Astrale Cartoonkunst

In den vergangenen zwei Nächten arbeite ich mit einer mehr auf das Körpergefühl bezogenen Vertiefungstechnik, die allerdings dazu führt, dass hypnagoge Bilder und andere Hypnagogien nicht mehr direkt wahrgenommen werden, sondern sich als schwer fassliche Störungen bemerkbar machen. Ergebnisloses Liegen und letztlich gewöhnliches Träumen sind die Folge.

Heute lege ich daher den Schwerpunkt wieder auf das Visuelle, was es ermöglicht, den hypnagogen Zustand deutlich wahrzunehmen.
Beim Vertiefen denke ich daran, unbedingt eine Notiz hierzu in mein Tagebuch zu schreiben. Doch entschließe ich mich dagegen, dies sogleich zu tun, um die meditative Vertiefung nicht zu unterbrechen. Ergebnis: In einer der folgenden Traumsequenzen bin ich auf der Stettiner Str. auf dem gesplitteten Vorplatz und dem Bürgersteig auf der Höhe der alten Garagen unterwegs. Ich habe mein Luzidtraumtagebuch, hier ein rotes Büchlein, obgleich es in der physischen Realität schwarz ist, dabei und will den besagten Eintrag hineinschreiben. Leider beginnen aus dem weiß bedeckten Himmel Regentropfen zu fallen. Sehr zu meinem Unmut wird das Buch nass und die Tinte zerfließt auf dem Papier.
Wieder einmal eine dem falschen Wachliegen bzw. Erwachen nahe verwandte Vertauschung der Realitätsebenen.
In einer nächsten Sequenz finde ich mich, wohl irgendwo im Alpenvorland, am rechten Rand einer Straße wieder.
Unter einer schmalen hölzernen und schindelgedeckten Überdachung stehen und sitzen Kinder an und auf der Leitplanke der Fahrbahn. Die Atmosphäre ist die eines herrlichen Sommerlandes. Obwohl die Sonne hoch steht, ist es – wie ich voll bewusst und mit einem gewissen Erstaunen wahrnehme – in dieser Umgebung dennoch nicht sengend heiß, sondern extrem angenehm und erfrischend.
Bei einer Wand oder einem Brückenpfeiler, ein blauer Sommerhimmel wölbt sich über einem üppig grünen Panorama, zeigt mir eines der Kinder schließlich ein kleines rechteckiges Kunstwerk. Es lässt sich zu einem recht langen Leporello ausfalten. Es zeigt eine Menge Schlümpfe, die sich Schulter auf Schulter übereinander gestellt haben, um eine einzelne, sehr große Person darzustellen, die allerdings einen überlangen Rumpf und proportional extrem kurze Arme und Beine hat, da diese nur durch die Extremitäten des untersten und obersten Schlumpfes repräsentiert werden.
Mit dem Kind unterhalte ich mich telepathisch darüber, ob dieses astrale Zeichenkunstwerk wohl auch ein Pendant in der physischen Welt hat. Doch kommen wir zu dem Schluss, dass diese Arbeit so wohl in der physischen Welt nicht existiert.
Bei einem weiteren Blick auf die Zeichnung zeigen sich kleinere, interessante Veränderungen. Nicht nur Schlümpfe beteiligen sich an dem akrobatischen Kunststück, auch Gäste aus Entenhausen sind zugegen. Vom Rücken einzelner Schlümpfe fast verdeckt ist auch Onkel Dagobert bzw. Donald Duck mit von der Partie.
Auch wird jetzt deutlich, welcher Hilfsmittel man sich bedient hat, um sich stabil zu einem langen blauen Riesen aufzustellen: Eine lange Aluleiter wurde an eine hohe schlanke Fichte gelehnt. Deren Sprossen dienen als Stützen, um sich auszubalancieren.
So erfährt man bei der Betrachtung astraler Kunstwerken auch gleich noch etwas von deren Entstehung, da sich diese Dinge räumlich und zeitlich vor einem entfalten!
Neben diesen Erlebnissen sind auch noch präluzide Fragmente erinnerlich: Neben der Schule befindet ich mich jenseits eines in der physischen Wirklichkeit nicht vorfindlichen Torbogens in einem alten, dachlosen und schon sehr verfallenen Holzverschlag. Dort liege ich links an der Wand auf dem Rücken auf einer alten Pritsche oder Holzbank (falsches Erwachen!) und schaue hinauf in das Laub eines Baumes. In den Ästen hängen drei alte, schon etwas verwitterte Totenköpfe. Darüber wundere ich mich und frage mich, wer so etwas getan haben könnte. Leider treibe ich völlig ins gewöhnliche Träumen ab; ergebnislos gehe ich der Frage nach, wer Totenschädel in einem Baum neben der Schule gehängt haben könnte, träume, mit irgendwelchen Mitarbeitern und Vorgesetzten in einem Zugabteil zu sitzen, wobei ich, zu meiner Verwunderung, in einem feinen Anzug ziemlich edlen Schnittes gekleidet bin …

Fehlerquelle Nummer Zwei

Die Nacht ist geprägt von vielen präluziden Astralwanderungen und Flugträumen. Nach der Vertiefungsphase zur üblichen Uhrzeit bin ich im Umfeld eines großes, herrschaftlichen Hauses von quadratischer Grundfläche unterwegs.
Im Inneren des Familiensitzes gehe ich begeistert von Raum zu Raum. Im unteren Geschoss ist in prachtvoller Weise weihnachtlich geschmückt.
In einem der oberen Stockwerke besichtige ich das Schlafzimmer der Herrschaften, mit denen ich mich im Übrigen selbst identifiziere, mich als deren Teil betrachte und daher sozusagen in meinen eigenen Hallen unterwegs bin.
Da ich mich noch nicht zur Ruhe begeben will, verlasse ich das Schlafzimmer, überquere erkundungslustig einen Flur und öffene eine hohe weiße Holztür. Im Raum dahinter stellt sich augenblicklich ein schwarz-weißes Dämmerungssehen ein. Ich verlasse den Raum und betrete ihn irgendwann nochmals, wobei sich nichts an der Sicht ändert. Vielmehr muss ich zeitweilig mit einem dünnen, endlos erscheinenden weißen und schleierartigenVorhang kämpfen, der mich am Weitergehen hindert. Den Endlosvorhang geduldig immer weiter zur linken Seite wegraffend komme ich schließlich daran vorbei und betrete den länglichen Raum. In dem durch hohe Fenster zur Linken und an der Kopfseite des Raumes erhellten Zimmer stehen lange Tische, auf denen silberfarbene Servierglocken abgestellt sind. Aufgrund der schlechten Dämmerungssicht versuche ich einen kurzen Moment lang durch Händereiben die Szene zu stabilisieren, besinne mich dann aber eines Besseren: Erneut will ich eine Translation ins Sommerland mit der senkrechten Sonne vollziehen.
Bei der Translation stellt sich ein Wärmegefühl auf meiner Schädeldecke ein, als würde sie von oben von der Sommersonne beschienen – ein Zeichen, dass es funktioniert.
Durch die Augenlider wird es immer heller, durch den Lidspalt sehe ich schon das Sonnenlicht; der Raum wird transparent und schwindet. Aus den Linkskreisen ausscherend stehe ich auf einer sonnigen Freifläche rechts eines Gebäudes. Allerdings steht die Sonne in diesem Umfeld wieder etwas südlich des Zenits, was mir falsch vorkommt. Sofort beginne ich einen neuerlichen Translationsversuch, bei dem ein Kind (Junge) hinzutritt und mich belustigt im Rücken anschiebt. Das stört mich und ich gebe dem Jungen zu verstehen, dass er das sein lassen soll. Ich spüre nebenbei, dass die Translation mich nicht weiterführt. Ich verbleibe am gegebenen Ort und erwache dann schnell.
Was ist die Lehre aus der Geschicht´: Das Problem war wohl, dass meine Wahrnehmungen nicht den eigenen Vorstellungen entsprachen, was zu Missdeutungen der Situation führte.

Das Mittagsland

In einer Art Einkaufszentrum oder Urlaubsressort schwebe ich alsbald unter der Decke, werde luzid und bringe umgehend meine Füße zu Boden, um aus dem gesicherten Stand heraus eine Translation zur Ebene der senkrechten Sonne vorzunehmen.
Dazu laufe ich in einem engen Linkskreis auf der Stelle und habe dabei zunächst das Gefühl, keinen Erfolg zu haben.
Vor den geschlossenen Augen stellt sich nur eine helle Void ein.
Kontinierlich weiterlaufend überlege ich für einen Moment, die Armbeuge zusätzlich über meine geschlossenen Augen zu legen, um dann zu einem neuen Seheindruck durchzudringen, als ich plötzlich – sehr zu meiner Überraschung – unter mich blickend ganz klar einen Steinboden aus versetzt verlegten, rechteckigen Pflastersteinen wahrnehme.
Als ich den Blick hebe, stehe ich unvermittelt in einer voll ausgeprägten astralen Umgebung: Es handelt sich um eine antike Stadt.
Ich stehe unter einer aquäduktähnlichen Konstruktion in einer Altstadt. Ein Kind (es scheint mir Lasse zu sein) ist bei mir. Sogleich will ich überprüfen, ob meine Translation ins Mittagsland, zur Mitte und zum Nabel der Welt geglückt ist, und schicke auch Lasse los, sich so schnell als möglich einen Ausblick auf den freien Himmel zu verschaffen, um den Sonnenstand zu überprüfen.
In rasanter Versetzung gleiten wir zum Fundament des antiken Aquädukts und dort in eine waagerechte Mauerspalte ein, um von dort aus auf den offenen Strand (?) vorzudringen. Scheinbar liegt die alte Stadt direkt am Meer.
Zuerst habe ich den Eindruck, dass die Spalte für mich zu schmal ist und ich mir beim weiteren Vordringen die Haut am Rücken aufreißen könnte.
Doch dann gebe ich mir, erpicht, den Himmel zu überprüfen, einen Ruck und komme schmerz- und verletzungslos hindurch.
Mein sofortiger Blick zum Himmel bietet mir ein faszinierendes Bild.
Obgleich die Sonne als helle Scheibe im Zenit steht, herrscht in dieser astralen Umgebung Abendstimmung!
Die Dinge existieren hier in einer paradoxen Gleichzeitigkeit, die augenscheinlich werden lässt, dass ich den gesuchten Ort der Ort- und Zeitlosigkeit tatsächlich erreicht habe!
Augenblicklich gehe ich los, um die Kräfte und Eindrücke dieses Ortes tief in mich aufzunehmen
Rechtsum in die antiken Gassen eintauchend lege ich meine Handflächen an die pastellfarben-rosarote Verputzung einer Wand rechts neben mir.
Als ich schließlich weitergehe, komme ich an einer Schreinerei vorbei, die ihre Produkte offen auf der Gasse ausstellt: verblüffend neuzeitlich anmutende Glasvitrinenschränke mit modernen Schlössern. An diesem zeitlosen Ort der Gleich- und Nichtzeitigkeit wundert das allerdings wenig.
Eins weiter an der Ecke stoße ich auf einen wie von elektrischem Licht erhellten, leeren Schlosserladen (Schlüsseldienst). Bei seinem Anblick wird mir endgültig klar, dass ich an diesem Ort auch gestern oder vorgestern Nacht gewesen war, doch erinnere ich mich erst jetzt wieder daran. An dem verlassenen Schlosserladen steht die Tür offen. Zu meinem Begleiter meine ich noch beiläufig „Unvernünftig, oder nicht?“ und ziehe die Ladentür ins Schloss, was mein unsichtbarer Begleiter ohne größere Beteiligung zur Kenntnis nimmt.
In diesem Augenblick erwache ich. Es ist 4:15 Uhr.
Ich fühle überdeutlich, dass mein Ziel, mir an diesem Ort Kraft zu holen, geglückt ist! Die Gewissheit trägt mich durch den Vormittag und ist noch immer spürbar, als ich mich nachmittags ans Abtippen meiner Notizen mache.