Sequenzen

Dieser Tage stellen sich immer mal wieder kleinere Klartraumsequenzen ein: In einem Fall bin ich beim Strandcamping und werde von J.H. von einer Kaimauer aus ins Wasser gestoßen. Unter Wasser gelingt es mir, problemlos zu atmen, worauf sich Klarheit einstellt. Fasziniert beobachte ich, wie die Schatten zweier riesiger Fische über mich hinwegziehen. Zurück an der Wasseroberfläche verliere ich die Sehfähigkeit, doch kann ich mich auf eine treibende „Rettungsinsel“ hochziehen, die aus einer Frühstücksunterlage (!) aus Kunststoff besteht. Obgleich diese unsicher auf dem Wasser trudelt und wieder und wieder überflutet wird, bleibt sie oben. Auf ihr treibe ich schließlich gegen eine Zimmerwand. Das Gewässer scheint sich also plötzlich im Inneren eines Zimmers zu befinden. Einige Augenblicke versuche ich, Diana, eine Gefährtin aus einem der letzten Klarträume, herbeizurufen, und nebenbei meine Sicht auf die Umgebung zu verbessern. Doch die Bemühungen führen nur zum Erwachen.
Von der Erlebnisform nicht unähnlich gestaltete sich eine Erfahrung von heute Nacht. Hier werde ich beim Fliegen in einer eher undefinierten Umgebung (Feldweg) und wiederum bei sehr schlechter, graustichig vernebelter Sicht klar. Die Luzidität mündet in den totalen Sichtverlust ein. Erneut zitiere ich eine Gefährtin herbei, was zum Auftauchen einer Traum-Marionette führt. Das erkenne ich, als ich sie umarme und küsse, wobei aber kein echtes Gefühl aufkommt. Die Gestalt, die K. D. ähnelt, bleibt unlebendig und unempathisch wie eine große Spielzeugpuppe. Damit gewinnt dieser Klartraum eine eher bedrückende Stimmung, weil der Kontakt so aussichts- und chancenlos erscheint – ein Anzeichen für einen luziden Traumzustand recht geringer Qualität.

Diana

Am fortgeschrittenen Nachmittag mache ich mich mit M. auf den Weg, einen Berg an der Haardt zu ersteigen. Ich bin zu Fuß unterwegs, M. jedoch eilt mir, zeitweise das Vorderrad hochreißend und auf dem Hinterrad fahrend, auf einem Mountainbike den Asphaltweg voraus und ist bald nicht mehr zu sehen.
Ich indes kehre in eine Art Bergstation am Fuß des Gebirges ein, denn scheinbar muss man für das Gipfellokal mindestens 5 € berappen.
Im Inneren des Gebäudes stehe ich schließlich an einer Glasscheibe und blicke in den davorliegenden Flur.
Da fällt mir eine junge blonde Frau auf. Ich blicke sie an, sie erwidert den Blick, tritt näher, so nah, dass sie ihr mit kleinen Mitessern besetztes Knollennäschen fast an der Scheibe platt drückt. Durch die Scheibe hindurch fragt sie wortlos (reine Telepathie), ob wir uns kennenlernen wollten.
„Warum nicht?“, gebe ich zurück und komme um die Scheibe herum nach draußen auf den Gang zu ihr.
Zusammen gehen wir den Flur entlang; er ist schmal, so dass ich hinter ihr gehen muss.
Dabei fällt mir ihr kindlicher Körperbau auf, den ich, wie mit einem Röntgenblick, durch ihre Kleidung hindurch klar bis auf die Einzelheiten der Haut erkennen kann. Ihrem Körper fehlen noch die weiblichen Rundungen und kurz wundere ich mich darüber. Im der Astralwelt ist es jedoch normal, dass Körper nicht immer der physischen Form perfekt entsprechen, manchmal sind sie rudimentär entwickelt, gelegentlich wirkt man jünger als man in der physischen Realität ist.
Im Vorraum umarmen und drücken wir uns. Nebenbei überprüfe ich kurz mein eigenes physisches Erscheinungsbild, indem ich an mir herunterblicke. Dort sehe ich meinen normalen Körper; Beine in dunkelblauen Jeans, meine neuen Turnschuhe.
Alsdann meint sie kurzangebunden, jetzt hätte auch sie einen Mann. Und es klingt ein bisschen so, als hätte sie eine Weile lang Ausschau gehalten und sich nun ganz spontan entschieden. Wie meine allererste Freundin scheint sie diesbezüglich offenbar von der ganz schnellen Truppe zu sein.
Während wir uns zu einem Sofa begeben, will ich überhaupt erst einmal ihren Namen erfahren.
„Diana“, antwortet sie und eher wirr als schlagfertig vergreife mich gleich mit einer von Halbwissen diktierten Replik:
„Wie die griechische Liebesgöttin!“
Auf dem Sofa kuschelnd möchte ich sodann noch herausfinden, wie alt meine Gespielin denn nun eigentlich ist.
Es kommt unverwandt heraus, dass sie erst 16 ist, was mir ein wenig zu denken gibt.
Schließlich begeben wir uns nach draußen und laufen die Betontreppe vor dem Gebäude herunter.
Von ihrem geringen Alter etwas irritiert interessiert es mich, was sie wohl in mir sieht, und frage sie, wie alt sie mich schätze.
„39“, antwortet sie wie aus der Pistole geschossen. Es scheint ihr also völlig klar zu sein, dass sie hier mit jemandem anbandeln möchte, der mehr als 20 Jahre älter ist als sie!
„Das Doppelte von dir ist richtig: 38“, gebe ich zurück. „Ich habe genau heute Geburtstag.“
Nach einigen Schritten, die wir, Arm in Arm, unter dem blauen Himmel nach links von der Treppe ab weitergehen, erfolgt das Erwachen. Traumende kurz nach 5 Uhr.
Erst im Nachhinein fällt mir auf, dass ich bei diesem „Traumdate“ nur Quatsch von mir gegeben hatte: 16 plus 16 gleich 38! Und Diana als Liebes- und nicht als Jagdgöttin! Immerhin war mein Gegenüber so jung, dass es das wohl gar nicht bemerkt und gar nicht so sehr auf die Worte geachtet hat.
Jedenfalls war es ein bemerkenswertes Erlebnis mit nach und nach ansteigender Luzidität. Interessant ist auch, dass diese Erfahrung eine quasi unmittelbare Antwort auf mein gerade gestern Abend nochmals überdachtes Vorhaben war, die Astralwelt nach meiner Wesensverwandten auszukundschaften.

Schabernack

Heute wieder ein sehr prolongierter Klartraum. Um 4:30 Uhr wurde mit der Einleitung begonnen; Ende um 6:16 Uhr.
Ich fand mich, zunächst unluzid, in einem großen Bungalow wieder, überprüfte irgendwann meinen Zustand mit einem RC, der aber negativ ausfiel. Dennoch hatte ich irgendwie das Gefühl loslegen zu können und legte eine Flugprobe ein, die sogleich für Klarheit sorgte.
Umgehend wollte ich mit der Klärung jener existenziellen Frage fortfahren, die ich schon gestern am liebsten dem Doppelgänger gestellt hätte.
So wünsche ich mir einen weisen Gesprächspartner herbei.
Eine Art männliche Putte mit krausen Blondhaaren und kleinen blauen Augen erscheint mir und empfiehlt mir dazu jemanden, der in das Papier eine Chipstüte (!) wie in einen Umhang gekleidet in Erscheinung treten werde.
Gleich darauf erhalte ich tatsächlich eine längliche Chipstüte, die in meinen Händen erscheint. Im Umherschweben im Inneren des Hauses gelange ich mehr oder minder gleichzeitig in einen leicht dämmrigen Flur, wo eine junge Frau mit dunklem Haar, dunkelbraunen Augen und braunem Teint die Tür eines Zimmers öffnet, um eine der dort in einer kleinen Gruppe wartenden Personen einzulassen – es scheint sich um die Warteschlange vor dem Behandlungszimmer einer Heilerin oder Schamanin (?) zu handeln.
Ich verweile nur kurz am Rande der Wartegruppe und ziehe mich dann, die Chipstüte öffnend und meine Fragen in die Öffnung hineinsprechend, in einen größeren angrenzenden Raum zurück. Irgendwie weiß ich ganz von selbst, dass so zu verfahren sei.
Anschließend halte ich die Öffnung der Tüte an mein rechtes Ohr und fliege lauschend in langsamen weiten Kreisen in dem Raum umher.
Tatsächlich tönt aus der nicht etwa mit Chips, sondern mit einer popcornähnlichen Masse gefüllten Tüte eine salbungsvolle weibliche Stimme hervor, die mir u.a. verkündet, meine Sache sei bei Gott, auch bei „Maria“ und „Allah“, gut angenommen, zudem hätte ich „Trump“ nur an einer Stelle zugestimmt …
Das mehr und mehr sich ausdehnende Gerede enttäuscht mich zunehmend, denn es ist einfach nur das Gewäsch einer billigen Jahrmarktswahrsagerin, das nicht einmal ansatzweise auf meine Fragen eingeht. Am Ende höre ich nur noch mit halbem Ohr zu und bin froh, als das Popcorn der wertlosen „Instantwahrsagetüte“ ausgelaugt ist und die Stimme nichts Weiteres mehr zu sagen hat. Verdrossen stelle ich fest, dass ich nichts von Bedeutung erfahren habe.
Dennoch will ich nicht aufgeben; der luzide Traumzustand ist stabil genug, um fortfahren zu können. Entschlossen quetsche ich mich durch die Außenwand des Bungalows, sie leistet mir nur kurz einen etwas härteren Widerstand, ins Freie. Unter dem frühmorgendlich blauen Himmel, hinter mir geht wohl gerade die Sonne auf, pausiere ich kurz auf der umgelegten Rückbank eines Kombis und kämpfe einen Moment mit der Enttäuschung, die ich soeben erlebt habe. Für einen Moment taucht ein junger Soldat in Tarngrün am Wagen auf. Offenbar gehört das Fahrzeug ihm.
Schließlich raffe ich mich auf und fliege weiter in eine herrliche Landschaft hinein. Es handelt sich um eine Wiese an einem Waldrand.
Dort begegnet mir sogleich eine Art orientalischer Jägersmann! Er trägt einen Anzug aus bräunlich-olivgrünem Filz mit vielen Taschen, eine Flinte über der Schulter und einen roten Topfhut mit weißem Rand. Vom Gesicht her könnte er vielleicht türkischer Herkunft sein. Ihn frage ich ohne viele Umschweife, wo ich die weiseste Person dieser Welt finden könne. Doch der Jäger reagiert abweisend und geht, ohne auf mich einzugehen, nach rechts weiter eine überdachte hölzerne Treppe, wie im Märchen ist sie stellenweise mit weißen Pilzhüten bewachsen, in ein bewaldetes Tal hinunter.
Weiter hinten am Waldrand entdecke ich in diesem Augenblick eine weitere Person und mache mich auf, diese zu befragen.
Doch in diesem Moment gehe ich ins Erwachen über.
Im Wachen fühle ich mich sehr ernüchtert, weil ich rein gar nichts in meiner Sache erreichen könnte. Es fühlt sich regelrecht so an, als hätten sich die Helfer hier diesmal einen rechten Schabernack mit mir erlaubt.

Der Doppelgänger

Ich komme eine Treppe herunter und blicke, als käme ich aus dem Bad, in mein Schlafzimmer hinein. Dort steht im Halblicht eine Person in einem weißen T-Shirt und weißen Boxershorts links neben dem Bett, das Gesicht zur Wand gewendet.
Irritiert, was der Fremdling in meinem Haus zu tun habe, rufe ich ihn laut an, was er hier zu suchen habe, und hoffe ich, ihn so vertreiben zu können. Dann gehe ich auf ihn zu, er dreht sich um und mit Erschrecken stelle ich fest, dass ich selbst es bin (!) – aber wer bin ich dann, wenn der da ich ist? Enerviert werfe ich mich auf den Doppelgänger und wir starren uns in die Gesichter, während der Schreck sich bei mir mit aufkeimender Luzidität mischt. Was sagt mir sein erstarrter Gesichtsausdruck? Wirkt auch er erstaunt? Was sieht er in mir? Sollen wir wieder zu einem verschmelzen?
Noch während mir all dies durch den Kopf jagt erwache ich als ein wieder vereinigter (?) Dritter und wundere mich gewaltig über das Erlebnis, wobei der alptraumhafte Schrecken, durch meine vielfältige Erfahrung mit traumhaften Sonderbarkeiten, schnell nachlässt. Dumm, dass ich mich durch das Erschrecken um eine sicherlich hochinteressante luzide Erfahrung gebracht habe.
Gestern hatte ich die bei Platon überlieferte Jenseitsreise des Er nochmals studiert und mir daraufhin die Frage vorgelegt, warum ich mir dieses, mein jetziges Schicksal gewählt habe. Ob die heutige Erfahrung etwas damit zu tun hat? Die Beweggründe zu kennen und besser zu verstehen wäre jedenfalls gewiss eine bedeutende Hilfe, denn wer weiß, von welcher Ausgangslage er herkommt, kann auch besser begreifen, wo es mit ihm hingeht. Womöglich hätte eine Unterhaltung mit dem Doppelgänger Licht in dieses Dunkel bringen können?

Ätherprojektion

In einer traumhaft abgewandelten Version meines ehemaligen Gymnasiums rase ich im Sauseschritt eine breite, dunkle Betontreppe hinunter und denke daran, wie sehr ich doch solche riesigen Gebäude liebe, deren weitläufige Innenräume so ungemein viel Platz und Bewegungsfreiheit bieten.
Als ich um den letzen Absatz herumgehe und in einen großen, kellerartigen Raum, einen grauen Betonbunker, einschwenke, überkommt mich der Traumverdacht. Ich überprüfe ihn mit einem prompt geliegenden Flugversuch.
Sogleich muss ich im Flug an meinen Paredros denken; ich habe das Bedürfnis, ihn zu sehen, bin mir aber unsicher, ob es mir in der gegebenen Situation glücken kann.
So fliege ich kurzzeitig weiter, um den Zustand zu stabilisieren, entsinne mich aber sogleich, dass dies häufig kein probates Mittel ist, sondern oft auch ins Gegenteil ausschlagen kann.
Umgehend bringe ich mich senkrecht herunter, erlebe aber eine Enttäuschung. Sobald ich den Boden berühre, knicken mir die Beine ein und ich spüre, wie ich physisch werde. Mit den Einsinken der Beine ereilt mich ein Sehverlust und ich versinke in Dunkelheit.
Eilig unternehme ich einen Rettungsversuch, in dem ich vorwärts wegfliegen will in ein unmittelbar auftauchendes, unscharfes Licht vor mir. Dabei vernehme ich den Vorwurf einer inneren (?) Stimme, dass sie, gemeint sind die Paredroi, mir seit Wochen nicht helfen (!). Es ist, als würde ein Beobachter meiner Entwicklung mit diesem Kommentar meine tatenlosen Helfer kritisieren wollen.
Derweil kämpfe ich weiter mit einem sehr zähen, fast gelähmten Flug, wobei ich insbesondere meine Beine nur mit extremer Kraftanstrengung ausstrecken kann, was das Fliegen äußerst mühsam macht. Nach kurzem Kampf werde ich schnell physisch. Mit angewinkelten Beinen liege ich auf der linken Seite. Vermutlich hatte ich es also mit einem Erlebnis im „Ätherkörper“ zu tun, einem Zustand sehr nah der Physis; der Sehverlust und die Dunkelheit sind ebenfalls Indizien dafür.
Es ist 6:25 Uhr; fünf Minuten später hätte mich ohnehin der Wecker aus dem Astralzustand gerissen.

Der mythische Wolf beim alten Friedhof

Auf einem von vielen Menschengruppen bevölkerten Wiesengelände, das eine eigentümliche Mischung aus Freifläche und Halle darstellt, fliege ich unter einer Art niedrigen Unterführung hindurch und passiere dabei eine beeindruckende Gruppe junger Afrikanerinnen in traditioneller Gewandung und Chinesen mit roten Strohhüten. Im Flug erlange ich allmählich Klarheit.
„Da bin ich wieder!“, bestätige ich mir selbst und denke daran, Mayfield zu sprechen, ohne dass dieser Gedanke weitere Konsequenzen hätte. Seine Präsenz stellt sich nicht ein.
Ohnehin bin ich von der Umgebung so fasziniert, dass ich sie gern näher erkunden möchte. Links in einer alten Bretterverschalung aus dunklem, verwittertem Holz entdecke ich zwei große freie Astlöcher. Ich fliege näher heran und sehe, was sich jenseits der Wand befindet. Gleich dahinter blicke ich auf die Oberseite eines pipelineartigen rostigen Rohres; dahinter erstreckt sich ein breiter Wiesenstreifen mit hoch aufgeschossenen Kräutern und Gräsern; sie sind trocken und sonnenbeschienen unter dem sommerlich blauen Himmel. Hinter dem Wiesenstreifen erstreckt sich ein uraltes Friedhofsgelände; hohe Grabkreuze aus Sandstein ragen zwischen alten Bäumen auf; triumphbogenähnliche Bauwerke aus rotem Sandstein stehen parallel zu meiner Blickrichtung auf dem imposanten Gelände. Sofort beschließe ich, dieses Gebiet eingehender zu untersuchen. So klettere ich über den schmalen Metallrahmen eines plötzlich aufgetauchten Fensters und steige über der Kräuterwiese in die Höhe.
Zu meiner Linken erscheint ein weißes Tier, das ich zunächst für eine Art Einhorn halte. Davon lasse ich mich aber nicht ablenken, sondern halte auf den alten Friedhof zu, der als Streifen direkt auf dem Rand einer Anhöhe liegt. Man hat einen weiten Blick auf die sommerliche Rheinebene. Gerade will von der schmalen Seite her in das Grabmalgelände einfliegen, als sich das weiße Tier, das ich jetzt ganz klar als Wolf erkennen lässt, unter mir hektisch einen Weg zu mir herüber bahnt. Das Tier springt auf und ab und macht Anstalten, als wolle es mir unbedingt etwas mitteilen bzw. mich warnen. Ich gehe zwar runter, fühle mich aber nach wie vor völlig unbesorgt; ich bin mir gewiss, dass mir hier nichts geschehen kann. So fliege ich rückwärts in das dämmrige Gebiet zwischen den Bäumen und Grabmalen ein, verschwinde dann total in grauer Dunkelheit und finde mich sodann erwacht im Schlafzimmer wieder. Das Erlebnis endet um 7:22 Uhr. Womöglich wäre es besser gewesen, auf den Wolf zuzugehen und ihn anzuhören. Vielleicht war es ja auch ein Bote von Mayfield, den ich nun verpasst habe.

Zombie und Paredros

Im Inneren eines burgartigen Innenhofs oder Innenraums (quadratische Grundfläche, hoch aufragende fensterlose Wände aus grauem Stein mit relativ schmalen und niedrigen Zugängen) hebe ich luzid ab, drehe eine kurze Runde über die schmale Treppenflucht entlang der Wände und bringe mich dann zur Rechten meiner Begleiterin, einer dunkelrothaarigen Frau mit Sommersprossen, wieder herunter. Im Moment meiner Landung wandelt sich das Gesicht der Frau – ich betrachte es im Profil – schädelähnlich ab! Die Augen werden starr und unheimlich und sind blicklos geradeaus gerichtet; die Gesichtshaut beginnt wie über bei einer schwer abgemagerten Person über den hervortretenden Knochen zu spannen. Die irritierende Veränderung bringt mich dazu, mich abzuwenden und nach meinem Paredros „Mayfield“ zu rufen. Ich habe das Gefühl, dass es etwas zu besprechen gibt. Tatsächlich erscheint sofort sein Gesicht in meinem Blickfeld direkt vor meinen Augen: ein älterer Herr mit schwarzem, breitkrempigen Hut, gebräuntem Gesicht und einem Lächeln auf den Lippen. Unbedingt muss ich mit ihm etwas besprechen, was mich dieser Tage umtreibt. Seine Antworten haben mir dieses Wochenende schon sehr geholfen, die Dinge aus einer anderen Blickrichtung zu sehen und inneren Frieden zu finden.

Eine Bauchrednerpuppe

Seit Sommer habe ich mich darauf verlegt, tagsüber zu meditieren und die etwas mühsameren bewusstseinsverändernden Übungen in der Nacht bzw. am frühen Morgen sein zu lassen. Infolgedessen sind die Klarträume seltener bzw. so kurz geworden, dass sie wenig berichtenswert sind.
Erst heute Morgen gab es spontan ein etwas ausgedehnteres Erlebnis.
In einem leeren Haus, meinem eigenen verwandt, aber traumtypisch abgewandelt und verfremdet, werde ich luzid und gehe die Treppe nach unten.
Neugierig öffne ich die Tür zu einem Kellerraum, der aber stockdunkel und uninteressant ist. Ich wende mich ab und schaue mich im Untergeschoss um. Es ist leer. Die Lichtverhältnisse erwecken den Anschein, als würde draußen ein bedeckter Tag herrschen. Meine Sehfähigkeit ist sehr schwankend; immer wieder entgleite ich in die Dunkelheit, sodass ich mir mit traumstabilisierenden Techniken aushelfen muss. Schließlich entscheide ich mich, einfach durch die Zwischendecken des Hauses nach oben aufzusteigen.
Mühelos durchfliege ich Zimmerdecken und Fußböden und gelange ins Dachgeschoss, wo die Stabilisierungsübungen schließlich zu greifen beginnen und sich ein stabiler optischer Eindruck manifestiert. Kurz drücke ich mein Gesicht in einen schrägen Dachbalken; mein Gesichtsfeld verdunkelt sich. Als ich es wieder herausziehe, habe ich einen unveränderten Blick in das Dachzimmer. Die Stabilisierung hat also funktioniert.
In der Dachkammer stehen etwas wahllos Möbel herum. Es macht den Eindruck, als hätte ein Kind sein Puppenhaus eingerichtet.
Besonders seltsam erscheint mir eine Art Kreuzung aus Puppe und Kleinkind. Das Wesen steht mitten im Raum auf einem Stuhl und stützt sich mit beiden Händen auf die Rückenlehne. Ich greife es unter den Achseln und hebe es an. Es hat ein dickes, rundes Gesicht mit kleinen hellblauen Augen; Nase und Mund fehlen. Trotzdem spricht das Wesen zu mir – und zwar aus seinem Bauchnabel, der sich dabei wie ein Mund öffnet und schließt!
Was es mir sagen will, begreife ich nicht. Es scheint sich nur um wirres Zeug zu handeln, das ich nicht nachvollziehen kann.
Verwirrt blicke ich mich um; mein Blick fällt auf einen niedrigen Schrank mit in Leder gebundenen Büchern mit Goldschnitt. Kurz muss ich an die Annahme der Esoteriker denken, dass diese eigentümliche Welt die Existenzweise sei, in der wir uns nach dem Tod wiederfinden! Ein Gefühl der Fremdheit und Sinnleere überkommt mich angesichts dieses Gedankens, denn nichts besitzt hier Beständigkeit, Verbindlichkeit und Bedeutung. Hier gibt es nur, was man sich selbst erschafft, wofür man sich mit voller Bewusstheit entscheidet!
Vielleicht, so überlege ich, kann mir mein Paredros Mayfield bei der Frage helfen, wie ich mit der Seinsweise in der Anderwelt umgehen soll? Ich rufe ihn, spüre aber irgendwie, dass diese Kontaktaufnahme heute nicht mehr klappen wird. Denn unmittelbar auf meinen Ruf falle ich in die dunkle Void und erlebe einen sehr langsamen Übergang in mein Schlafzimmer.
Es ist 8:17 Uhr.

„Klarnacht“

Diese Nacht durfte ich ein seltenes und erstaunliches Phänomen erleben: die sogenannte „Klarnacht“, in welcher der luzide Traumzustand über mehrere Stunden hinweg nahezu mühelos stabil gehalten werden kann!
Zunächst begann diese Erfahrung bald nach dem abendlichen Einschlafen mit einem ganz normalen Klartraum mit diversen Flugübungen. So will ich im Inneren eines hohen und luftigen Gebäudes einen tiefen Treppenschacht überfliegen, habe aber mit einer irrationalen Höhenangst zu kämpfen, die ich, völlig luzid, als unsinnig erkenne. Um es mir selbst zu beweisen, dass Höhe im Traumzustand eigentlich kein Problem darstellt, fliege ich durch das Fenster nach draußen.
Im Weiteren fliege ich im Inneren eines weit verzweigten Anwesens mit breiten, offenen Fensterfronten und auf dem davorliegenden gigantischen und parkähnlichen Wiesengelände mit gewaltig hoch aufragenden grünen Hecken umher.
Allein schon dieser erste Teil des Traums ist zeitlich bereits unheimlich lang ausgedehnt.
Zurück im Gebäude bin ich, in der Rückenlage auf dem Boden liegend, damit befasst, mir eine lange Jeans (sie stört mich irgendwie und ich will sie los haben) vom Körper zu strampeln. Nebenbei denke ich daran, meinen Schutzhelfer Mayfield aufzurufen. Merkwürdigerweise erscheint er auf meine Rufe hin nicht.
„Na ja, gut“, denke ich mir, „es mag ja fast so aussehen, als wollte ich ihn darum bitten, mir dabei zu helfen, eine Hose auszuziehen! Das wird er mich schon alleine machen lassen!“
Als ich fertig bin, verlasse ich den Raum durch die vordere Tür und gelange in eine von warmem und gemütlichem Licht erfüllte Küche. Dort an der Anrichte sitzt eine dunkelhaarige Fee, in Größe und Statur einem Grundschulkind entsprechend. Sie hat ein rundes Puppengesicht und dunkelbraune Augen.
Ich frage mich, ob ihr Erscheinen etwas mit meinem Ruf nach dem Schutzhelfer zutun haben könnte. Die Frage bleibt allerdings unbeantwortet, denn die Fee bestürmt mich sogleich telepathisch mit mir nur teilweise verständlichen Aussagen. Es scheint, als sei ich ihr ein Mitwisser eines bedeutsamen und schicksalsmächtigen Geheimnisses. Entsprechend konspirativ und dunkel sind ihre Aussagen und, das Spiel mitspielend, versäume ich es leider, um eine genauere Erklärung zu bitten.
In der Folge verwickle ich mich in eine Art „Agentengeschichte“, wobei ich mit anderen traumbewussten Personen zusammenkomme und mit diesen umherziehe. Was genau wir eigentlich zu tun haben, bleibt mir schleierhaft, doch erfahre ich in kürzeren Einblendungen (sie erinnern mich ein bisschen an einige Szenen aus „Thor“, dessen Anfang ich mir gestern Abend angesehen hatte), dass es irgendwie darum zu gehen scheint, die Welt gegen feindliche Mächte zu verteidigen. Ohnehin handelt es sich bei dieser „Agentenstory“ nur um eine, dem gewöhnlichen Träumen sehr ähnliche Nebenhandlung, die ich gar nicht als sonderlich bedeutsam erlebe. Zu gezielten Konfrontationen und Unternehmungen kommt es jedenfalls nicht.
Stattdessen sitze ich mit meinen Mitträumern u.a. vor einem Hauseingang. Einer meiner Begleiter betrachtet die Oberfläche einer Glasscheibe mit Drahtgeflecht und meint, er könne diese nicht klar wahrnehmen, woran er erkennen könne, dass all dies nicht real, sondern ein Traumerlebnis sei. Als ich die Glasfläche und die Lichtreflexe darauf betrachte, erscheint mir alles völlig klar und realistisch, sodass ich die Ausführungen meines Begleiters nicht nachvollziehen kann.
Über die immer unglaublicher erscheinende Länge und Stabilität dieses luziden Traumes immer stärker verwundert, führe ich immer mal wieder eine Zustandskontrolle in Gestalt eines RCs durch, mit dem immer gleichen Ergebnis, dass dieser Klartraum sich unverändert immer weiter ausdehnt!
Maßlos erstaunt, versuche ich mich irgendwann auch einmal mit Hilfe einer Wanduhr über die verstrichene Zeit zu orientieren. Diese zeigt zwölf Uhr mittags, woraus ich die Schätzung ableite, dass es in „realer“ Zeit jetzt ca. zwölf Uhr nachts sein müsste, was bedeutet, dass dieser Klartraumzustand nun schon mehr denn eine Stunde stabil ist! In dieser Form hatte ich das noch nicht erlebt!
Als ich nach einem, nach meinem Gefühl, über Stunden ausgedehnten Luzidtraum erwache, zeigt der Wecker 1:55 Uhr an.
Merkwürdigerweise habe ich beim Erwachen ein sehr unangenehmes Körperempfinden. Es handelt sich um ein sehr fremdartiges und unangenehmes Verspannungsgefühl im oberen Rücken und im Nacken, das sich als Spannungs- und Druckgefühl über den Kopf bis in die Stirn fortsetzt. Kurzum, ich fühle mich wie gerädert und frage mich, ob dieser unangenehme Zustand eine unmittelbare Folgewirkung des stundenlang ausgedehnten Klartraumzustandes sei. Dies würde bedeuten, dass ein langer Luzidtraum anstrengend und schlauchend ist und einem „normalen“ Traumschlaf hinsichtlich der Erholsamkeit nicht entspricht. Andererseits könnte das alles auch nur ein zufälliger Zusammenfall zweier Phänomene sein, die so gar nichts miteinander zu tun haben. Das werde ich spätestens erfahren, wenn mir erneut eine „Klarnacht“ gelingen sollte.

Psychopompos

In einem stillgelegten, mitten im Wald gelegenen Krankenhauskomplex laufe ich einen geraden Weg entlang. Weiter hinten steigt der Weg an und führt mich zu einem Durchgang in einem hoch aufgeschütteten Wall aus rotbrauner Erde. Dahinter tut sich unter dem weiß überzogenen Himmel eine Ebene auf. Ein Hinweisschild auf dem Weg hat mir verraten, dass es dort eine besondere Naturattraktion zu bestaunen gebe, den „See des I.“ (irgendein Heiligenname wie Isidor von Sevilla, Ignatius oder Irenäus, genau entsinne ich mich nicht mehr).
Auf einer Anhöhe stehend blicke ich auf die Ebene hinaus. Linkerhand befindet sich eine Ansammlung von Wohnhäusern, einige mit rotem Ziegel verklinkert.
Das Gefühl der Leichtigkeit, das mich hier oben überkommt, lässt mich klar werden und ich kontrolliere den Zustand mit einem RC.
Sofort fliege ich hoch, um einen Blick auf den See des I. zu werfen, nehme aber nur einzelne Tümpel auf der erdigen Ebene wahr.
Ich kümmere mich nicht weiter darum, sondern rufe meinen Schutzhelfer Mayfield, der sofort erscheint und mich an der rechten Hand nimmt. Sehen kann ich ihn nicht (bei dem Versuch stellen sich sofort Sehstörungen ein), nur fühlen.
Hand in Hand fliegen wir über die Eben aufsteigend in einen Grey-Out hinein.
Ich frage ihn, wie es in meinem Leben weitergehen wird.
Die Fragen, die mich gegenwärtig beschäftigen, so der Tenor seiner Antwort, würden mich mein Leben lang beschäftigen (enttäuschenderweise klingt das für mich so, als würde es für verschiedene Dinge nie eine klare Lösung geben), doch es würde ein glückliches Leben werden.
Ich frage ihn auch, ob ich etwas tun könne. Doch kenne ich in diesem Fall die Antwort schon: Es gebe nichts, was ich konkret unternehmen könne.
Durch den Grey-Out hindurch schwebe ich ins Erwachen hinüber und die Unterhaltung mit dem Schutzhelfer ist beendet. Gerne hätte ich etwas präziser gewusst, auf welche meiner gegenwärtigen Fragen (davon gibt es nicht zu wenige) er sich nun eigentlich genau bezogen hat, doch das muss vorerst offen bleiben.
Eine interessante Begegnung, die wie so oft zu Ergebnissen führt, die so nicht zu erwarten waren. Nicht umsonst hat der Umgang mit diesen geistigen Entitäten in der Magie große Tradition, weshalb es auch viele verschiedene Namen für sie gibt: psychopompos (Seelenführer), paredros (Beisitzer), Genius bzw. Familiar- oder Schutzgeist …; u.a. der antike Schriftsteller Ammianus Marcellinus erwähnt sie, indem er dem neupythagoreischen Thaumaturgen Apollonios von Tyana einen solchen „genius“ zuschreibt und erwähnt, dass jeder Menschen einen solchen beigeordnet habe, aber nur wenigen Tugendhaften es vergönnt sei, diesen wahrzunehmen und von ihm unmittelbar belehrt zu werden (Ammianus Marcellinus, Res gestae 21,14).