Psychopompos

In einem stillgelegten, mitten im Wald gelegenen Krankenhauskomplex laufe ich einen geraden Weg entlang. Weiter hinten steigt der Weg an und führt mich zu einem Durchgang in einem hoch aufgeschütteten Wall aus rotbrauner Erde. Dahinter tut sich unter dem weiß überzogenen Himmel eine Ebene auf. Ein Hinweisschild auf dem Weg hat mir verraten, dass es dort eine besondere Naturattraktion zu bestaunen gebe, den „See des I.“ (irgendein Heiligenname wie Isidor von Sevilla, Ignatius oder Irenäus, genau entsinne ich mich nicht mehr).
Auf einer Anhöhe stehend blicke ich auf die Ebene hinaus. Linkerhand befindet sich eine Ansammlung von Wohnhäusern, einige mit rotem Ziegel verklinkert.
Das Gefühl der Leichtigkeit, das mich hier oben überkommt, lässt mich klar werden und ich kontrolliere den Zustand mit einem RC.
Sofort fliege ich hoch, um einen Blick auf den See des I. zu werfen, nehme aber nur einzelne Tümpel auf der erdigen Ebene wahr.
Ich kümmere mich nicht weiter darum, sondern rufe meinen Schutzhelfer Mayfield, der sofort erscheint und mich an der rechten Hand nimmt. Sehen kann ich ihn nicht (bei dem Versuch stellen sich sofort Sehstörungen ein), nur fühlen.
Hand in Hand fliegen wir über die Eben aufsteigend in einen Grey-Out hinein.
Ich frage ihn, wie es in meinem Leben weitergehen wird.
Die Fragen, die mich gegenwärtig beschäftigen, so der Tenor seiner Antwort, würden mich mein Leben lang beschäftigen (enttäuschenderweise klingt das für mich so, als würde es für verschiedene Dinge nie eine klare Lösung geben), doch es würde ein glückliches Leben werden.
Ich frage ihn auch, ob ich etwas tun könne. Doch kenne ich in diesem Fall die Antwort schon: Es gebe nichts, was ich konkret unternehmen könne.
Durch den Grey-Out hindurch schwebe ich ins Erwachen hinüber und die Unterhaltung mit dem Schutzhelfer ist beendet. Gerne hätte ich etwas präziser gewusst, auf welche meiner gegenwärtigen Fragen (davon gibt es nicht zu wenige) er sich nun eigentlich genau bezogen hat, doch das muss vorerst offen bleiben.
Eine interessante Begegnung, die wie so oft zu Ergebnissen führt, die so nicht zu erwarten waren. Nicht umsonst hat der Umgang mit diesen geistigen Entitäten in der Magie große Tradition, weshalb es auch viele verschiedene Namen für sie gibt: psychopompos (Seelenführer), paredros (Beisitzer), Genius bzw. Familiar- oder Schutzgeist …; u.a. der antike Schriftsteller Ammianus Marcellinus erwähnt sie, indem er dem neupythagoreischen Thaumaturgen Apollonios von Tyana einen solchen „genius“ zuschreibt und erwähnt, dass jeder Menschen einen solchen beigeordnet habe, aber nur wenigen Tugendhaften es vergönnt sei, diesen wahrzunehmen und von ihm unmittelbar belehrt zu werden (Ammianus Marcellinus, Res gestae 21,14).