Das astrale Hotel

Ich träume, dass an einer Straßeneinmündung zur Konrad-Adenauer-Str. zwei ehemalige Schüler in meinen Wagen einsteigen; kaum geschehen werde ich von der Polizei kontrolliert, der es verdächtig erscheint, dass ich zwei offenbar nicht zu mir gehörige Kinder in meinem Auto mitnehme. Ich überlege schon, wie ich diese Situation erklären kann, als mir klar wird, mich in einem Traum zu befinden.
Sogleich schwinge ich mich auf und lasse die Situation einfach hinter mir, fliege hoch und lande in einem reinweißen Gebäudekomplex, dem obersten Stockwerk einer wahrhaft gigantomanischen Hotelanlage, die scheinbar völlig menschenleer ist! Über die weiße Brüstung fliege ich hinaus in die blaue Luft in schwindelerregender Höhe. Die Hotelanlage bildet ein gewaltiges U aus unvorstellbar vielstöckigen Gebäuden. Alles wirkt merkwürdig steril, weiß und unbehaust. In der Mitte der Anlage liegt ein riesiger Swimmingpool mit blauem Wasser. Sobald ich mich vom Gebäude abgestoßen habe, versagen rätselhafterweise meine Flugkünste und ich stürze rasant in die Tiefe, dem Poolwasser zu. Dabei wird mir umgehend bewusst, dass ich unweigerlich ins Erwachen übergleite.
Aufgewacht stelle ich fest, dass ich mich gar nicht wohlfühle; ich hoffe nur, dass ich nicht ernstlich krank werde – mal sehen, wie es sich über den Tag entwickelt.

Erleuchtung

Heute früh eine Erfahrung, die gar nicht richtig in Worte gefasst werden kann! Das spontane Erlebnis des Erleuchtungszustandes: Das Sehen und Spüren des inneren Lichtes, als würde, irgendwo von der Körpermitte ausgehend, reines weißes Licht den Astralkörper überfluten, was dann auch zu dem merkwürdigen Effekt führte, dass meine Augäpfel irgendwie von innen und unten, vom Hals her, von diesem hellen inneren Licht beleuchtet wurden!
An diese schnell ansteigende und kulminierende Strahlkraft knüpfte sich das überwältigende Gefühl der Wärme, Annahme und Zuneigung, gefolgt aber auch von der konträren Erkenntnis, dass es keine Konsequenzen dieser Erfahrung im alltäglichen Leben geben würde, da ich ihr, in die alltäglichen Zusammenhänge verstrickt, nicht gerecht werden könne und z.T. auch gar nicht gerecht werden möchte, weil die daraus erwachsenden Erfordernisse menschenunmöglich wären. In dem Sinne war es eine paradoxe Erfahrung, die sich trotzdem sehr danach anfühlte, als wäre meine jahrelange Meditationspraxis das erste Mal wirklich an ein Ziel gelangt!
Zusätzlich merkwürdig war, dass es zunächst gar nicht danach aussah, als würde mir selbst diese Erfahrung zuteil werden.
Stattdessen träumte ich, in der Rolle Martin Luthers zu sein und an dessen Stelle eine tiefe religiöse Erleuchtung zu erfahren. Schnell fiel diese traumhafte Überlagerung des Erlebens jedoch weg und die Erleuchtung wurde zu meiner ganz persönlichen.
Die seltsame Überlagerung geht auf jeden Fall darauf zurück, dass ich gestern Abend den TV-Film „Katharina Luther“ angeschaut hatte. Schließlich erlebte ich mich ja kurzzeitig in der Gestalt des in der Verfilmung agierenden Schauspielers!
Der Rest ist indes weniger leicht erklärlich und traf mich aus heiterem Himmel.

Der mythische Wolf beim alten Friedhof

Auf einem von vielen Menschengruppen bevölkerten Wiesengelände, das eine eigentümliche Mischung aus Freifläche und Halle darstellt, fliege ich unter einer Art niedrigen Unterführung hindurch und passiere dabei eine beeindruckende Gruppe junger Afrikanerinnen in traditioneller Gewandung und Chinesen mit roten Strohhüten. Im Flug erlange ich allmählich Klarheit.
„Da bin ich wieder!“, bestätige ich mir selbst und denke daran, Mayfield zu sprechen, ohne dass dieser Gedanke weitere Konsequenzen hätte. Seine Präsenz stellt sich nicht ein.
Ohnehin bin ich von der Umgebung so fasziniert, dass ich sie gern näher erkunden möchte. Links in einer alten Bretterverschalung aus dunklem, verwittertem Holz entdecke ich zwei große freie Astlöcher. Ich fliege näher heran und sehe, was sich jenseits der Wand befindet. Gleich dahinter blicke ich auf die Oberseite eines pipelineartigen rostigen Rohres; dahinter erstreckt sich ein breiter Wiesenstreifen mit hoch aufgeschossenen Kräutern und Gräsern; sie sind trocken und sonnenbeschienen unter dem sommerlich blauen Himmel. Hinter dem Wiesenstreifen erstreckt sich ein uraltes Friedhofsgelände; hohe Grabkreuze aus Sandstein ragen zwischen alten Bäumen auf; triumphbogenähnliche Bauwerke aus rotem Sandstein stehen parallel zu meiner Blickrichtung auf dem imposanten Gelände. Sofort beschließe ich, dieses Gebiet eingehender zu untersuchen. So klettere ich über den schmalen Metallrahmen eines plötzlich aufgetauchten Fensters und steige über der Kräuterwiese in die Höhe.
Zu meiner Linken erscheint ein weißes Tier, das ich zunächst für eine Art Einhorn halte. Davon lasse ich mich aber nicht ablenken, sondern halte auf den alten Friedhof zu, der als Streifen direkt auf dem Rand einer Anhöhe liegt. Man hat einen weiten Blick auf die sommerliche Rheinebene. Gerade will von der schmalen Seite her in das Grabmalgelände einfliegen, als sich das weiße Tier, das ich jetzt ganz klar als Wolf erkennen lässt, unter mir hektisch einen Weg zu mir herüber bahnt. Das Tier springt auf und ab und macht Anstalten, als wolle es mir unbedingt etwas mitteilen bzw. mich warnen. Ich gehe zwar runter, fühle mich aber nach wie vor völlig unbesorgt; ich bin mir gewiss, dass mir hier nichts geschehen kann. So fliege ich rückwärts in das dämmrige Gebiet zwischen den Bäumen und Grabmalen ein, verschwinde dann total in grauer Dunkelheit und finde mich sodann erwacht im Schlafzimmer wieder. Das Erlebnis endet um 7:22 Uhr. Womöglich wäre es besser gewesen, auf den Wolf zuzugehen und ihn anzuhören. Vielleicht war es ja auch ein Bote von Mayfield, den ich nun verpasst habe.

Zombie und Paredros

Im Inneren eines burgartigen Innenhofs oder Innenraums (quadratische Grundfläche, hoch aufragende fensterlose Wände aus grauem Stein mit relativ schmalen und niedrigen Zugängen) hebe ich luzid ab, drehe eine kurze Runde über die schmale Treppenflucht entlang der Wände und bringe mich dann zur Rechten meiner Begleiterin, einer dunkelrothaarigen Frau mit Sommersprossen, wieder herunter. Im Moment meiner Landung wandelt sich das Gesicht der Frau – ich betrachte es im Profil – schädelähnlich ab! Die Augen werden starr und unheimlich und sind blicklos geradeaus gerichtet; die Gesichtshaut beginnt wie über bei einer schwer abgemagerten Person über den hervortretenden Knochen zu spannen. Die irritierende Veränderung bringt mich dazu, mich abzuwenden und nach meinem Paredros „Mayfield“ zu rufen. Ich habe das Gefühl, dass es etwas zu besprechen gibt. Tatsächlich erscheint sofort sein Gesicht in meinem Blickfeld direkt vor meinen Augen: ein älterer Herr mit schwarzem, breitkrempigen Hut, gebräuntem Gesicht und einem Lächeln auf den Lippen. Unbedingt muss ich mit ihm etwas besprechen, was mich dieser Tage umtreibt. Seine Antworten haben mir dieses Wochenende schon sehr geholfen, die Dinge aus einer anderen Blickrichtung zu sehen und inneren Frieden zu finden.

Ritt in die Sonne und eine weitere OBE

Ich befinde mich auf einer Autofahrt und durchfahre irgendein hübsches Dorf in der Südpfalz, enge Straßen, sehr schmale Bürgersteige und gedrängte Bebauung mit gepflegtem Gesamteindruck.
Auf einem Schild mit mehreren Stadt- und Dorfnamen steht zuoberst Herxheim und eine Entfernungsangabe von 21 km. Beim Fokussieren der Aufschrift werde ich bewusstseinsklar und bemerke, dass ich denselben Traum wie gestern Nacht träume, und weiß daher im Vorhinein, was weiter geschehen wird. An einer Querstraße angekommen biege ich links in eine große Helligkeit wie von purem Sonnenlicht ab, wobei sich die begebene Szenerie gänzlich auflöst, matt und grau wird. Nun habe ich das Gefühl, Rad zu fahren und schwer in die Pedale zu treten, und versuche, mich voll auf dieses Gefühl einzulassen, um den Klartraum zu halten. Das physische Gefühl erstarkt indes. Noch innerhalb des Traumes führe ich einen RC durch, der bereits negativ auffällt. Es ist gegen 7:30 Uhr, als alles vorbei ist.
Anbei noch kursorisch der Anfang eines recht intimen Erlebnisses, das auf den Morgen des 11.02.17 (Ende 5:38 Uhr) datiert.
Diesmal komme ich ganz direkt astral zu Bewusstsein und kann mich in der Dunkelheit aus der liegenden Position herausdrehen und mich in der Nähe des Schlafzimmerfensters auf die Füße bringen. Zielstrebig und festen Schrittes, um die Zustandskontrolle und Stabilisierung zu sichern, gehe ich hinüber ins Arbeitszimmer und gewinne dabei schnell eine stabile Sehfähigkeit. Allerdings finde ich mich eben nicht in meinem Arbeitszimmer im OG wieder, sondern in einem etwas abgewandelten und weitgehend leeren Raum im EG. An den Verandafenstern ist der Rollladen heruntergelassen und als ich ihn hochziehe, blicke ich auf einen grell bunten Zirkuswagen; knalliges Geld und Rot unter dem hellen und weiß bedeckten Himmel stechen hervor. Bei einem zweiten Blick in den Garten hat sich die Situation geringfügig geändert. Dort sitzen nun zwei mir unbekannte grauköpfige Männer an einem runden Gartentisch (unbekannt, aber in dieser Traumwelt doch wie Verwandte bekannt!). Zugleich ist irgendwie auch ein jüngerer Mann im Raum zugegen, zu dem aber kein Kontakt zustande kommt. Überhaupt findet keine Interaktion mit den anwesenden Männern statt, da ich in diesem Traumzustand entgegen der beschriebenen Äußerlichkeiten stark erotisiert bin und mich daher anderen Dingen zuwende, die mich bis zum Ende dieses Klartraums beschäftigen …

OBE-Versuch

Ich fahre mit dem Auto durch die Unterführung Richtung Hetzelstift. Merkwürdigerweise ist mein Blick dabei auf den Boden neben dem Fahrzeug gerichtet. Unter anderem an dieser ungewöhnlichen Perspektive erkenne ich den Traumzustand. In einem rasanten Szenenwechsel fliege ich aufklarend und befreit in einem dunklen Hausaufgang aufwärts in die dunkle Void und vergegenwärtige mir dabei selbstbestätigend: „Ich bin klar!“. Umgehend möchte ich das luzide Traumerlebnis in eine „klassische“ außerkörperliche Erfahrung ummünzen. Dazu versuche ich, mich mit den Armen rudernd aus der gegebenen Traumszenerie „herauszuarbeiten“. Ich verbleibe zwar in der Dunkelheit, fühle mich aber in den Luftraum über meiner Matratze versetzt und trudele schließlich, mich überschlagend, links neben dem Bett im Zimmer herum. Für einen Moment glaube ich, es in eine OBE zu schaffen, doch blendet sich dann doch der physische Körper ein und das Erlebnis ist beendet. Der Wecker zeigt 8:46 Uhr.

Eine Bauchrednerpuppe

Seit Sommer habe ich mich darauf verlegt, tagsüber zu meditieren und die etwas mühsameren bewusstseinsverändernden Übungen in der Nacht bzw. am frühen Morgen sein zu lassen. Infolgedessen sind die Klarträume seltener bzw. so kurz geworden, dass sie wenig berichtenswert sind.
Erst heute Morgen gab es spontan ein etwas ausgedehnteres Erlebnis.
In einem leeren Haus, meinem eigenen verwandt, aber traumtypisch abgewandelt und verfremdet, werde ich luzid und gehe die Treppe nach unten.
Neugierig öffne ich die Tür zu einem Kellerraum, der aber stockdunkel und uninteressant ist. Ich wende mich ab und schaue mich im Untergeschoss um. Es ist leer. Die Lichtverhältnisse erwecken den Anschein, als würde draußen ein bedeckter Tag herrschen. Meine Sehfähigkeit ist sehr schwankend; immer wieder entgleite ich in die Dunkelheit, sodass ich mir mit traumstabilisierenden Techniken aushelfen muss. Schließlich entscheide ich mich, einfach durch die Zwischendecken des Hauses nach oben aufzusteigen.
Mühelos durchfliege ich Zimmerdecken und Fußböden und gelange ins Dachgeschoss, wo die Stabilisierungsübungen schließlich zu greifen beginnen und sich ein stabiler optischer Eindruck manifestiert. Kurz drücke ich mein Gesicht in einen schrägen Dachbalken; mein Gesichtsfeld verdunkelt sich. Als ich es wieder herausziehe, habe ich einen unveränderten Blick in das Dachzimmer. Die Stabilisierung hat also funktioniert.
In der Dachkammer stehen etwas wahllos Möbel herum. Es macht den Eindruck, als hätte ein Kind sein Puppenhaus eingerichtet.
Besonders seltsam erscheint mir eine Art Kreuzung aus Puppe und Kleinkind. Das Wesen steht mitten im Raum auf einem Stuhl und stützt sich mit beiden Händen auf die Rückenlehne. Ich greife es unter den Achseln und hebe es an. Es hat ein dickes, rundes Gesicht mit kleinen hellblauen Augen; Nase und Mund fehlen. Trotzdem spricht das Wesen zu mir – und zwar aus seinem Bauchnabel, der sich dabei wie ein Mund öffnet und schließt!
Was es mir sagen will, begreife ich nicht. Es scheint sich nur um wirres Zeug zu handeln, das ich nicht nachvollziehen kann.
Verwirrt blicke ich mich um; mein Blick fällt auf einen niedrigen Schrank mit in Leder gebundenen Büchern mit Goldschnitt. Kurz muss ich an die Annahme der Esoteriker denken, dass diese eigentümliche Welt die Existenzweise sei, in der wir uns nach dem Tod wiederfinden! Ein Gefühl der Fremdheit und Sinnleere überkommt mich angesichts dieses Gedankens, denn nichts besitzt hier Beständigkeit, Verbindlichkeit und Bedeutung. Hier gibt es nur, was man sich selbst erschafft, wofür man sich mit voller Bewusstheit entscheidet!
Vielleicht, so überlege ich, kann mir mein Paredros Mayfield bei der Frage helfen, wie ich mit der Seinsweise in der Anderwelt umgehen soll? Ich rufe ihn, spüre aber irgendwie, dass diese Kontaktaufnahme heute nicht mehr klappen wird. Denn unmittelbar auf meinen Ruf falle ich in die dunkle Void und erlebe einen sehr langsamen Übergang in mein Schlafzimmer.
Es ist 8:17 Uhr.

Der Gasthof

Während eines längeren Flugtraum, der u.a. an der Einmündung Stettiner- und Breslauer Str. in Neustadt spielt, werde ich, nachdem ich die Straße in südlicher Richtung entlanggeflogen war, vollluzid und fliege in nordwestlicher Richtung auf eine weite unbebaute Ebene hinaus. Die Sonne ist gerade untergegangen und der atmosphärische Glanz einer Abenddämmerung im hochsommerlichen August liegt über der Landschaft. Goldgelbe Stoppelfelder, von schmalen Grasstreifen getrennt, liegen tief unter mir im abendlichen Halbschatten. Im Brustschwimmstil treibe ich mich einigermaßen schnell voran, einem großen Gebäude zu, das bereits im Schatten liegend auf dem Ausläufer einer Anhöhe in der Ferne zu sehen ist. Ich überlege, ob ich das Gebäude noch erreichen kann oder ob ich landen soll, um die Landschaft unter mir zu erkunden. Was allerdings sollte es mitten auf dem Acker zu entdecken geben? So beschließe ich, mich weiter bis zu dem Gebäude, einer Art Schloss oder Burg, vorzuarbeiten.
Tatsächlich erreiche ich das Gebäude unerwartet zügig. Es stellt sich als Gasthof heraus, aus dessen hohen kassettenverglasten Fenstern einladend helles und warmes Licht nach draußen fällt. Durch eine Holztür mit Glaseinsatz, dem Stil nach genau den Fenstern entsprechend, betrete ich den Vorraum des Gasthauses, wo mir sofort ein Herr mit schwarzem Überwurf entgegen tritt. Mit seinem Hut, seiner Barttracht und der altertümlichen Kleidung sieht er wie eine Amtsperson des 17. Jahrhunderts aus, obgleich ich hier definitiv nicht in eine andere Zeit versetzt bin, da das Innere des Gasthauses offenkundig mit elektrischem Licht erhellt ist.
Höchst entgegenkommend und freundlich geht mir der Herr entgegen und offeriert mir umgehend eine Willkommensspeise. Ich wundere mich, ein Entree angeboten zu bekommen, ehe die Angebote und Preise in diesem Restaurant überhaupt geklärt sind. Wie sich herausstellt spricht er nur französisch und so radebreche ich mit Handzeichen und meinen wenigen erhaltenen Brocken Schulffranzösisch, um die Bezahlung zu klären.
Der Herr winkt nur lächelnd ab, auf eine Bezahlung scheint es in diesem Gasthof mitnichten anzukommen! Stattdessen öffnet sich die Tür zum Hauptraum und eine Platte mit Zitronensorbet wird herausgereicht. Ich habe mir gerade das schönste Sorbet herausgesucht, als ich erwache. Es ist 5:54 Uhr.

„Klarnacht“

Diese Nacht durfte ich ein seltenes und erstaunliches Phänomen erleben: die sogenannte „Klarnacht“, in welcher der luzide Traumzustand über mehrere Stunden hinweg nahezu mühelos stabil gehalten werden kann!
Zunächst begann diese Erfahrung bald nach dem abendlichen Einschlafen mit einem ganz normalen Klartraum mit diversen Flugübungen. So will ich im Inneren eines hohen und luftigen Gebäudes einen tiefen Treppenschacht überfliegen, habe aber mit einer irrationalen Höhenangst zu kämpfen, die ich, völlig luzid, als unsinnig erkenne. Um es mir selbst zu beweisen, dass Höhe im Traumzustand eigentlich kein Problem darstellt, fliege ich durch das Fenster nach draußen.
Im Weiteren fliege ich im Inneren eines weit verzweigten Anwesens mit breiten, offenen Fensterfronten und auf dem davorliegenden gigantischen und parkähnlichen Wiesengelände mit gewaltig hoch aufragenden grünen Hecken umher.
Allein schon dieser erste Teil des Traums ist zeitlich bereits unheimlich lang ausgedehnt.
Zurück im Gebäude bin ich, in der Rückenlage auf dem Boden liegend, damit befasst, mir eine lange Jeans (sie stört mich irgendwie und ich will sie los haben) vom Körper zu strampeln. Nebenbei denke ich daran, meinen Schutzhelfer Mayfield aufzurufen. Merkwürdigerweise erscheint er auf meine Rufe hin nicht.
„Na ja, gut“, denke ich mir, „es mag ja fast so aussehen, als wollte ich ihn darum bitten, mir dabei zu helfen, eine Hose auszuziehen! Das wird er mich schon alleine machen lassen!“
Als ich fertig bin, verlasse ich den Raum durch die vordere Tür und gelange in eine von warmem und gemütlichem Licht erfüllte Küche. Dort an der Anrichte sitzt eine dunkelhaarige Fee, in Größe und Statur einem Grundschulkind entsprechend. Sie hat ein rundes Puppengesicht und dunkelbraune Augen.
Ich frage mich, ob ihr Erscheinen etwas mit meinem Ruf nach dem Schutzhelfer zutun haben könnte. Die Frage bleibt allerdings unbeantwortet, denn die Fee bestürmt mich sogleich telepathisch mit mir nur teilweise verständlichen Aussagen. Es scheint, als sei ich ihr ein Mitwisser eines bedeutsamen und schicksalsmächtigen Geheimnisses. Entsprechend konspirativ und dunkel sind ihre Aussagen und, das Spiel mitspielend, versäume ich es leider, um eine genauere Erklärung zu bitten.
In der Folge verwickle ich mich in eine Art „Agentengeschichte“, wobei ich mit anderen traumbewussten Personen zusammenkomme und mit diesen umherziehe. Was genau wir eigentlich zu tun haben, bleibt mir schleierhaft, doch erfahre ich in kürzeren Einblendungen (sie erinnern mich ein bisschen an einige Szenen aus „Thor“, dessen Anfang ich mir gestern Abend angesehen hatte), dass es irgendwie darum zu gehen scheint, die Welt gegen feindliche Mächte zu verteidigen. Ohnehin handelt es sich bei dieser „Agentenstory“ nur um eine, dem gewöhnlichen Träumen sehr ähnliche Nebenhandlung, die ich gar nicht als sonderlich bedeutsam erlebe. Zu gezielten Konfrontationen und Unternehmungen kommt es jedenfalls nicht.
Stattdessen sitze ich mit meinen Mitträumern u.a. vor einem Hauseingang. Einer meiner Begleiter betrachtet die Oberfläche einer Glasscheibe mit Drahtgeflecht und meint, er könne diese nicht klar wahrnehmen, woran er erkennen könne, dass all dies nicht real, sondern ein Traumerlebnis sei. Als ich die Glasfläche und die Lichtreflexe darauf betrachte, erscheint mir alles völlig klar und realistisch, sodass ich die Ausführungen meines Begleiters nicht nachvollziehen kann.
Über die immer unglaublicher erscheinende Länge und Stabilität dieses luziden Traumes immer stärker verwundert, führe ich immer mal wieder eine Zustandskontrolle in Gestalt eines RCs durch, mit dem immer gleichen Ergebnis, dass dieser Klartraum sich unverändert immer weiter ausdehnt!
Maßlos erstaunt, versuche ich mich irgendwann auch einmal mit Hilfe einer Wanduhr über die verstrichene Zeit zu orientieren. Diese zeigt zwölf Uhr mittags, woraus ich die Schätzung ableite, dass es in „realer“ Zeit jetzt ca. zwölf Uhr nachts sein müsste, was bedeutet, dass dieser Klartraumzustand nun schon mehr denn eine Stunde stabil ist! In dieser Form hatte ich das noch nicht erlebt!
Als ich nach einem, nach meinem Gefühl, über Stunden ausgedehnten Luzidtraum erwache, zeigt der Wecker 1:55 Uhr an.
Merkwürdigerweise habe ich beim Erwachen ein sehr unangenehmes Körperempfinden. Es handelt sich um ein sehr fremdartiges und unangenehmes Verspannungsgefühl im oberen Rücken und im Nacken, das sich als Spannungs- und Druckgefühl über den Kopf bis in die Stirn fortsetzt. Kurzum, ich fühle mich wie gerädert und frage mich, ob dieser unangenehme Zustand eine unmittelbare Folgewirkung des stundenlang ausgedehnten Klartraumzustandes sei. Dies würde bedeuten, dass ein langer Luzidtraum anstrengend und schlauchend ist und einem „normalen“ Traumschlaf hinsichtlich der Erholsamkeit nicht entspricht. Andererseits könnte das alles auch nur ein zufälliger Zusammenfall zweier Phänomene sein, die so gar nichts miteinander zu tun haben. Das werde ich spätestens erfahren, wenn mir erneut eine „Klarnacht“ gelingen sollte.

Psychopompos

In einem stillgelegten, mitten im Wald gelegenen Krankenhauskomplex laufe ich einen geraden Weg entlang. Weiter hinten steigt der Weg an und führt mich zu einem Durchgang in einem hoch aufgeschütteten Wall aus rotbrauner Erde. Dahinter tut sich unter dem weiß überzogenen Himmel eine Ebene auf. Ein Hinweisschild auf dem Weg hat mir verraten, dass es dort eine besondere Naturattraktion zu bestaunen gebe, den „See des I.“ (irgendein Heiligenname wie Isidor von Sevilla, Ignatius oder Irenäus, genau entsinne ich mich nicht mehr).
Auf einer Anhöhe stehend blicke ich auf die Ebene hinaus. Linkerhand befindet sich eine Ansammlung von Wohnhäusern, einige mit rotem Ziegel verklinkert.
Das Gefühl der Leichtigkeit, das mich hier oben überkommt, lässt mich klar werden und ich kontrolliere den Zustand mit einem RC.
Sofort fliege ich hoch, um einen Blick auf den See des I. zu werfen, nehme aber nur einzelne Tümpel auf der erdigen Ebene wahr.
Ich kümmere mich nicht weiter darum, sondern rufe meinen Schutzhelfer Mayfield, der sofort erscheint und mich an der rechten Hand nimmt. Sehen kann ich ihn nicht (bei dem Versuch stellen sich sofort Sehstörungen ein), nur fühlen.
Hand in Hand fliegen wir über die Eben aufsteigend in einen Grey-Out hinein.
Ich frage ihn, wie es in meinem Leben weitergehen wird.
Die Fragen, die mich gegenwärtig beschäftigen, so der Tenor seiner Antwort, würden mich mein Leben lang beschäftigen (enttäuschenderweise klingt das für mich so, als würde es für verschiedene Dinge nie eine klare Lösung geben), doch es würde ein glückliches Leben werden.
Ich frage ihn auch, ob ich etwas tun könne. Doch kenne ich in diesem Fall die Antwort schon: Es gebe nichts, was ich konkret unternehmen könne.
Durch den Grey-Out hindurch schwebe ich ins Erwachen hinüber und die Unterhaltung mit dem Schutzhelfer ist beendet. Gerne hätte ich etwas präziser gewusst, auf welche meiner gegenwärtigen Fragen (davon gibt es nicht zu wenige) er sich nun eigentlich genau bezogen hat, doch das muss vorerst offen bleiben.
Eine interessante Begegnung, die wie so oft zu Ergebnissen führt, die so nicht zu erwarten waren. Nicht umsonst hat der Umgang mit diesen geistigen Entitäten in der Magie große Tradition, weshalb es auch viele verschiedene Namen für sie gibt: psychopompos (Seelenführer), paredros (Beisitzer), Genius bzw. Familiar- oder Schutzgeist …; u.a. der antike Schriftsteller Ammianus Marcellinus erwähnt sie, indem er dem neupythagoreischen Thaumaturgen Apollonios von Tyana einen solchen „genius“ zuschreibt und erwähnt, dass jeder Menschen einen solchen beigeordnet habe, aber nur wenigen Tugendhaften es vergönnt sei, diesen wahrzunehmen und von ihm unmittelbar belehrt zu werden (Ammianus Marcellinus, Res gestae 21,14).