versperrt mir ein Haus mit einem roten Sandsteinturm mit steinernem Kuppeldach den Blick auf H.-J.s Haus.
Wenn ich daran vorbei bin, müsste es wieder in den Blick geraten.
Bäuchlings und tief über dem Gehweg gleite ich in einem schnellen Flug dahin, wobei sich die Sensation eines Kinderschulranzens direkt vor mir einstellt. Damit erkenne ich endgültig den Traum und führe zur Überprüfung einen erfolgreichen Zeigefingertest durch.
Umgehend rolle ich aus der Bauchlage nach rechts weg und falle über den rechten Rand meiner Matratze. Halb in der Rückenlage am Boden neben dem Bett schwebend will ich mich leicht aufrichten und blicke dabei in einen ausgeprägten, über links gedrehten Farbwirbel mit ringförmiger Mitte, einem schmalen, leicht nebeligen Lichtkranz mit dunklem Auge in der Mitte, in der Finsternis unmittelbar vor mir.
In dem Vorhaben, sofort in die Vertiefung durch Anhalten sämtlicher Traumaktivitäten zu gehen, lasse ich mich zurücksinken. Anbei spüre ich aber schnell, wie mir das Gespür für den nach wie vor in der Handfläche steckenden Zeigefinger schwindet, was den raschen Wechsel in die physische Realität markiert. Das Gefühl in den Händen und Armen driftet und das physische Körpergefühl stellt sich ein, auf der rechten Seite mit überkreuzten Armen zu liegen. Es ist 8:06 Uhr.
Dumm, wenn einem durch Experimentierlust und den Drang, die eigenen Vorhaben umzusetzen, der Anfängerfehler passiert, eine solche AKE oder Ätherprojektion nicht erst einmal gründlich zu stabilisieren.

Ätherprojektion

Ab 5:12 Uhr beginne ich die Konzentration auf FM. Irgendwann gehe ich im Haus die Wendeltreppe herunter. Dabei denke ich an eine Dokumentation über den FDP-Chef Christian Lindner, die ich die Tage gesehen habe, und bin gedanklich in der Situation eines ehemaligen Schulkameraden desselben, der interviewt wird. Schließlich schwinge ich mit einer Hand an der hölzernen Handlaufstange links an der Wand durch die Luft, wobei diese mich, mit der Metallbefestigung am unteren Treppenabsatz als Drehpunkt, gegen den Uhrzeigersinn schwerelos durch den Raum trägt, bis ich im EG links neben dem Kücheneingang wieder zu Boden komme. Die ganze Zeit über agiere ich im Halbdunkeln. Die Rollläden im EG sind offenbar geschlossen; das Licht eines bedeckten frühen Morgens kommt links durch den Glaseinsatz der Haustür und vom oberen Treppenabsatz her; der Raum erscheint recht leer. Ich habe den Eindruck, den Handlauf kaputt gemacht zu haben, da er durch die Operation in seiner Verankerung gedreht und so das Holz gespalten wurde. Tatsächlich sehe ich, dass am unteren Teil des Handlaufs Beschädigungen zu sehen sind, die wie Absplitterungen an einer dicken Bambusstange aussehen. Durch die schwerelose Aktion bin ich aber inzwischen bewusst geworden und kümmere mich nicht weiter um die Beschädigungen. Vom mittleren Teil der Wendeltreppe aus unternehme ich Flugversuche in den vor mir liegenden, nun völlig dunklen Raum hinein. Dabei fühle ich mich sehr physisch und muss mich bemühen, das Fliegen zu realisieren. Der Umraum fühlt sich dabei merkwürdig beengt an, sodass kaum Platz dazu zu sein scheint. Anbei ergibt sich ein Umgebungswechsel durch die dunkle Void hindurch. Nun fliege ich in dem großen Hobbywohnwagen, den meine Eltern früher besessen haben, etwas unterhalb der Oberschränke vor der Vitrine über der Heizung. Auch hier ist es halbdunkel wie am Morgen bei zugezogenen Rollläden. Ich entschließe mich, meinen schlafenden Körper aufzusuchen, um meine These zu testen, ob in einem körpernahen Zustand („Ätherprojektion“ in der esoterischen Diktion) die Heilenergien, mit denen ich derzeit experimentiere, besser und wirkungsvoller auf den physischen Körper kanalisiert werden können. Auf dem großen Bett im hinteren Teil des Wohnwagens finde ich meinen Körper links unter drei Weiteren. Er liegt wie die anderen regungslos mit dem Kopf zur Fensterseite; Details kann ich im Halbdunkeln nicht erkennen. Die Haare wirken in der Dunkelheit schwarz und das Gesicht erscheint unter den ungünstigen Lichtverhältnissen nur als weißer Fleck. Ich senke mich von oben herab, tauche dabei in eine körpernahe Dunkelheit ein, die mir für einen Moment vollends die Sicht nimmt, und bringe meine Handflächen auf das Bett nahe bzw. vielleicht etwas unterhalb der Liegeposition meines physischen Körpers. Dabei sehe ich jetzt vor mir das Wohnwagenfenster, durch dessen Gardinen gedämpftes, weißliches Laternenlicht (?) hereinfällt, wobei mein physischer Körper unterhalb im Dunkeln bleibt. Unterdessen suche ich die Wörter, die ich zur Fokussierung der Heilenergie des Universums gebraucht habe, was zunächst schwerfällt. Doch nach einigem Überlegen fallen sie mir wieder ein. Die Handflächen nahe des physischen Körpers abgelegt, spüre ich nach Ingangsetzen des Prozesses etwas, das ich als starken Energiefluss interpretiere, der sich auch optisch als ein gedämpftes farbiges Lichtphänomen zeigt, das einem grießeligen Bildschirmrauschen in etwa gleicht. Ich gewinne den Eindruck, dass das Experiment sehr gut funktioniert! Alsbald tauche ich jedoch in eine kurze dunkle Bewusstlosigkeit ab und erwache. Es ist 6:42 Uhr, als ich nach Abschluss meiner Notizen auf die Uhr schaue. Den möglichen Auswirkungen des Versuchs muss nun mit innerer Ruhe und abwartender Gelassenheit begegnet werden, da ich feststellen musste, dass eine allzu starke Fixierung auf Ergebnisse auch eher unangenehme Konsequenzen haben kann.

Schlafhüteraktivität

Die morgendliche Praxis in der ersten Nacht dieses Wochenendes führt zu einer Wiederholung der letzten Erfahrung: Erneut tritt ein falsches Erwachen in meinem alten Kinderzimmer ein. Ich richte meinen Oberkörper auf und spüre sehr physisch die Bettdecke, wie sie sich, schwer und wurstig verkrumpelt, vor meinen Bauch lagert; auch ein Zeigefingertest misslingt; ich spüre nur ein seltsames Gefühl in der Hand, das Durchdringen der Handfläche gelingt jedoch nicht. Daher erscheint es mir in der Situation sonnenklar, dass ich sehr physisch bin und kein Astralzustand vorliegt. Wieder sitze ich also einem Schlafhüter auf.

Ätherprojektion

In einer traumhaft abgewandelten Version meines ehemaligen Gymnasiums rase ich im Sauseschritt eine breite, dunkle Betontreppe hinunter und denke daran, wie sehr ich doch solche riesigen Gebäude liebe, deren weitläufige Innenräume so ungemein viel Platz und Bewegungsfreiheit bieten.
Als ich um den letzen Absatz herumgehe und in einen großen, kellerartigen Raum, einen grauen Betonbunker, einschwenke, überkommt mich der Traumverdacht. Ich überprüfe ihn mit einem prompt geliegenden Flugversuch.
Sogleich muss ich im Flug an meinen Paredros denken; ich habe das Bedürfnis, ihn zu sehen, bin mir aber unsicher, ob es mir in der gegebenen Situation glücken kann.
So fliege ich kurzzeitig weiter, um den Zustand zu stabilisieren, entsinne mich aber sogleich, dass dies häufig kein probates Mittel ist, sondern oft auch ins Gegenteil ausschlagen kann.
Umgehend bringe ich mich senkrecht herunter, erlebe aber eine Enttäuschung. Sobald ich den Boden berühre, knicken mir die Beine ein und ich spüre, wie ich physisch werde. Mit den Einsinken der Beine ereilt mich ein Sehverlust und ich versinke in Dunkelheit.
Eilig unternehme ich einen Rettungsversuch, in dem ich vorwärts wegfliegen will in ein unmittelbar auftauchendes, unscharfes Licht vor mir. Dabei vernehme ich den Vorwurf einer inneren (?) Stimme, dass sie, gemeint sind die Paredroi, mir seit Wochen nicht helfen (!). Es ist, als würde ein Beobachter meiner Entwicklung mit diesem Kommentar meine tatenlosen Helfer kritisieren wollen.
Derweil kämpfe ich weiter mit einem sehr zähen, fast gelähmten Flug, wobei ich insbesondere meine Beine nur mit extremer Kraftanstrengung ausstrecken kann, was das Fliegen äußerst mühsam macht. Nach kurzem Kampf werde ich schnell physisch. Mit angewinkelten Beinen liege ich auf der linken Seite. Vermutlich hatte ich es also mit einem Erlebnis im „Ätherkörper“ zu tun, einem Zustand sehr nah der Physis; der Sehverlust und die Dunkelheit sind ebenfalls Indizien dafür.
Es ist 6:25 Uhr; fünf Minuten später hätte mich ohnehin der Wecker aus dem Astralzustand gerissen.