Jupiter am Horizont

Ohne an diesem Morgen irgendwelche gezielten Bemühungen unternommen zu haben, ergab sich dennoch zumindest eine kurze Klartraumsequenz. Dabei gehe ich zunächst in einer nächtlichen Naturlandschaft einen Weg entlang. Es ist dunkel, als unternähme ich einen Nachtspaziergang in einer lampenlosen Umgebung.
Zu meiner Linken, hier offenbar die Ostrichtung, steigt in diesem Moment ein Planet über dem Horizont auf. Er zeigt sich als eine blassgelbe Scheibe von der Größe des Vollmondes, auf der Details seiner Atmosphäre (Bänderstrukturen sowie der „Große Rote Fleck“) zu sehen sind. Irdische Nachtwolken ziehen über die Scheibe hinweg und verdecken kurzzeitig Teile der nördlichen Hemisphäre.
„Der Jupiter!“, denke ich.
Und während ich weitergehe und die blasse Scheibe betrachte, fällt mir ein, dass ich diesen Planeten von der Erde aus und ohne Teleskop doch stets nur als einen hellen Stern am Nachthimmel, aber niemals als detailreiche Planetenscheibe wahrnehmen könnte.
In diesem Moment wird mir glasklar, dass ich mich in einem Traumzustand befinden muss.
Augenblicklich versuche ich geradewegs auf die Planetenscheibe zuzufliegen und den Gasriesen zu besuchen. Doch die an Einzelheiten zuvor so reiche Oberfläche wird schlagartig formärmer wie eine einfache Zeichnung mit braunen Strichen und einem blassroten Oval, die die atmosphärischen Bänder und den GRF sehr schematisch wiedergibt. Und selbst diese detailarme Wahrnehmung verschwindet im nächsten Augenblick total und zurück bleibt nur ein diffuses, schwach gräuliches Licht, das vom Horizont ausgeht.
Mir wird deutlich, dass ich hier nicht weiterkommen werde und breche meinen Flugversuch zum Jupiter ab. Strampelnd probiere ich, wieder auf den Erdboden und auf den Weg zurückzugelangen, um dann innerhalb der zuvor gegebenen Traumwirklichkeit einen Spaziergang, eine kleine Exkursion zu unternehmen.
Doch diese Bemühungen scheitern im Erwachen.