Der Doppelgänger

Ich komme eine Treppe herunter und blicke, als käme ich aus dem Bad, in mein Schlafzimmer hinein. Dort steht im Halblicht eine Person in einem weißen T-Shirt und weißen Boxershorts links neben dem Bett, das Gesicht zur Wand gewendet.
Irritiert, was der Fremdling in meinem Haus zu tun habe, rufe ich ihn laut an, was er hier zu suchen habe, und hoffe ich, ihn so vertreiben zu können. Dann gehe ich auf ihn zu, er dreht sich um und mit Erschrecken stelle ich fest, dass ich selbst es bin (!) – aber wer bin ich dann, wenn der da ich ist? Enerviert werfe ich mich auf den Doppelgänger und wir starren uns in die Gesichter, während der Schreck sich bei mir mit aufkeimender Luzidität mischt. Was sagt mir sein erstarrter Gesichtsausdruck? Wirkt auch er erstaunt? Was sieht er in mir? Sollen wir wieder zu einem verschmelzen?
Noch während mir all dies durch den Kopf jagt erwache ich als ein wieder vereinigter (?) Dritter und wundere mich gewaltig über das Erlebnis, wobei der alptraumhafte Schrecken, durch meine vielfältige Erfahrung mit traumhaften Sonderbarkeiten, schnell nachlässt. Dumm, dass ich mich durch das Erschrecken um eine sicherlich hochinteressante luzide Erfahrung gebracht habe.
Gestern hatte ich die bei Platon überlieferte Jenseitsreise des Er nochmals studiert und mir daraufhin die Frage vorgelegt, warum ich mir dieses, mein jetziges Schicksal gewählt habe. Ob die heutige Erfahrung etwas damit zu tun hat? Die Beweggründe zu kennen und besser zu verstehen wäre jedenfalls gewiss eine bedeutende Hilfe, denn wer weiß, von welcher Ausgangslage er herkommt, kann auch besser begreifen, wo es mit ihm hingeht. Womöglich hätte eine Unterhaltung mit dem Doppelgänger Licht in dieses Dunkel bringen können?

Psychopompos

In einem stillgelegten, mitten im Wald gelegenen Krankenhauskomplex laufe ich einen geraden Weg entlang. Weiter hinten steigt der Weg an und führt mich zu einem Durchgang in einem hoch aufgeschütteten Wall aus rotbrauner Erde. Dahinter tut sich unter dem weiß überzogenen Himmel eine Ebene auf. Ein Hinweisschild auf dem Weg hat mir verraten, dass es dort eine besondere Naturattraktion zu bestaunen gebe, den „See des I.“ (irgendein Heiligenname wie Isidor von Sevilla, Ignatius oder Irenäus, genau entsinne ich mich nicht mehr).
Auf einer Anhöhe stehend blicke ich auf die Ebene hinaus. Linkerhand befindet sich eine Ansammlung von Wohnhäusern, einige mit rotem Ziegel verklinkert.
Das Gefühl der Leichtigkeit, das mich hier oben überkommt, lässt mich klar werden und ich kontrolliere den Zustand mit einem RC.
Sofort fliege ich hoch, um einen Blick auf den See des I. zu werfen, nehme aber nur einzelne Tümpel auf der erdigen Ebene wahr.
Ich kümmere mich nicht weiter darum, sondern rufe meinen Schutzhelfer Mayfield, der sofort erscheint und mich an der rechten Hand nimmt. Sehen kann ich ihn nicht (bei dem Versuch stellen sich sofort Sehstörungen ein), nur fühlen.
Hand in Hand fliegen wir über die Eben aufsteigend in einen Grey-Out hinein.
Ich frage ihn, wie es in meinem Leben weitergehen wird.
Die Fragen, die mich gegenwärtig beschäftigen, so der Tenor seiner Antwort, würden mich mein Leben lang beschäftigen (enttäuschenderweise klingt das für mich so, als würde es für verschiedene Dinge nie eine klare Lösung geben), doch es würde ein glückliches Leben werden.
Ich frage ihn auch, ob ich etwas tun könne. Doch kenne ich in diesem Fall die Antwort schon: Es gebe nichts, was ich konkret unternehmen könne.
Durch den Grey-Out hindurch schwebe ich ins Erwachen hinüber und die Unterhaltung mit dem Schutzhelfer ist beendet. Gerne hätte ich etwas präziser gewusst, auf welche meiner gegenwärtigen Fragen (davon gibt es nicht zu wenige) er sich nun eigentlich genau bezogen hat, doch das muss vorerst offen bleiben.
Eine interessante Begegnung, die wie so oft zu Ergebnissen führt, die so nicht zu erwarten waren. Nicht umsonst hat der Umgang mit diesen geistigen Entitäten in der Magie große Tradition, weshalb es auch viele verschiedene Namen für sie gibt: psychopompos (Seelenführer), paredros (Beisitzer), Genius bzw. Familiar- oder Schutzgeist …; u.a. der antike Schriftsteller Ammianus Marcellinus erwähnt sie, indem er dem neupythagoreischen Thaumaturgen Apollonios von Tyana einen solchen „genius“ zuschreibt und erwähnt, dass jeder Menschen einen solchen beigeordnet habe, aber nur wenigen Tugendhaften es vergönnt sei, diesen wahrzunehmen und von ihm unmittelbar belehrt zu werden (Ammianus Marcellinus, Res gestae 21,14).

Der innerste Kern

Nach Einbruch der Dunkelheit bin ich im Osten Neustadts auf einem Feldweg unterwegs; es ist bereits stockdunkel, nur weißes Straßenlaternenlicht in der Ferne erhellt das Umfeld ein wenig. Auf dem Feld zu meiner Linken wurde ein gewaltiger Nachbau des Eiffelturms aus Holzbalken errichtet! Diese faszinierende Unmöglichkeit lässt mich umgehend luzid werden und ich beschließe, den riesigen Holzbau hinaufzufliegen. Obwohl er schwindelerregend hoch ist und ich, wohlwissend, dass mir im Traum eigentlich gar nichts zustoßen kann, etwas Höhenangst entwickle, fliege und hangle ich mich bis zu der zweigeteilten Spitze der Holzkonstruktion hinauf, die zwei schmale, nebeneinanderliegende Absätze formiert, auf denen genau meine Füße Platz haben. In gerader Haltung stelle ich mich breitbeinig dort oben hin und schaue, meine Ängste überwindend, aus ca. 120 Meter Höhe in die Tiefe und über das Panorama an Wiesen und Feldwegen hinweg. Es ist etwas heller geworden und ermöglicht ein Sehen in Graustufen wie am frühen Morgen. In einem letzten Schritt stoße ich mich mit beiden Beinen in die dämmrige Luft ab, fliege einige Züge und beschließe nun, zum „innersten Kern“ meines Selbst vorzudringen. Sofort wechselt die Umgebung und ich finde mich im Zimmer einer kleinen Wohnung wieder, deren Einrichtung fast ein bisschen wie die eines alten Puppenhauses wirkt (kleine Möbel, weiße Spitzendeckchen). Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, das J. sehr ähnelt, sind anwesend. Sie sind blond, blauäugig und freundlichen Wesens; mit ihren weißen Gewändern nehmen sie sich beinahe wie Engelchen aus.
„Helft ihr mir, meinen innersten Kern zu finden?“, frage ich die beiden und das Mädchen lächelt mich zustimmend an.
Wie nehmen die Tür in den nächsten Raum, der aber leer ist. Häufig findet man das, was man sucht, nachdem man eine Sichtbarriere überwunden hat, im nächsten Raum. Doch diesmal scheint nichts und niemand anwesend zu sein.
Ich schaue leicht enttäuscht eines der Möbelstücke an. Und eines der Kinder gibt mir zu verstehen, dass der innerste Kern nicht immer leicht zu finden sei.
Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel eine schnelle Bewegung; irgendjemand oder etwas ist rasant in das vorhergehende Zimmer zurückgewechselt!
So begebe ich mich ebenfalls dorthin zurück und finde, versteckt zwischen den weißen Laken und Decken eines Bettes, ein weiteres blondes und blauäugiges Kind. Beinahe wie ein Säugling liegt es unbewegt auf dem Rücken und besitzt ein für ein Kind ungewöhnlich breites und kantiges Gesicht. Ohne weitere Reaktionen meinerseits abzuwarten, konfrontiert mich das Kind mit mir selbst! Urplötzlich stehen mir, wie auf die Bettdecke gelegt, meine eigenen handschriftlichen Notizen vor Augen, aus denen mir bewiesen wird, dass es das Ziel meines Daseins ist, mich in Bescheidenheit und Bedürfnislosigkeit zu üben; wenig angetan von dieser eher drögen Wahrheit, driftet meine Aufmerksamkeit schnell weg. Eilig versuche ich mich abzufangen, indem ich, in der Reihe meiner Experimente zum Thema „Kontaktversuche“, auf einen anderweitigen Anknüpfungsversuch umschalte. Den Dreh bekomme ich jedoch nicht hin; ich verliere die Bewusstheit und den Anschluss an den Traum.

Schutzhelfer

Einige Zeit nach Beginn der Meditation kommt mir der Gedanke, dass es jetzt endlich an der Zeit sei, mal wieder loszufliegen. Rücklings beginne ich mit Schwimmbewegungen und spüre, dass ich mich mit einiger Mühe freimachen kann.

Nach links fliege ich aus dem Bett heraus und hinüber zur geschlossenen Schlafzimmertür. Meine Sicht ist „verpixelt“ und weist Krümmungen auf, als blickte ich durch ein Fischauge. Ich ignoriere die Sehstörungen, öffne die Tür und gehe die Wendeltreppe ins EG hinunter, führe zugleich einen RT durch und setze darauf, dass sich meine Sicht bessern wird, wenn ich einfach nur konsequent weitermache. Tatsächlich stellt sich allmählich eine Besserung ein. Unten angekommen, gehe ich im EG umher und rufe meinen „Schutzhelfer“. Da ich in letzter Zeit das Gefühl hatte, allein nicht mehr weiterzukommen, hatte ich geplant, es einmal auf diese Weise zu versuchen.

Mit der sich schärfenden Sehfähigkeit erlebe ich einen Ortswechsel; erst finde ich mich kurz vor meinem Haus, dann auf der alten Campingplatzparzelle wieder, die meine Familie Anfang der 1990er Jahre besaß. Dort balanciere ich eine in Ost-West-Richtung über den Boden gespannte grüne Wäscheleine entlang und rufe weiterhin nach meinem „Schutzhelfer“. Ein kleines, dunkelgraues und gnomenartiges Männchen taucht in einigem Abstand auf und gibt mir den Hinweis, dass es vielleicht der alte Mann sei, den ich soeben auf dem Gehweg links habe entlanglaufen sehen.

Ich folge dem Tipp, steige auf und fliege zu der Stelle, wo der Mann um die Ecke verschwunden war.

Auf dem Platz neben der Zufahrt zur Zeltwiese scheint er mich bereits zu erwarten. Vom Äußeren her macht er den Eindruck eines alten indianischen Lehrers. Er trägt dunkle Jeansklamotten und auf seinem schlohweißen Haarschopf sitzt ein schwarzer Hut mit breiter Krempe. Die dunkle Haut seines Gesichts und die große Nase sind wettergegerbt und etwas pockennarbig.

Er lächelt warm und freundlich und führt sich als „Mayfield“ ein.

Ein junger Begleiter, der im Hintergrund bleibt, gibt mir zu verstehen, dass ich bis etwa halb zehn bleiben könne und für alles, was mich jetzt erwarte, ausreichend Zeit sei.

Mayfield und ich lassen uns etwas versetzt gegenüber auf dem geschotterten Platz in den Schneidersitz nieder. Noch kann ich allerdings noch nicht bequem sitzen. Ich muss im Wortsinn Ballast loswerden! Ich trage drei geschlossene Westen übereinander, deren Reißverschlüsse ich nacheinander öffne. Mich gegen eine weiß verputzte Wand in meinem Rücken lehnend muss ich zum Schluss noch ein dickes, wie mit Körnern gefülltes Kissen unter meinem T-Shirt herausziehen, das mich extrem am Sitezn hindert. Dann bin ich breit für was auch immer jetzt hier kommen mag.

Links neben mir entdecke ich im nächsten Augenblick ein blondes, sommersprossiges Mädchen, das mit einem Magazin aus Hochglanzpapier auf einem Campingstuhl lümmelt. Irgendwie meine ich zu wissen, dass das Mädchen blind ist. Trotzdem blättert es in einem Magazin, das mit Sicherheit keine Blindenschrift enthält. Wir unterhalten uns. Sie nennt mir auch ihren etwas merkwürdigen Namen und erklärt ihn sogar, doch kann ich mich an die Details dieses Teils der Konversation nicht mehr entsinnen. Insgesamt ist die Blonde recht zurückhaltend und herb im Umgang, ermutigt mich aber zu guter Letzt, etwas zu wagen. Genau deshalb sei ich ja hier, gebe ich ihr zu verstehen.

Mayfield ist inzwischen bereit fortzufahren. Er beginnt eine Art Achtsamkeitsübung mit mir. Dazu legt er mir eine aus drei Streifen bestehende Puzzle-Unterlage vor, die ich auf dem Boden vor mir zusammensetze. Darauf gilt es dann ein Puzzle zusammenzufügen, das wie eine Raumsondenfotografie der Jupiteratmosphäre wirkt. Mayfields Demonstrationen und Erklärungen sind (bewusst?) etwas kurzangebunden und fahrig, sodass es mir an einigen Stellen schwer fällt zu folgen. Daher bastle ich am Ende einfach alles so zusammen, wie ich es für richtig halte. Mayfield zeigt sich sehr kritisch, ist aber am Schluss mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es sei eines der besten Ergebnisse, sagt er zu dem jungen Begleiter im Hintergrund, ganz so, als habe er das im Grunde nicht anders erwartet. Das Lob aus seinem Mund weckt ein wenig Stolz in mir.

Nachdem wir fertig sind, werfe ich einen Blick auf eine Uhr, die über den Gehweg hinweg an der Außenwand einer Art Garage (?) mit weißen Wänden hängt. Es ist halb neun; offenbar ticken die Uhren hier anders, scheinen sogar rückwärts zu laufen, denn zu Beginn der Übung war es schon beinahe halb zehn!

Mein indianischer Lehrmeister ist inzwischen zur Küchenzeile eines Wohnwagens, die seltsamerweise halb unter freiem Himmel steht, hinübergegangen und hantiert dort mit einem hellgrauen Plastikkoffer – womöglich einer Art Werkzeugkoffer. Seitlich des Tragegriffs entdecke ich die aus grauem Kunststoff gesetzten Buchstaben „asg“ oder „asd“ und lasse meinen Blick dort für einen Moment verweilen, als wäre das in irgendeiner mir jetzt noch nicht erkennbaren Form wichtig.

Dann ist der Moment des Abschieds gekommen. Mayfield verabschiedet sich kurz und ohne viele Worte, die Szenerie verschwimmt und ich erwache.

In der „realen“ Welt ist es 6:49 Uhr.

Die jenseitige Ebene

Auf einer astralen Wanderung, die sich kontinuierlich zu voller Luzidität steigert, laufe ich gegen Abend einen langen, geraden Straßenzug in einer Häuserschlucht entlang, der zum Weihnachtsmarkt ausgeschmückt ist.
Am Ende des Marktes mache ich kurz hinter der Straßenabsperrung kehrt und laufe zurück.
Kurz denke ich darüber nach, was man wohl zuhause sagen wird, dass ich heute aus irgendeiner Laune heraus einfach so und ganz allein den weiten Weg zum Nürnberger Weihnachtsmarkt gefahren bin. Dabei interessiert mich der Markt jetzt gar nicht; ich bin ganz in die geistige Auseinandersetzung mit dem Thema des Astralwanderns verwickelt. Gedankenversunken wie ich unterwegs bin, werde ich etwas unsicher, ob ich die Stelle wiederfinden werde, wo ich mein Auto geparkt habe. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich es sicher schaffen werde.
Der Weihnachtsmarkt ist, sobald ich kehrt gemacht habe, verschwunden und ich vermute, dass ich in Gedanken den Weg in eine Parallelstraße eingeschlagen habe und gehe einfach weiter.
Vorne, nahe der Einmündung zu einer breiten Hauptstraße (von dort bin ich in diesem Traum auch hergekommen!), treffe ich auf eine Frau Anfang oder Mitte vierzig mit hellem Teint mit ersten Falten, schwarz gelocktem Haar und freundlichen tiefdunklen Augen. Sie trägt einen dunklen Mantel. Sie schaut mich wissend an und bestärkt mich weiterzugehen, da es schon der richtige Weg sei. Und sie spricht mich mit „Herr Lowinsky“ an. Ich stutze, denn die Frau ist mir völlig unbekannt.
„Woher kennen Sie meinen Namen?“, frage ich verdutzt.
„Aber, Herr Lowinsky, wir kennen uns doch schon immer!“, antwortet sie milde lächelnd.
Sie geht nun an meiner rechten Seite und begleitet mich zur Hauptstraße.
Ich blicke die breite Straße entlang, verwirrt und verwundert – die Bewusstheit steigert sich ab jetzt mehr und mehr.
„Welche Stadt ist das?“, frage ich meine Begleitung.
„Es ist Neustadt!“, meint sie. Doch ist es ganz offensichtlich ein anderes Neustadt, ein Neustadt auf einer anderen Bewusstseinsebene: andere, breitere Straßen, andere öffentliche Plätze.
„Wissen Sie, wo hier mein Auto ist?“, frage ich.
Meine Begleitung führt mich daraufhin genau den Weg, den ich aus Eigenem auch eingeschlagen hätte und ich bin zufrieden, dass ich also auch ohne ihre Hilfe auf dieser Astralwanderung nicht völlig orientierungslos gewesen wäre.
Wir gehen an der Einmündung links ein aus rotem Ziegel gefügtes Trottoir an der breiten Hauptstraße entlang, vorbei am markisenüberdachten Eingang eines Hotels oder Ladens.
Die nächste Straße biegen wir links in eine von hohen Jugendstilhäusern (klobiger roter Sandstein und Gesimse zwischen den Stockwerken) gesäumte Wohnstraße ein. Einige Meter straßeneinwärts steht tatsächlich der weiße Opel am rechten Fahrbahnrand, genau dort, wo ich ihn in meiner Erinnerung geparkt hatte.
„Wo Sie ihn abgestellt haben!“, kommentiert meine Begleitung freundlich amüsiert.
Meine Begleitung hat sich jetzt merkwürdigerweise gewandelt; es ist dieselbe Person, doch erscheint sie mir nunmehr als hagerer Mann mit demselben hellen Teint, dunklen Augen und schwarzem Schnauzbart; er trägt einen graublauen Kapuzenpullover und hat die Kappe übergezogen. Wie auf einer Kanzel steht er nun in erhöhter Position an der Hausecke auf einem der Sandsteinsimse und blickt zu mir herab. Die Position enthält indes keine Machtdemonstration, sondern zeigt an, dass er und ich uns in einer anderen Ausgangslage befinden. Und ich ahne – inzwischen vollständig luzid -, was Sache ist.
„Wieso wissen Sie so viel über dieses Neustadt auf einer anderen Ebene?“, frage ich ihn.
Ich vermute, dass diese Person tot ist und ich hier mit jemanden aus der Anderswelt rede.
Er bejaht meine Vermutung umgehend.
Nun wieder rechts neben wir gehen wir ein wenig die Wohnstraße entlang. Auf der anderen Straßenseite erkenne ich ein altes blaues Straßenschild mit weißem Rand, angeschraubt knapp unterhalb des zweiten Stocks; die verblichene Schrift sagt mir, dass diese Straße hier „Nordring“ oder so ähnlich heißt. Eine solche Straße gibt es in Neustadt nicht. Schließlich frage ich ihn:
„Und wie ist das so?“
„Das Leben (ich weiß in diesem Moment, dass er damit seine vergangene diesseitige Existenz meint) hinterlässt Fehleindrücke“, antwortet er gedankenversunken. Das letzte Wort verstehe ich erst nicht genau und bitte ihn daher, es zu wiederholen.
„Fehleindrücke“, repetiert er.
„Ich wollte in den Himmel!“, fährt er sogleich ohne weitere Erläuterung fort. Dennoch begreife ich, was er meint: Ich weiß, dass er ihn, den Himmel, aber nicht erreichen kann, sondern nur diese andere oder anderen Ebenen, auf deren einer wir nun augenblicklich gemeinsam unterwegs sind.
Eine gewisse Traurigkeit geht von ihm aus. Er tut mir leid.
Wieder zurück an der Straßenecke befindet er sich wieder auf seiner erhöhten Position auf dem Sims.
„Wie komme ich wieder zurück in das Neustadt der Ebene, wo ich herkomme?“, frage ich nun.
Ich soll einfach losfahren, meint er, meistens geschehe es dann einfach, vielleicht z. B. beim Tanken. Es werde dann einfach die Ebene gewechselt, ganz unspektakulär, und schon sei der Besucher wieder zurück!
In diesem Moment erwache ich; die Rückkehr war tatsächlich unspektakulär; derselbe Vorgang, wie ich ihn vom Erwachen aus anderen Klarträumen kenne.
Als ich auf den Wecker schaue, zeigt er 6:44 Uhr.
Ich denke darüber nach, dass mir diese Begegnung heute wohl eine der Krankheiten unseres Existenz vor Augen geführt hat: Alle suchen wir. Doch was wir letztlich finden, suchen wir gar nicht.
Auch frage ich mich, ob die Person, mit der ich da geredet habe, nur eine Traumgestalt war oder ob es sich womöglich wirklich um einen jenseitigen Kontakt gehandelt hat.
Allerdings fiel mir bereits im Traum selbst auf, dass zumindest die Formulierung und Wortbildung meines Begleiters der ähnelt, die ich selber schon einmal in meiner Arbeit (z. B. im Zusammenhang mit dem Wort „Fehlkonzentrationen“) gebraucht habe. Mein Gegenüber bedient sich im Grunde also meiner eigenen Ausdrucksweise. Zudem ist die Theorie, dass die Traumebenen der Existenzweise nach der Tod entspricht, eine Gedankenführung und Vorstellung, mit der ich mich bereits vor diesem Traum beschäftigt habe. Die Traumfigur repräsentiert, referiert und reflektiert also meine eigene Theorie und Vorstellungsbildung zu diesem Themenkomplex. Insofern ist diese Traumfigur und alles, was sie sagt, irgendetwas von mir und aus mir. Und deshalb kanntest du es bzw. sie oder ihn auch schon immer! Eine esoterische Erklärung des Erlebnisses ist folglich nicht zwingend; andererseits beschränkt einen eine rein psychologische Sicht von vornherein in den Deutungsmöglichkeiten, da sie die Möglichkeit höherer Erkenntnis aus anderen jenseitigen Realitätsebenen kategorisch ausschließt. Ein bisschen Offenheit muss man sich bewahren.

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Begegnung mit einer Verstorbenen

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In dieser Nacht begegnete ich im Traum einer verstorbenen Bekannten. Ich hielt mich in einem futuristischen Gebäude mit vielen Stockwerken und langer Glasfront auf, die von den ebenfalls verglasten Treppen- bzw. Aufzugtürmen unterbrochen wurde. Im Erdgeschoss des mächtigen Gebäudes lief ich einen Gang direkt hinter der Fensterfront der Fassade entlang. Die Energieversorgung dieses Hauses wurde mittels Solarpanels gewährleistet, die als dünne Folie außen auf die Fensterscheiben der Fassade aufgebracht waren. Durch diese futuristische Technik lag das Innere dieses Teils des Gebäudes in einem, angesichts der grellen Hochsommersonne draußen, angenehmen Halbschatten. Obwohl sich dieses Gebäude in einer anderen Zeit- oder Wirklichkeitsdimension befand, besaß ich rudimentäres Wissen darüber. So wusste ich, dass sich vor dem Gebäude ein großer, mit Knochensteinen gepflasterter Platz befand und dass dieser Komplex genau an der Stelle stand, auf der im NW der gegenwärtigen physischen Wirklichkeit die Realschule Plus im Böbig stand. Hier jedoch wurde das Gebäude, soweit ich es wusste, nicht als Schule genutzt. Im vorderen Teil waren hier Büros und Verwaltungen untergebracht, in denen aber zum Zeitpunkt meines Besuches offenbar niemand arbeitete, denn das Gebäude, in dessen Untergeschoss ich gerade in Richtung des nördlichen Seitenflügels ging, schien leer zu sein. Mir war klar, dass sich hinten rechts der Zugang zu einer Toilette befand, die ich aufsuchen wollte. Am Ende des Gangs führte, auf der Höhe der Stelle, an der der Seitengang zu den WCs nach rechts abzweigte, eine Rolltreppe hinunter in ein lichtes, helles Erdgeschoss mit weiß gehaltenem Interieur. Hier ging das Verwaltungsgebäude in eine Ladenzeile über, eine von vielen, da der Rest des Gebäudes als eine Art Shopping Mall konzipiert war. Von dort kam mir eine Person entgegen. Es war H.; schnell kam sie näher, sie schien erfreut, jemanden Bekanntes zu sehen. Sie war verwirrt über das große Gebäude; sie suchte einen ganz bestimmten Discounter, den sie aber im Gewirr der zahllosen Läden, die in kleinen Nischen entlang des langen Korridors untergebracht waren, nicht fand. Ich schaute noch vom oberen Absatz der Rolltreppe zu der aufgeräumten Ladenzeile hinüber und überlegte, ob ich vielleicht in der Lage wäre, das gesuchte Geschäft zu finden. Dann aber endete der Traum.
Erst nach dem Erwachen erkannte ich im vollen Umfang, dass die Person, der ich da begegnet war, bereits vor einiger Zeit verstorben war. Nach der körperlichen Fitness und dem Aussehen zu urteilen, schien es ihr gut zu gehen. Sie ging aufrecht und schnell; ihr lockig gekräuseltes Haar war voll und grau melliert. Allerdings schien sie sich an dem Ort, an dem sich jetzt befand, noch nicht besonders gut zurechtzufinden.
In einem zweiten Traum an diesem Morgen sah ich dann einen Jungen, der in diesem Traum das luzide Träumen und das Fliegen erlernte, und schließlich, kraft der eigenen Fantasie in eine Art Superheldenköstum aus hautengem Latexmaterial, schwarz mit roten Applikationen, gekleidet, durch ein Dachfenster abhob. Ich war nur so etwas wie prä-luzider Beobachter dieses Geschehens. Erinnerlich ist mir aber, dass mir der Traum farbenfroh und sehr lebhaft erschien; der Junge musste sein Erlebnis wohl in den Oster- oder in den Sommerferien gehabt haben, denn die Situation war von angenehmer, frischer Ferienstimmung erfüllt.